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ASSAULT ON PRECINCT 13 (USA 2005)

von Hasko Baumann

Original Titel. ASSAULT ON PRECINCT 13
Laufzeit in Minuten. 109

Regie. JEAN-FRANÇOIS RICHET
Drehbuch. JAMES DEMONACO
Musik. GRAEME REVELL
Kamera. ROBERT GANTZ
Schnitt. BILL PANKOW
Darsteller. ETHAN HAWKE . LAURENCE FISHBURNE . MARIA BELLO . BRIAN DENNEHY u.a.

Review Datum. 2005-05-10
Kinostart Deutschland. direct-to-video

Jetzt entdecken also auch die Amis endlich ihren John Carpenter. Sein ASSAULT ON PRECINCT 13 (in Deutschland als ASSAULT und als DAS ENDE veröffentlicht) aus dem Jahre 1976 ist ein Low Budget-Klassiker und gleichzeitig Carpenters Version von RIO BRAVO, einem Film seines Idoles Howard Hawks. Carpenter abstrahierte die Belagerungssituation von Cops und Knackis in einem verlassenen Polizeirevier derart, daß man seinen Film in die kleine Reihe existenzialistischer Actionfilme neben Spielbergs DUEL und Loseys FIGURES IN A LANDSCAPE stellen kann. Waren seine Angreifer noch eine Meute von gesichtslosen Gewalttätern, so ist die Bedrohung im neuen ASSAULT jedoch sehr viel konkreter, und damit stellt der Film weniger ein Remake denn vielmehr eine weitere Variation von RIO BRAVO dar.

Zunächst aber zu zwei wichtigen Fragen:
1. Nein, John Carpenters cooles Titelthema wird nicht aufgegriffen – was schade ist, hatten doch Terranova vor einigen Jahren gezeigt, wie geil das klingen könnte.
2. Nein, es wird kein kleines Mädchen erschossen, das ein Eis in der Hand hält.

Dieser neue Film spielt nämlich nicht im sonnigen Los Angeles, sondern im eingeschneiten Detroit am Silvesterabend. So trostlos wie hier hat man Amerika schon lange nicht mehr im Kino gesehen. Der ausgebrannte Cop Jake Roenick (ausgemergelt: Ethan Hawke) verbringt mit seinem Kollegen Jasper (in Form: Brian Dennehy) und Sekretärin Iris (sexy: Drea de Matteo) die letzte Nacht im Polizeirevier 13, bevor es geschlossen wird. Der Schneesturm kappt nicht nur sämtliche Verbindungen zur Außenwelt, sondern zwingt auch einen Bus mit Strafgefangenen zum Zwischenstop. So kommt es, daß neben den Kleinkriminellen John Leguizamo und Ja Rule auch der charismatische Superverbrecher und Copkiller Bishop (im Morpheus-Modus: Laurence Fishburne) im maroden Revier 13 einquartiert wird. Zu der Runde gesellt sich die Psychologin Alex (Maria Bello), die eigentlich den traumatisierten Roenick beurteilen sollte. Für Silversterpartys bleibt leider keine Zeit: Maskierte Angreifer versuchen, das Revier einzunehmen. Sie wollen Bishop. Allerdings ist es noch fraglich, ob sie ihn wirklich befreien wollen...

Der Grund des Angriffs soll an dieser Stelle nicht verraten werden, macht er doch einen Großteil der einsetzenden Spannung aus. Es ist dies ein völlig anderer Film als der von John Carpenter, eher ein Copthriller mit extremen Bedingungen, aber er übernimmt die reizvolle Situation, die Cops und Kriminelle, wollen sie überleben, zur Zusammenarbeit zwingt. Der Film kann sich dabei auf ein Ensemble in Bestform und Spiellaune verlassen, selbst die kleinsten Nebenrollen sind mit bekannten Gesichtern besetzt (den Knackibus steuern etwa Dorian Harewood und Kim Coates), und auch die in diesem Genre stets riskanten Frauenrollen werden von Maria Bello und Drea De Matteo jeden Zweifels enthoben. Mit solchen Identifikationsfiguren hat die ohnehin schon sehr saftige und brutale Action ganz einfach den Druck, den Fantasiespektakel à la xXx vermissen lassen.

Was den Film aber zum besten Cop-Actioner seit TRAINING DAY macht, ist die Kompromißlosigkeit gegenüber seinen Hauptfiguren. Es ist unmöglich vorauszusagen, wem hier welches Schicksal blüht, und ab einem gewissen Zeitpunkt (einer Szene, wie man sie in dieser Direktheit lange nicht mehr im US-Kino sah) muß man um jeden Sympathieträger fürchten. Wie die letzte positive Überraschung im Action-Genre, HOSTAGE, ist ASSAULT ON PRECINCT 13 von einem Franzosen inszeniert worden. Jean-François Richet enthält sich jedoch sämtlichen Sentimentalitäten oder Schwülstigkeiten, wie sie Florent Siri noch in die Quere kamen, und setzt ganz und gar auf möglichst realistische Härte. Ihm ist ein stimmiger und - wahrscheinlich das größtmögliche Kompliment - spannender Actionthriller gelungen, der die wünschenwerten Elemente enthält: Dichte Atmosphäre, gute Schauspieler und die ganz großen Wummen. Absolut sehenswert.











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