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88 MINUTES (USA 2007)

von Hasko Baumann

Original Titel. 88 MINUTES
Laufzeit in Minuten. 78

Regie. JON AVNET
Drehbuch. GARY SCOTT THOMPSON
Musik. ED SHEARMUR
Kamera. DENIS LENOIR
Schnitt. LARRY WEBSTER
Darsteller. AL PACINO . ALICIA WITT . LESLEE SOBIESKI . DEBORAH KARA UNGER u.a.

Review Datum. 2007-07-14
Kinostart Deutschland. nicht bekannt

Selbst wenn man das Logo der Firma Equity Pictures zu Beginn des Films übersehen hat, riecht es schon nach wenigen Minuten so streng nach deutschen Medienfonds, daß man ahnt, was für eine Steuerabschreibung hier mal wieder vorbeiflimmert. Es ist etwas an diesen US-Produktionen, die mit deutschen Geldern finanziert werden, das so laut "Flop" schreit, daß es schon weh tut und man sich wundert, daß es immer so weitergehen kann. Auf der Homepage von Equity Pictures weist man auf 88 MINUTES mit einem uralten Bild von Al Pacino hin, im Gegensatz zum Film natürlich ohne Bart, und schreibt auch noch den Namen des Regisseurs falsch. Weitere Informationen? Da ist ein Link zur IMDb.

Um den Film selbst ranken sich, wie so oft bei dubiosen, komplett in die Hose gegangenen Produktionen, so einige Gerüchte über verschiedene Lauflängen, Versionen und Nachdrehs. Kein Wunder, wurde doch Regisseur James Foley frühzeitig durch den wenig qualifizierten Jon Avnet ersetzt. Die Handlung dreht sich um den forensischen Psychologen und Uni-Professor Jack Gramm, der eines Morgens nach durchzechter Nacht Opfer eines komplizierten Komplotts wird: Eine unbekannte Stimme am Telefon verspricht ihm den Tod in 88 Minuten. Währenddessen harrt der Serienkiller Jon Forster (Neil McDonough), den Gramm möglicherweise mit einer Falschaussage hinter Gitter brachte, seiner Hinrichtung. Gramm muß vor Ablauf des Ultimatums herausfinden, ob Forster aus dem Knast heraus operiert - der als Komplizen verdächtigen Personen gibt es viele.

Diese Story, gepaart mit dem Titel, legt die Vermutung nahe, hierbei handele es sich um einen in Echtzeit erzählten Thriller. Tatsächlich beginnt bei der gesehenen Version aber nach 73 Minuten schon der Abspann. Auch Pacino wirkt als müder, abgekämpfter Uralt-Casanova Gramm nie so, als hätte er es sonderlich eilig. 88 MINUTES ist das konstruierteste, absurdeste und kleinkarierteste Starvehikel seit der Michael Douglas-Katastrophe THE SENTINEL. Ganz so schlecht wie dieser ist der Film, der nun auch schon seit anderthalb Jahren auf Halde liegt, nun nicht, aber nahe dran.

Der Plot ist zwar wirr und unübersichtlich und involviert einen Haufen Personen, aber da sich viele Spuren ganz schnell wieder in Luft auflösen, muß man nicht ganz so genau aufpassen - im Grunde spielt sich alles nach dem Muster eines durchschnittlichen Frühneunziger-Krimis ab. Pacino sieht in dem ganzen Gehampel erschreckend alt aus, nur seine immense Haarpracht weiß durch ständiges Auf- und Abplustern zu gefallen. Als Ausgleich werden ständig attraktive Frauen um ihn herumgestellt, die ihm lachhafterweise auch noch zum großen Teil willig ergeben sind. Wenn das unausgegorene Drehbuch mal mit einer von ihnen nichts anzufangen weiß, wird sie einfach in den Nebenraum geschickt und darf erst wieder rauskommen, wenn es gerade so paßt. Jon Avnet weiß auch nicht so recht, was er da machen soll und raubt einem - nach kreuzüblen Strobe-Zeitlupen gleich zu Beginn - im Finale auch noch mit extrem sauren Achsensprüngen den Atem. Bis auf den ordentlich gelösten Höhepunkt hat er allenfalls durchschnittliche Fernsehware zu bieten. Und als er die Skyline von Seattle, wo die Handlung angesiedelt ist, gleich zu Beginn nur durch ein Fenster gesehen zeigt, weiß man schon: Die waren da nie. Kanada, da waren die. Und da waren die auch.

Immerhin hat der Name Pacino eine sehenswerte Besetzung angezogen: Es gibt ein willkommenes Wiedersehen mit William Forsythe, Amy Brenneman, Deborah Kara Unger und Leslee Sobieski - wer genau hinsieht, entdeckt vielleicht sogar Melinda Clarke. Aber genau wie Alicia Witt haben die Darsteller mit bestürzend schlechten Parts zu kämpfen und werden rettungslos verheizt. Einzig Leslee Sobieski bleibt in Erinnerung mit einer wirklich exquisiten Leistung. Al Pacino selber ist dramatisch unterfordert und kommt nur in einem Ausraster vorm verkniffenen Forsythe in Fahrt. So bleibt die Frage, die man sich nach diesem Murks stellen muß: Was hat Pacino nur geritten? Letztlich kann es ihm wohl egal sein, daß diese Gurke nie so recht das Licht der großen weiten Welt erblicken wird, aber die Idee der Herausforderung hätte ich in seiner Rollenauswahl durchaus verortet. Bis jetzt.











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