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GESPRÄCHE

Hasko Baumann im Gespräch mit Tom Holland

Tom Holland (rechts) Tom Holland wurde 1943 in Poughkeepsie, New York, geboren. Als Autor und Regisseur wurde er erst etwa vierzig Jahre später bekannt und feierte seine größten Erfolge in den 80er Jahren: Die Drehbücher von Exploitationhits wie DIE KLASSE VON 1984 und kleinen Klassikern wie PSYCHO II ermöglichten ihm den Wechsel ins Regiefach. Mit FRIGHT NIGHT und CHUCKY, DIE MÖRDERPUPPE gelangen ihm zwei der beliebtesten Horrorfilme der Dekade. Nach den enttäuschenden Erfahrungen mit DIE AUSHILFE und THINNER - DER FLUCH wurde es in den 90ern sehr ruhig um Holland.
Tom Holland läuft aber nicht alten Erfolgen hinterher. Mit der Internetserie DRIVEN will er ab Mai zu den Vorreitern der neuen Content-Revolution im Netz gehören. Im Gespräch merkt man ihm die Begeisterung für das neue Medium an, aber auch die Verbitterung über das, was ihm in Hollywood widerfuhr.

Das Gespräch.

Dein neues Projekt heißt DRIVEN. Worum geht es dabei und wie ist es entstanden?
    Das ist aus der Frustration geboren - darüber, wie unmöglich es in Hollywood geworden ist, neue und originelle Stoffe zu platzieren. Angetrieben wurde das Ganze von der Konvergenz der neuen HD-Produktionstechnologie und dem neuen Zugang zum Weltvertrieb über das Internet, der nun auch von kommerziellen Infrastrukturen wie Apple's iTunes, Google, Yahoo, AOL und anderen unterstützt wird. Driven
Wenn ich so klinge, als wäre ich begeistert von dieser Vorstellung, liegt es daran, daß ich es bin. Zum ersten Mal in meinem Leben kontrollieren die großen Firmen nicht mehr den Vertrieb. Vielleicht müssen sie jetzt versuchen, zu konkurrieren. Ich bezweifle aber, daß sie das können, so wie sie im Moment aufgestellt sind.
DRIVEN hat sich ganz natürlich entwickelt. Jeder, der die Schlagzeilen der letzten Monate verfolgt hat, seit Steve Jobs die Videokomponente seinem iTunes Music Store hinzugefügt hat, sollte in der Lage sein, die Zukunft wie eine außer Kontrolle geratene Lokomotive auf sich zurasen zu sehen.
Über 1 Million bezahlte Video-Downloads in den ersten 20 Tagen, kurz danach schon 3 Millionen, die letzte Zahl, die ich hörte, liegt bei über 12 Millionen. Der neue Markt wächst schneller heran als die kostenpflichtigen Music-Downloads damals.
Wir werden Zeuge einer gewaltigen Verschiebung in der Vetriebsindustrie. Die Zukunft hat uns eingeholt, wenn Microsoft mit ihrer Software das Internet mit unserem Home Entertainment verbinden kann.
Mein Plan ist es, schon früh raus zu gehen und New Media zur Verfügung zu stellen, wenn diese Verschiebung stattfindet. Sobald sich der Staub gelegt hat, werden sich Apple, Yahoo, AOL, Google, Microsoft usw. in einer Konkurrenz um die Marktanteile sehen. In diesem neuen Umfeld wird content der König sein.
Der Wettbewerb der Sender wird bald der Wettbewerb der Internet-Sender sein. Du guckst NBC am Donnerstag für bestimmte Programme, CBS am Dienstag... wenn die Majors ihren Willen kriegen, machst Du es im Netz genauso. Das ist dieselbe alte Scheiße. Ich hoffe, wir erleben keine große technologische Revolution, nur um nachher dasselbe langweilige alte Zeug zu sehen. Hier in den USA bestanden die letzten Jahre aus schlechten Reality Shows, und jetzt sind es endlose Variationen von Polizeiarbeitsabläufen.
Ich hoffe, neue Inhalte in episodischem Format zu präsentieren, die eine Alternative zum starren, langweiligen repetetiven Programm der Majors bieten. Ich will mich selbst ins Internet bringen. Ich will kreative Freiheit, um Menschen zu unterhalten.

