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ATTACK ON TITAN (Japan 2015)

von André Becker

Original Titel. SHINGEKI NO KYOJIN
Laufzeit in Minuten. 98

Regie. SHINJI HIGUCHI
Drehbuch. YUUSUKE WATANABE . TOMOHIRO MACHIYAMA
Musik. SHIRO SAGISU . SHIRO WASHIZU
Kamera. SHOJI EHARA
Schnitt. YUSUKE ISHIDA
Darsteller. HARUMA MIURA . KIKO MIZUHARA . KANATA HONGO . SATOMI ISHIHARA u.a.

Review Datum. 2017-01-03
Kinostart Deutschland. nicht bekannt

Das Franchise rund um die immens erfolgreichen Manga-Reihe bzw. den Anime Attack on Titan hat sich im Laufe der Jahre stetig vergrößert. Eine Realverfilmung hat bislang gefehlt. Diese Lücke wird von Regisseur Shinji Higuchi (SINKING OF JAPAN) nun geschlossen. Das ist jedoch nur bedingt Grund zur Freude, denn ATTACK ON TITAN ist alles andere als gelungen.

Riesengroße Viecher, die mit lautem Getöse ganze Städte dem Erdboden gleich machen, sind im japanischen Kino ein äußerst beliebtes Filmthema. Higuchi fügt dieser Thematik noch eine weitere Facette hinzu. Die Titanen sind nämlich nicht nur ausgesprochen zerstörungswütig, sondern auch reichlich vernarrt in das Verschlingen von Menschen. Diese haben, als Schutz gegen ihre überdimensionalen Feinde, riesige Mauern errichtet, wo sie ein mehr oder minder entbehrungsreiches Dasein fristen. Da der letzte Angriff der Titanen Jahre zurück liegt, halten vor allem die jüngeren Bewohner die Geschichten über die todbringenden Riesen bereits für groben Unfug. Eines schönen Tages werden sie allerdings auf schmerzhafte Weise eines Besseren belehrt. Mehrere Titanen fallen über die Stadt her und hinterlassen ein blutiges Schlachtfeld. Der Überlebenswille der Einwohner ist dennoch ungebrochen und so schließt sich eine Handvoll Personen einer Gruppe von Soldaten an, die einen Weg gefunden haben die Titanen zu töten.

ATTACK ON TITAN verschwendet so gut wie keine Zeit mit dem Aufbau einer halbwegs sorgfältigen Exposition. Kurz nach dem ersten Massaker der Titanen springt der Film zum nächsten Abschnitt, in dem bereits fleißig der Gegenschlag vorbereitet wird. Während Hollywood bei seinen, meist schrecklich auf überlebensgroß gepolten, Event-Filmen oftmals ermüdendes Story-Vorgeplänkel vorausschickt, bevor es ans Eingemachte geht, werden hier ruckzuck Nägel mit Köpfen gemacht. Dieses Vorgehen erweist sich dummerweise nicht unbedingt als vorteilhaft. Es ist schon erstaunlich, wie nachlässig Regisseur Higuchi die eigentlich doch recht launige Story runterrattert. Ein Gefühl für die Geschichte und ihre Figuren bekommt man nämlich zu keinem Zeitpunkt. Schlimmer noch, die zahlreichen Charaktere sind nicht nur vollkommen oberflächlich skizziert (und von den Jungdarstellern mäßig gespielt), sie sind einem auch von Anfang an völlig egal.

Besonders schade ist darüber hinaus, dass die Produktion das durchaus vorhandene Potential zum Worldbuilding kaum anzapft. Die zerstörten Städte, das Leben hinter den Mauern, die ominöse Soldatengemeinschaft usw. All diese eigentlich recht vielversprechenden erzählerischen Ausgangspunkte werden leider nur in einer konfusen Aneinanderreihung von Szenen notdürftig und ohne Gespür für Stimmungen und Dramaturgie abgehandelt. Die Folge ist, dass man von vornherein auf Distanz gehalten wird und der Zuschauer insofern gar nicht erst in Verlegenheit kommt in die, auf Postapokalypse getrimmte, Filmwelt einzutauchen.

Obwohl der Wille zum Spektakel ab und an sichtbar wird, taugt ATTACK ON TITAN zudem kaum als echter Crowdpleaser. Abgesehen von den zum Teil überraschend zeigefreudigen Splatter-Einlagen bleibt bei den Konfrontationen mit den Titanen nur wenig hängen. Nach einem dann doch angemessen wahnwitzig-überdrehtem Finale ist man zwar fast geneigt dem Ganzen ein wenig versöhnlicher gegenüberzustehen, diese Haltung ist aber schnell passé, wenn man auch nur kurz an die vorherigen rund eineinhalb Stunden denkt.

ATTACK ON TITAN wird seinen knalligen und vor bizarren Ideen nur so strotzenden Vorlagen somit in keiner Weise gerecht. Die Manga-Bände und die Anime-Filme mögen ihre nicht wegzudiskutierenden Schwächen haben, im Vergleich mit der desaströsen Realverfilmung sind diese Erzählformen jedoch eindeutig vorzuziehen. Ob der zweite Teil, der am Ende bereits großspurig angeteasert wird, einen Qualitätssprung macht, ist wohl eher Wunschdenken. Gallonen von Blut, lärmende CGI-Monster und jede Menge Pathos wie im ersten Teil wird es bestimmt auch im Abschluss der Live-Action-Version zur Genüge geben. Ein Mindestmaß an inszenatorischer Sorgfalt wäre hier allerdings weitaus zielführender.

Nach einem limitierten Kino-Start im Rahmen der Anime Nights erscheint der Film Anfang 2017 in deutscher Synchronisation auf DVD und Blu-ray.











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