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ATTACK ON TITAN - END OF THE WORLD (Japan 2015)

von André Becker

Original Titel. SHINGEKI NO KYOJIN ENDO OBU ZA WARUDO
Laufzeit in Minuten. 87

Regie. SHINJI HIGUCHI
Drehbuch. YUSUKE WATANABE . TOMOHIRO MACHIYAMA
Musik. SHIRO SAGISU . SHIRO WASHIZU
Kamera. SHOJI EHARA
Schnitt. YUSUKE ISHIDA
Darsteller. HARUMA MIURA . KIKO MIZUHARA . KANATA HONGO . HIROKI HASEGAWA u.a.

Review Datum. 2017-04-04
Kinostart Deutschland. direct-to-video

Bereits der erste Teil der Realfilm-Version des weltweit enorm populären Anime/Manga ATTACK ON TITAN blieb hinter den Erwartungen zurück und erwies sich als holprig erzählter Big-Budget-Fehlschlag mit hohem Trash-Anteil. Auch die Fortsetzung fällt nicht wirklich überzeugend aus und wiederholt die inszenatorischen Fehler des Erstlings.

Nach einem recht ausführlichen Prolog steigt ATTACK ON TITAN - END OF THE WORLD direkt in die Geschichte ein. Der junge Soldat Eren (Haruma Miura) ist Gefangener des Militärs, die ihn aufgrund seiner Kräfte als Bedrohung eingestuft haben. Bei einem Titanenangriff wird Eren jedoch befreit und wacht nach einem kurzen Blackout bei dem verschollenen Elitesoldat Shikishima (Hiroki Hasegawa) auf. Dieser erläutert ihm welche Rolle die Regierung und das Militär im Krieg gegen die Titanen spielen und wieso diese der wahre Feind der Menschheit sind. Zusammen mit mehreren Revolutionären machen sich beide auf den Weg um der Regierung einen entscheidenden Schlag zu verpassen. Nach und nach wird Eren allerdings klar, dass Shikishima am Wohl der Menschheit weniger interessiert ist, als er vorgibt. Als Erens ehemalige Mitstreiter auftauchen muss er sich endgültig entscheiden auf welcher Seite er steht.

ATTACK ON TITAN - END OF THE WORLD wechselt, wie schon der erste Teil, beständig zwischen knalliger Action und überwiegend uninteressant aufgezogenen zwischenmenschlichen Episoden. Neu ist dabei, dass Regisseur Shinji Higuchi die Hintergründe der Titanen aufzeigt und stärker als in Teil Eins die dystopischen Aspekte der Story betont. Insofern sind die Themen Unterdrückung, Kontrolle und Herrschaft im Kontext der Geschichte wesentlich präsenter. Schade nur dass Higuchi diesbezüglich lediglich die üblichen Parameter ähnlich gelagerter Endzeit-Streifen abruft. Und das leider auf eine durch und durch substanzlose, klischeebehaftete Art und Weise.

Insgesamt ist Teil Zwei inhaltlich ein wenig fokussierter erzählt als der Vorgänger. Higuchi legt den Schwerpunkt auf wenige Personen und auch die Handlung bewegt sich (halbwegs nachvollziehbar) auf ein klares Ziel hin. Im Gegensatz zum ersten Teil sind daher weniger Füllszenen enthalten, welche den Handlungsverlauf (der sehr kurzen Laufzeit) in Mitleidenschaft ziehen. Nichtsdestotrotz gibt es erneut einige Szenen, die zäh dahinkriechen und das Publikum mit öder Schwafelei einlullen. Dennoch muss man konstatieren, dass der Film in diesem Zusammenhang ein kleines Bisschen besser dasteht als der Erstling, der mitunter dramaturgisch komplett zerfasert wirkte. Was dabei allerdings auf der Strecke bleibt sind die Nebencharaktere. Scheinbar dachte man sich wohl, dass mit der Personen-Einführung des ersten Teils alles gesagt ist. So oder so findet das Drehbuch der Fortsetzung für das Innenleben und die Motivation sämtlicher Charaktere außer Eren und Shikishima keinerlei interessante, geschweige denn tiefgehende Entwicklungsansätze.

Bei den Actionsequenzen muss man ebenfalls Abstriche machen. Die Kämpfe spielen sich diesmal fast ausschließlich zwischen den Titanen ab, was dazu führt, dass die Soldatentruppe selten eingreift und die waghalsigen Angriffsmanöver in der Luft eher selten durchgeführt werden. Die Folge ist, dass die fast komplett am Rechner entstandene, abermals recht blutig in Szene gesetzte, Action meist ziemlich undynamisch daherkommt und die Konfrontationen in ihrem sattsam bekannten Ablauf schnell ermüden. Zwar gibt es am Ende einen erwartungsgemäß großen Knall, aber auch hier will sich einfach keine Begeisterung für das Gezeigte einstellen. Im direkten Vergleich mit dem Vorgänger zieht der zweite Part der Realverfilmung daher actionmäßig eindeutig den Kürzeren. Der naiv-grobschlächtige Charme der in Teil Eins zumindest teilweise noch aufblitzte und die teils hanebüchenen Szenen davor und danach ein wenig kompensierte fehlt hier fast vollständig.

ATTACK ON TITAN - END OF THE WORLD kämpft insofern an ganz verschiedenen Fronten und versagt leider sowohl als Event-Film, als auch im Versuch einen düstere Dystopie im Gewand eines haltlos übertriebenen Monster-Films zu entwerfen. Dass der Film die Fehler des ersten Teils wiederholt ist dabei nicht das größte Problem. Entscheidender ist, dass die Produktion keine erkennbare Steigerung vollzieht und die bereits aus dem ersten Teil bekannten Schauwerte nicht weiterentwickelt, sondern diese auf erschreckend einfältige und letztlich redundante Weise auf ihr Publikum loslässt.

Wie bereits der erste Teil erhielt auch die Fortsetzung hierzulande einen limitierten Kino-Start in ausgewählten Lichtspielhäusern. Eine Auswertung auf DVD und Blu-ray ist für Juli 2017 geplant.











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