Driven Und worum geht es inhaltlich bei DRIVEN?
    Um einen glücklosen Chauffeur, der den Job bekommt, eine junge reiche Erbin in eine psychiatrische Anstalt zu fahren. Als sie aus ihrer durch Drogen hervorgerufenen Ohnmacht erwacht, erzählt sie ihm, daß ihr Stiefvater sie ermorden will, um an ihr Geld zu kommen, und es dem Chauffeur anhängen wolle.
Von da geht es los. DRIVEN ist metaphorisch gemeint. Es findet zwar viel auf der Straße statt, aber die Leute werden von ihren persönlichen Dämonen getrieben, wie auch von denen, die sie töten wollen.

Wird das wie ein Serial mit Cliffhangern, wie in den 40er Jahren?
    Ja, echtes Entertainment. Aber mit den Sensibilitäten des 21. Jahrhunderts. Dramatisch, abgründig, voller Action und psychologisch und intellektuell fordernd. Macht Spaß!

TV und Filme fürs Internet - das hat man 1999 schon versucht und ging mit dem Multimedia-Crash baden. Warum sollte es jetzt funktionieren?
    Es war damals zu früh. High Speed-Internetzugänge haben jetzt schon 40% der Haushalte in den USA erreicht, und es werden täglich mehr. Laut iTunes gibt es international schon mehr als 300 Millionen registrierte Benutzer des iTunes Music Store. Das sind Kunden, die aktiv nach Unterhaltungsinhalten suchen und sie käuflich erwerben - und das ist nur ein Portal. Wenn Google, Yahoo und AOL diesen neuen Markt betreten, werden diese schon jetzt außergewöhnlichen Zahlen dramatisch steigen.
Der Markt ist bestimmt dazu, zu explodieren, und er ist eine Möglichkeit für kreative Menschen. Aber das bedeutet, Hollywood auszuhöhlen, oder zumindest die Art, wie man dort denkt.
Das wirklich phänomenale an dieser Zeit ist, daß erstmals in der Geschichte des Unterhaltungsgeschäfts der Zugang zum wichtigen Vertrieb weit offen steht. Der Würgegriff, in dem uns die großen Studios und Sender halten, lockert sich. Wenn mehr und mehr Content Providers erkennen, daß sie jetzt weltweiten Vertrieb ihrer Arbeit erreichen und kontrollieren können, und dafür auch noch direkt bezahlt werden, wird sich die traditionelle Industrie, wie wir sie kennen, verändern. Das ist eine extrem aufregende Zeit für uns Kreative.
Das ist meine Vision, richtig oder falsch. Die Zukunft ist unbestimmt, aber ich bin sicher, daß ich mit meiner Voraussage recht behalte. Ich glaube, daß dies eine großartige Möglichkeit für kreative Leute ist, und ich hoffe, daß sie sie nutzen.

Ist das vielleicht der einzige Weg, der Download-Revolution zu trotzen?
    Ich glaube einfach, daß Kreative, besonders jene mit Verbindung zu einer großen Fangemeinde, sich dem Ganzen öffnen sollten.

Laß uns in der Zeit zurückgehen. Einer Deiner ersten Credits findet sich in der Besetzung von einem Film namens MODEL SHOP(1969). Wolltest Du eigentlich lieber vor der Kamera arbeiten?
    Ich habe sogar schon vorher als Schauspieler gearbeitet, unter dem Namen Tom Fielding. Ich war der Jugendliche in DIE FRAU DES ANDEREN(1970) mit Ingrid Bergman und Anthony Quinn. Davor spielte ich, auch als Tom Fielding, Hauptrollen in verschiedenen Soaps in New York.
Ich habe viele Schauspielcredits unter Pseudonym, zuletzt in bei DER FEUERSTURM im Jahre 1982. Ich spielte den U-Boot-Kapitän in der Schlacht von Subic Bay. Zu der Zeit machte ich es nur aus Spaß, denn ich verdiente mein Geld schon als Autor.

