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BAD TEACHER (USA 2011)

von David Leuenberger

Original Titel. BAD TEACHER
Laufzeit in Minuten. 92

Regie. JAKE KASDAN
Drehbuch. GENE STUPNITSKY . LEE EISENBERG
Musik. MICHAEL ANDREWS
Kamera. ALAR KIVILO
Schnitt. TARA TIMPONE
Darsteller. CAMERON DIAZ . JUSTIN TIMBERLAKE . LUCY PUNCH . JOHN MICHAEL HIGGINS u.a.

Review Datum. 2011-06-22
Kinostart Deutschland. 2011-06-23

SIE hasst die Schule, und schleppt sich immer lustlos und meist verkatert dorthin. Da muss eben auch ein kleiner Schluck aus einem Medizinfläschchen bei der Überbrückung der nächsten Unterrichtsstunde hinweg helfen. Was SIE mag: Saufen, Kiffen, Fluchen, Modemagazine, Filme. Was SIE nicht mag: übermäßig engagierte Lehrerinnen und Bücher. Ihr größter Wunsch: nie wieder als Lehrerin an einer Schule arbeiten müssen.

ER ist gutaussehend, sexy, eloquent, charmant und der reiche Erbe einer Uhrenmacherdynastie. ER hasst Sklaverei, Abtreibungen und Haie (da diese Tiere bekanntermaßen Familien zerstören). ER liebt Ausflüge ohne Karten aber mit Navi-Gerät, Ethno-Cuisine und Haie (da diese Tiere so majestätisch sind). ER ist der Vertretungslehrer.

Mit zwei Figuren kann man zwar durchaus einen Film machen, aber fügen wir noch zwei weitere hinzu. Zunächst einmal ÜBER-ICH, die an das Gute im Menschen glaubt; besonders, wenn es von Kindern kommt, und sei es auch in Form eines peinlichen Gedichts. ÜBER-ICH hängt sich voll rein in den Lehrerjob, auch wenn die Kinder sie ob ihrer überdrehten Art manchmal blöde angucken. ÜBER-ICH mag Äpfel, Kinder, kreative Unterrichtsmethoden und ER. ÜBER-ICH kann einige Sachen jedoch gar nicht leiden: Drogen, Schummeln bei Schultests und SIE.

Dann gibt's noch ES. ES ist dazu verurteilt, für den Rest seines Lebens in einer öden Kleinstadt in Cook County (Illinois) Mittelschülern Basketball-Werfen und Seil-Klettern beizubringen, da sein Traum, dasselbe an einer Eliteuniversität zu unterrichten, geplatzt ist. Es gibt vieles, was ES nicht mag: seinen gegenwärtigen Job, die Lehrer-Band der Schule, Seil-Klettern, Tanzen, ÜBER-ICH, ER, süß-klebrige Liebesbeziehungen, Haie und noch vieles mehr. ES mag aber SIE, und ab und zu auch einen Joint.

Der Leser möge sich nicht täuschen. Der an den Haaren herbeigezogene Bezug auf den guten alten Sigi dient dem Verfasser lediglich als billigen Trick, um den völlig überzeichneten Figurenbeschreibungen (die aus dem Heft eines Zehntklässlers oder eines High-School-Komödien-Drehbuchautors entstammen könnten) einen weiteren völlig überzeichneten kleinen Witz hinzuzufügen. BAD TEACHER funktioniert ebenfalls auf diese Art und Weise. Eine besonders intensive Story erwartet den Zuschauer ganz bestimmt nicht: die von ihrem Job angeödete Lehrerin Elizabeth (Cameron Diaz) verliebt sich in den Aushilfslehrer Scott (Justin Timberlake). Um ihn für sich zu gewinnen, möchte sie sich die Brüste vergrößern lassen, was allerdings viel Geld kostet (besonders, weil sich die Vergrößerung nur paarweise lohnt). Hinderlich, dass die hyperaktiv-engagierte Lehrerin und Nervensäge Amy (Lucy Punch) mit Scott erfolgreich anbandelt und ärgerlich, dass zeitgleich der Sportlehrer Russell (Jason Segel) Elizabeth permanent nachstellt.

Worauf sich jedoch der Zuschauer freuen kann, ist eine sehr extensive Verballhornung von High-School-Film-Klischees, die zerschlagen und ohne jeglichen Respekt wieder zusammengesetzt werden, um Gags zu schaffen, die oft absolut übertrieben sind... und meistens auch sehr amüsant. Nicht alle Witze zünden gleichermaßen, aber die Erfolgsquote ist befriedigend. Die hauchdünne und dämliche Story muss für anderthalb Stunden Laufzeit zwar ganz schön gestreckt werden, aber das tolle Schauspieler-Ensemble lässt dies vergessen. Cameron Diaz spielt die permanent angepisste Elizabeth perfekt. Lucy Punch als Amy ist herrlich überdreht. Den großen Preis gewinnt jedoch Justin Timberlake in seiner Rolle als Scott, der irgendwie mit allen klar kommen möchte und deshalb so stromlinienförmig, oberflächlich, und einen Hauch schleimig ist. Timberlake beweist nach THE SOCIAL NETWORK erneut, dass er wie einige andere Sänger eher zum exzellenten Schauspieler taugt. Der "Höhepunkt" der selbstironischen Image-Zerstörung ereignet sich in einer nahezu unfassbar grotesken Sex-Szene.

Der gemeine US-amerikanische Filmkritiker-Kollege wird sicherlich was von "jolly good R-rated fun" schreiben. Und er wird Recht haben. BAD TEACHER ist politisch inkorrekt genug, um das Publikum zu amüsieren, bleibt aber trotzdem immer auf sicherer Entfernung zur Grenze des Skandals entfernt. Den Zuschauer erwartet eine unterhaltsame, lustige und kurzweilige Kino-Unterhaltung, über deren potentiellen tieferen Sinn er sich wahrscheinlich nicht den Kopf zerbrechen muss. Um in Elizabeths didaktisch mehr oder minder sinnvollen Bewertungskategorien zu denken: Für BAD TEACHER gibt‘s drei Sternchen auf die Stirn. Den Basketball mitten ins Gesicht wird schon irgendein anderer Film verdienterweise bekommen!











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