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LAND OF THE DEAD (USA 2005)

von Hasko Baumann

Original Titel. LAND OF THE DEAD
Laufzeit in Minuten. 93

Regie. GEORGE A. ROMERO
Drehbuch. GEORGE A. ROMERO
Musik. REINHOLD HEIL . JOHNNY KLIMEK
Kamera. MIROSLAW BASZAK
Schnitt. MICHAEL DOHERTY
Darsteller. SIMON BAKER . JOHN LEGUIZAMO . DENNIS HOPPER . ASIA ARGENTO u.a.

Review Datum. 2005-07-15
Kinostart Deutschland. 2005-09-01

George Romero hat mit seiner Zombie-Trilogie einen herausragenden Beitrag zum Horrorfilm geleistet, insbesondere mit dem Kernstück DAWN OF THE DEAD, wohl einem der fünf großartigsten Horrorfilme aller Zeiten. Mit letzterem hat Romero nachdrücklich bewiesen, zu was ein Film dieses oft geschmähten Genres fähig sein kann. Im Gegensatz zu seinen Epigonen hat er die Darstellung der Apokalypse genutzt, um gesellschaftliche Mechanismen und Konzepte zu hinterfragen und die Dynamik zwischenmenschlicher Zwangsbeziehungen aufzuzeigen. In DAWN und DAY OF THE DEAD hat er die Möglichkeit eines Lebensraums in der Apokalypse untersucht: in DAWN legte er die Untauglichkeit verschiedener Gesellschaftssystem in deren Rahmen dar, in DAY den zum Scheitern verurteilten Versuch einer Koexistenz mit den Untoten. Es war eine schlüssige, runde Trilogie, die mit dem "Tag der Toten" die Übernahme der Welt durch die Zombies zur beschlossenen Sache machte. Was sollte da noch kommen?

Leider kommt LAND OF THE DEAD. In dieser - nach all den Jahren letzten Endes überraschenden - Rückkehr Romeros zu seinem Hauptwerk sind die Zombies überall. Das waren sie in DAWN und DAY allerdings auch schon. Die Weiterentwicklung des Zombie-Stoffes liegt darin, daß die Untoten jetzt - wie in DAY schon mit dem lernfähigen Bub eingeführt - Intelligenz entwickeln. Sie erinnern sich, sehen hin, imitieren - sie benutzen Gegenstände, sie handeln, wenn auch nur rudimentär, überlegt. Die menschliche Gesellschaft hingegen hat sich klassisch in arm und reich aufgeteilt, exemplarisch wieder dargestellt anhand von Romeros Heimatstadt Pittsburgh: Die Stadt der drei Flüsse ist mit elektrischen Zäunen und bewaffneten Wachen vom Rest der Welt abgeschottet. Die Armen leben auf der Straße, die Reichen genießen ihr Dasein in einem gewaltigen Luxusturm, der als Wohnprojekt namens "Fiddler's Green" angeboten wird. Ganz oben sitzt mit Kaufman (Dennis Hopper) der ultimative Kapitalist, der Zombiekiller wie den sensiblen Riley (Simon Baker) und den geldgeilen Cholo (John Leguizamo) Vorräte aus den ungesicherten Vororten für sich und die anderen Geldsäcke besorgen läßt. Doch das System steht kurz vorm Umsturz, denn die Zombies durchschauen das Prinzip und machen sich auf den Weg zur Stadtmauer.

Das ist es eigentlich auch schon. Die Handlung dreht sich hauptsächlich um den Konflikt zwischen Riley und Cholo, die einander irgendwann ans Leder wollen und nebenbei für jede Menge geplatzte Zombieschädel sorgen. Die menschlichen Figuren sind dabei auch nicht wesentlich lebendiger als die Untoten, einzig Dennis Hopper kann - entgegen der Erwartungen - mit einer konzentrierten, aber immer leicht abseitigen Leistung punkten, wie auch Asia Argento, die jedoch nach starken ersten Szenen zur Untätigkeit verdammt wird. Romero verzichtet auf eine vernünftige Entwicklung der Charaktere und setzt stattdessen erschreckenderweise auf Humor. Jede Menge vermeintlich lustige Sprüche wechseln sich mit gewollt originellem Zombiesplatter ab, der zwar brutal ist, aber kurz, knackig und sauber und zum großen Teil eher auf Gelächter abzielt. Die Momente der Auflösung sind längst nicht mehr so schmerzhaft wie einst, allenfalls ein Untoter, der einem Menschen im Rachen wühlt, löst das alte Unbehagen aus, das Unbegreifliche der Entmenschlichung. Überhaupt sehen die Straßen aus wie frisch gefegt und die Untoten wie frisch geduscht. Wo das Zombie-Make-up von Tom Savini aus lebenden Menschen aschfahle, angsteinflößende Tote machte, spulen Nicotero und Berger ihr übliches FROM DUSK TILL DAWN-Programm ab: Tonnenschwere Masken und farbige Kontaktlinsen. Daß Tom Savini einen Gastauftritt hat (ausgerechnet er, dem in DAWN ganz offensichtlich die Wiederauferstehung unmöglich gemacht wurde), trägt eher zum mitunter klamaukigen Tonfall des Films bei. Man fragt sich die ganze Zeit, wo Romero noch hin will - um den interessantesten Aspekt, nämlich den Lebensentwurf "Fiddler's Green", schert er sich überhaupt nicht - bis man begreift, daß er nirgendwo hin will, nur zum läppischen Showdown, dem ein Ende folgt, das eine verdammte Unverschämtheit ist.

Zu keiner Zeit läßt uns Romero die Apokalypse fühlen, wie es gerade Steven Spielberg so meisterhaft mit KRIEG DER WELTEN gelang - und wie er es vor allem selbst noch in seinen vorangegangenen Zombie-Filmen tat. Inszenatorisch einfallslos (alles ist irgendwie halbnah, Close-Ups gibt es nur beim Gedärmefressen) und öde, bleibt der Film nur mit dem Moment in Erinnerung, in dem die Zombies erstmals den Wasserweg wählen. Als straighter Zombiereißer geht LAND OF THE DEAD schon in Ordnung, aber das trifft auch auf RESIDENT EVIL zu. In seinen schlechtesten Momenten erreicht LAND OF THE DEAD das Niveau von VERDAMMT, DIE ZOMBIES KOMMEN, in seinen besten Momenten das von... ja, von Zack Snyders DAWN OF THE DEAD-Remake.

Das tut weh.











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