1978 kam THE INITIATION OF SARAH. War es schwierig, endlich einen Stoff loszuwerden?
    Ich habe nur den Story-Credit bekommen. Jemand anders hat mein Buch umgeschrieben. Beim Sender, ABC, fanden sie, ich wäre etwas zu durchgeknallt. Einige Jahre später benutzte ich dann das Zeug, das den Sendern zu irre war, in meinen Filmen.

Manche Leute halten den Film für einen frühen Vorgänger von HEATHERS mit Christian Slater und Winona Ryder.
    Ich fand den Film damals einfach gut, weil er eine primitive Voll-auf-die-12-Direktheit hatte.

Dann kam, fürs Kino, THE BEAST WITHIN - DAS ENGELSGESICHT. Ich erinnere mich an den Film nur vage, ich glaube, er war ziemlich hart und seltsam. Wie kam er an?
    Ich habe ein Jahr lang keinen Auftrag bekommen, nachdem er rauskam. Phillipe Mora hat es ganz gut gemacht, aber hat das Thriller-Element nicht herausgearbeitet. Eigentlich ging es um eine Frau, die sich einer grausamen Vergewaltigung in ihrer Vergangenheit stellen muß, um das Kind, das daraus entstand, zu retten.

Der Film war ziemlich blutrünstig.
    Ja, und das auch noch selbstzweckhaft. Das war Phillipe Mora, und es war damals gerade in Mode. Mein Skript war effektlastiger, zum Beispiel sollte der Sohn sich im Finale häuten. Leider war das, was ich geschrieben hatte, damals noch nicht möglich, und der Film ist sehr schlecht gealtert.

Aber daran trägt niemand die Schuld. Die Technologien entwickeln sich halt weiter.

Der Film war Teil einer Welle von hemmungslos gewalttätigen Horrorfilmen. Warum waren diese damals so immens erfolgreich?
    Horror schwimmt immer mit dem Zeitgeist und reflektiert ihn. Da es eines der wenigen durchgängig profitablen Genres ist, sind die Zyklen deutlicher zu sehen.

Im selben Jahr schriebst Du das Drehbuch zu DIE KLASSE VON 1984. War es Deine Idee, vielleicht von wahren Begebenheiten inspiriert?
    Mark Lester, der den Film inszenierte und produzierte, hatte die Idee. Er wolle ein modernes Remake von SAAT DER GEWALT. Die Story war auf jeden Fall real genug, um bei den Leuten anzukommen. Es war ein Exploitation-Film, der was im Kopf hatte. Ich bin zufrieden damit, was Mark Lester daraus machte.

In Deutschland war der Film ein großer Erfolg und sorgte für einige Diskussionen - nicht nur um die Gewalt, sondern auch die sozialen Aspekte. In den USA gilt er wohl eher als harte Exploitation. War der Film als gesellschaftlicher Kommentar oder als Rachebrett gedacht?
    Beides, hoffte ich. Hier in den Staaten wird der Film stark unterschätzt.

War die extreme Gewalt schon Teil des Drehbuchs?
    Auf jeden Fall.

Findest Du Deine Ideen mittlerweile in den Schulen wieder?
    Schau Dir die amerikanische Kultur an und dann sag Du es mir. (lacht)

Wie hast Du es von dort aus geschafft, zum ersten Autor zu werden, der Hitchcocks Vermächtnis anrührt?
    Ich hatte ein Fantasy-Skript namens THE CRYSTAL TOWER geschrieben. Richard Franklin - Regisseur von PSYCHO II - las es und war beeindruckt.

