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28 WEEKS LATER (Großbritannien 2007)

von Thorsten Hanisch

Original Titel. 28 WEEKS LATER
Laufzeit in Minuten. 99

Regie. JUAN CARLOS FRESNADILLO
Drehbuch. ROWAN JOFFE . JUAN CARLOS FRESNADILLO . JESÚS OLMO
Musik. JOHN MURPHY
Kamera. ENRIQUE CHEDIAK
Schnitt. CHRIS GILL
Darsteller. ROBERT CARLYLE . ROSE BYRNE . JEREMY RENNER . AMANDA WALKER u.a.

Review Datum. 2007-06-16
Kinostart Deutschland. 2007-08-30

Daß in Zeiten, in denen alles gesequelt, geprequelt und geremaked wird, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, auch Danny Boyles finanziell äußerst einträchtiger Horror-Hit 28 DAYS LATER aus dem Jahr 2002 eine Fortsetzung erfährt, überrascht wohl niemanden. Dass das Sequel aber sehr gut ist, wesentlich besser sogar als das stark überschätzte Original, erstaunt dann doch. Dabei sorgt der Plot nicht gerade für reichlich Popowasser:

Don Harris hat sich mit seiner Familie und ein paar anderen Überlebenden der "Rage"-Seuche auf dem Land verbarrikadiert. Doch auch dort gibt es kein Entkommen vor den blutdürstigen Infizierten: Sie werden angegriffen, nur Harris überlebt und kann fliehen, muss aber seine Frau in Stich lassen. Sechs Monate später: Das US-Militär hat mittlerweile die Kontrolle übernommen, das Virus wird als besiegt erklärt, die letzten Infizierten sind den Hungertod gestorben. Man beginnt mit dem Wiederaufbau des Landes, die ersten Flüchtlinge werden eingeflogen. Darunter auch die Kinder von Harris. Diese finden kurz darauf ihre völlig weggetretene Mutter, die zwar vom Virus infiziert ist, aber keinerlei Anzeichen der Seuche zeigt. Doch bei einer Zusammenkunft zwischen Dan Harris und seiner Frau wird das Virus wieder freigesetzt. Das Grauen beginnt von vorne.

Okay, soweit alles wie gehabt, doch 28 WEEKS LATER zieht seinen Plot mit einer Konsequenz und Intensität durch, wie sie im heutigen Mainstream-Kino selten geworden ist. Der oscarnominierte Jungregisseur und Drehbuchautor Juan Carlos Fresnadillo (INTACTO) führt uns hier auf drastische und eindringliche Weise die Auflösung sämtlicher vertrauter Strukturen und Werte vor. Der Staat und die Hüter der staatlichen Ordnung wissen sich nur noch mit äußerster Aggression zu helfen, wobei es keinerlei Rolle spielt, wer letztendlich über die Klinge springt. Familiäre Beziehungen werden aufgelöst, auf Hilfe ist nicht mehr zu hoffen, selbst Sympathieträger werden gnadenlos geopfert. Das Überleben wird nur noch vom Zufall bestimmt. Ein Happy End ist nicht in Sicht.
Inszeniert ist das alles rasend schnell, stellenweise zu schnell, ältere Zuschauer wie der Schreiber dieser Zeilen werden wahrscheinlich Probleme haben alles auf der Stelle mitzubekommen, dennoch: Fresnadillo hat ein untrügliches Talent für atemberaubende Bilder und Sequenzen, die man so schnell nicht mehr vergisst: Die Bombardierung Großbritanniens, die ersten Minuten und… einer der absoluten Höhepunkte: Die brutale Eskalation zwischen Militär und Zivilisten, selten wurde das Chaos, die Hilflosigkeit eines solchen Moments so spürbar gemacht. Vergleiche zur Interventionspolitik der USA drängen sich natürlich auf, werden momentan aber in jedem Film mit US-Militärs gezogen, vielleicht ist es ab und zu doch mal ganz gut, das Gras einfach mal grün sein zu lassen.

Angenehm auch die Besetzung: Carlyle & Co. schlagen sich wacker, bekommen aber unterm Strich nicht allzu viel zu tun, der Fokus verschiebt sich immer mehr in Richtung des Newcomers Mackintosh Muggleton und der Jungschauspielerin Imogen Poots, zwei Kinderrollen, die zur Abwechslung mal nicht nerven.

Für ein Sequel ist das Alles jedenfalls mehr als zufriedenstellend und hoffentlich mit Vorbildfunktion. Übermäßig originell ist Fresnadillos Film zwar nicht, aber solch einen strammen Action-/Horrorburger schiebt man sich vor allem nach Magerkost wie DEATH PROOF nur allzu gerne hinter die Kiemen, denn er schmeckt lecker und bleibt auch eine Weile zwischen den Zähnen hängen!











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