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AMERICAN GANGSTER (USA 2007)

von Martin Eberle

Original Titel. AMERICAN GANGSTER
Laufzeit in Minuten. 157

Regie. RIDLEY SCOTT
Drehbuch. STEVEN ZAILLIAN
Musik. MARC STREITENFELD
Kamera. HARRIS SAVIDES
Schnitt. PIETRO SCALIA
Darsteller. DENZEL WASHINGTON . RUSSEL CROWE . CHIWETEL EJIOFOR . JOSH BROLIN u.a.

Review Datum. 2007-11-14
Kinostart Deutschland. 2007-11-15

Geschichten aus dem wahren Leben erfreuen sich unter Filmproduzenten immer wieder großer Beliebtheit. Nicht nur, dass diese Geschichten nicht erst groß ausgedacht werden müssten, sie haben den Nimbus der Authentizität. Wenn sich dann noch eine so großartige Story wie die vom Aufstieg und Fall eines Gangsters zum Drogenpapst im New York der 70er Jahre auftut, kann nicht viel schief gehen.

Frank Lucas (Denzel Washington) war bis zu dessen Tod Helfershelfer eines Unterweltbosses. In einem von Weissen dominierten Milieu, zumindest was die Führungskräfte angeht, kämpft sich der smarte, stets in schlichten, eleganten Anzügen gekleidete Lucas skrupellos nach ganz oben. Sein Aufstieg fällt in die Zeit der Bürgerrechtsbewegung und des Vietnamkrieges.
Lucas ist das Gegenmodell zu einem Chris Gardener, der in Will Smiths Film THE PURSUIT OF HAPPYNESS ordentlich buckeln darf, um sich mit ein paar Brosamen vom Festtisch der Reichen und Glücklichen zu bescheiden. Er ist kein Knecht, er ist ein entrepreneur.

Pfiffig überträgt er die Gesetze des freien Marktes auf den Heroinhandel, schaltet die Zwischenhändler aus, kauft direkt beim Erzeuger, und kann so gute Qualität zu einem günstigen Preis anbieten. Innerhalb kurzer Zeit ist er ein gemachter Mann.

Sein Gegenspieler ist bereits optisch deutlich abgesetzt. Russell Crowe spielt einen angeschmuddelten Cop, unordentlich, mit wechselnden Geschlechtsbeziehungen und einer gescheiterten Ehe, aber um so ehrenhafter, wenn es um seine Polizeiarbeit geht. In einer durch und durch korrupten Behörde eine Seltenheit.

Genug Zündstoff für einen Knaller hat die Story: ein farbiger Mann mit Ambitionen zu einer Zeit der offensiven rassistischen Unterdrückung, die verschwimmenden Grenzen zwischen einem freiem Markt und seiner Ideologie im Umfeld des organisierten Verbrechens, der Konflikt, ach was, das Duell zweier Männer, die in sich selbst einige Brüche zu verarbeiten haben, eine Exekutive, die sich von Mördern und Spitzbuden bezahlen lässt... nur zündet nichts von alledem.

Washington und Crowe haben schnell begriffen, wie ihre Rollen angelegt sind, und dieses Charakterlayout ziehen sie gnadenlos durch. Ambivalenzen? Ambiguitäten? Am Arsch. Statt dessen nur ödes Nebeneinanderherlaufen, beziehungslos und ohne Spannung. Vielleicht hätte der Regisseur hier ja mit einigen Einfällen etwas Schwung reinbringen können. Kann er aber nicht. Ridley Scott, der Mann, der mit ALIEN und BLADE RUNNER seine Höhepunkte bereits weit, weit hinter sich gelassen hat, scheint nur noch müde. AMERICAN GANGSTER ist einfach runtergedreht, nicht schnurgerade wie ein straight shooter sondern einfach nur bocklos.
Gerade mal für knackige one-liner reicht's. Das freut den Nerd, macht aber das Filmerlebnis nun wirklich nicht spannender. Dabei steckt so viel in dem Plot: die Verwandtschaft des freien Marktes und dem Drogenbusiness, die Zeit des Umbruchs in den USA mit dem Erkämpfen neuer Chancen für farbige US-Amerikaner, das Dilemma, Wohlstand auf Kosten von Menschenleben zu erlangen... alles nur angedeutet. Die historischen Ereignisse werden zwar gezeigt, aber nur en passant im TV, uneingebunden und beziehungslos. Auch das Elend der Junkies wird nur angedeutet, in kurzen, distanzierten Einstellungen, mehr Alibi als ein wirkliches Interesse.

Immerhin, mit Harris Savides wurde einer der besten Kameramänner der Welt engagiert (THE GAME, ZODIAC), so dass die 157 Minuten, die der Film braucht, um nicht in Gang zu kommen, wenigstens hübsch anzuschauen sind. Und man bekommt Sehnsucht nach all den schönen, alten Filmen, die man als traurige Versatzstücke in AMERICAN GANGSTER vorgesetzt bekommt: DER PATE, ES WAR EINMAL IN AMERIKA, ganz besonders auch FRENCH CONNECTION. Ein überlanger Trailer, um den DVD-Box-Verkauf dieser Klassiker anzuheizen? Warum nicht, dann war die Zeit im Kinosessel wenigstens nicht ganz verloren.











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