Psycho II Das Drehbuch zu PSYCHO II ist extrem clever. Hast Du viele Anläufe gebracht, auch angesichts des Drucks, der Hitchcocks wegen auf Dir lastete?
    Ich fühlte enormen Druck. Aber irgendwie schüchterte mich das nicht ein. Als ich anfing zu schreiben, war es nur ein Film fürs Kabelfernsehen. Das Skript war gut genug, um Tony Perkins zu kriegen, und damit wurde es kinotauglich. Hätte ich gewußt, daß das passieren würde, wäre ich wohl nervöser gewesen.
Außerdem war es wunderbar, mit Richard Franklin zu arbeiten. Er hatte Hitchcocks Werk studiert und war voller Respekt seinem Vermächtnis gegenüber. Er paßte auf mich auf.

Ich sprach mit ihm über den im Laufe des Film ansteigenden Gewaltgehalt. Er sagte mir, er habe das Slasher-Genre nicht ignorieren können.
    Wie hätte man PSYCHO II ohne Gewalt machen sollen? Mein Gott, der erste Film hat das Genre auf den Kopf gestellt, insbesondere aufgrund der Gewalt.

Hat PSYCHO II Dein Leben als Autor verändert?
    Absolut. Danach gab es kein Verstecken mehr.

War das gut oder schlecht?
    Erfolg, insbesondere kreativer Erfolg, ist schwierig. Wenn Du einmal etwas Gutes gemacht hast, fühlst Du Dich verpflichtet, immer wieder so gut zu sein. Das kann eine Falle sein, die Dich daran hindert, zu wachsen.

Dein nächstes Projekt, SPUR IN DEN TOD, sollte eine weitere Zusammenarbeit mit Richard sein, aber Michael Winner hat übernommen. Warst Du trotzdem noch beteiligt?
    Nein, gar nicht. Michael Winner ist ein netter Kerl - obwohl er wahrscheinlich nicht mögen würde, daß ich das sage...

Michael Winner möchte als harter Knochen gelten?
    Er gibt sich als harter Knochen, ist aber ein netter Kerl. Allerdings hat er den Film völlig mißverstanden. Er wollte seine Erfolge mit den Charles Bronson-Rächerfilmen wiederholen, hat aber nicht eingesehen, daß SPUR IN DEN TOD etwas völlig anderes war. Er hat alle Dialoge meines Skripts gekürzt und hat das Ganze zu einem Mischmasch gemacht.

Fright Night Mit FRIGHT NIGHT konntest Du dann endlich Deinen ersten eigenen Film inszenieren. War der Job schwer zu kriegen, und vor allem, war er schwer zu machen?
    Rückblickend war beide sehr einfach. Zu diesem Zeitpunkt befand sich meine Karriere in Vorwärtsbewegung. Ich war damals zu naiv, zu begreifen, daß es eine perfekte Produktionserfahrung war. Das Studio war mit ihrem Produkt für ihre A-Liste beschäftigt, damals war PERFECT der Film der Stunde. Daher widmeten sie mir keine Aufmerksamkeit. Ich war der Mann für die B-Liste.
Letztendlich hatte ich einfach Glück. Sie ließen mich allein, und das Ergebnis war großartig. Ich bin zufrieden damit. Es ist wirklich mein Film, den man zu sehen bekommt.

Fright Night Dein nächster Film als Regisseur war FATAL BEAUTY, eine etwas seltsame Angelegenheit. Er wurde als eine Art weiblicher BEVERLY HILLS COP vermarktet, ist aber eigentlich ein extrem gewalttätiger Polizeithriller mit viel Action. War das Ganze für einem Mann in der Hauptrolle vorgesehen?
    Nein, der Film war für Cher geplant, aber ich bekam irgendwie Whoopi. Denk Dir Deinen Teil. Sie hat einen sehr guten Job gemacht, hat eine Menge Persönlichkeit eingebracht. Natürlich wollte das Studio einen BEVERLY HILLS COP. Falscher Film. FATAL BEAUTY hatte kein humoriges Konzept. Das Studio war außer sich wegen der Gewalt. Ich hatte das aber so geschrieben. Sie wollten was anderes, als sie Whoopi besetzten, aber vergaßen, das Skipt dementsprechend zu ändern.

Was war mit dem berühmten Kuß zwischen Whoopi und Sam Elliott?
    Die männlichen Schwarzen haben ihn uns nicht abgekauft, also schnitt ich ihn raus.

Hattest Du jemals Zweifel an der Menge an Schießereien?
    Ich wollte auf John Woo machen, bevor John Woo es tat, wenn das Studio mich gelassen hätte. Damals war das mein Geschmack.

Aber Du hast nie wieder Action gemacht. Würdest Du gern?
    Ja, ich mag Action. Darum geht es bei DRIVEN. Es ist ein Krimi-Drama. Action sollte immer mit Charakterentwicklung gemischt sein. Mit Schauspielerszenen. Du mußt Dich für die Leute interessieren, damit die Action Dich mitreißt.

Chucky Mit CHUCKY - DIE MÖRDERPUPPE gelang Dir ein triumphales Comeback. Wie kam es dazu?
    Viel Schweiß und Tränen. Ich hatte die Geschichte mit der bösen Puppe in Dan Curtis' Anthologie TRILOGY OF TERROR (1975) immer sehr gemocht. Das war eine Adaption von Richard Mathesons Kurzgeschichte. Ich wußte, daß Spielzeug unheimlich sein kann. Die neuen Puppen zu der Zeit, deren Computerchip ihnen das Sprechen erlaubte, brachten neue Möglichkeiten. Chucky war das Ergebnis.

War es schwierig, diese Idee zu verkaufen?
    Es gab schon ein Originalskript bei United Artists, als ich hinzukam, aber das wurde zu etwas anderem, als ich Hand anlegte.

Hast Du Dich für die Fortsetzungen interessiert? Die haben Chucky ganz schön runtergezogen.
    Parodien zeigen immer die Ermüdung eines Genres. Ironie ist einfach; Terror ist schwer.

Absolut. Heutzutage ist alles postmodern, was sich darin äußert, daß sich über alles lustig gemacht wird, für ein Publikum, das aus Klugscheißern besteht. Sehr ungesund für das Horrorgenre. Aber es scheint sich wieder zu ändern, wenn man sich die harten neuen Terrorfilme ansieht, wie etwa die Remakes von TEXAS CHAINSAW MASSACRE und besonders von THE HILLS HAVE EYES.
    Ich habe noch nicht genügend davon gesehen, um das beurteilen zu können. SAW und SAW II haben den Horror in eine eher anatomische Richtung geführt. Vielleicht ist das ein Impuls zurück zum harten Gore. Wir werden sehen.

Hast Du von dem Vorfall in England gehört, bei dem ein kleiner Junge ermordet wurde - von zwei älteren Jungen, die vorher angeblich einen CHUCKY-Film gesehen haben?
    Ja. Ich sollte das Ganze kommentieren. Ich fand das lächerlich.

War es auch. Wie bei Columbine und Manson. Der Versuch, sich mit einem schnell gefundenen Sündenbock vor der Diskussion sozialer Themen zu drücken.
    Das ist mittlerweile wie der Kniesehnenreflex.

Aber hat Dich das jemals beschäftigt, wenn Du Dich mit all diesen gewalttätigen Inhalten auseinander gesetzt hast - wie diese auf die Leute wirken könnten?
    Nicht in dem Kontext, in dem ich arbeite. Viele meiner Filme haben fantastische Elemente. Sie versuchen nicht - wie die meisten Filme - eine Realität darzustellen. Es ist schwer zu glauben, daß jemand, egal wie verrückt, das nicht auseinanderhalten kann. Es gibt außerdem in einem Großteil meiner Arbeit humoristische Elemente, die dem Horror die Schärfe nehmen.

Das stimmt, aber hast Du jemals einen Film gesehen und gedacht "Mann, das ist zuviel"?
    Ja, aber das ist eine Frage des Geschmacks. Und der Toleranz. Es ist ein Kommentar zur Kultur, wie ein Thermometer.

Du hast dann STRANGER gemacht, einen sehr wirkungsvollen Thriller fürs Fernsehen.
    Ich finde, STRANGER ist großartig. Rick Schroeder und die anderen Schauspieler haben einen tollen Job gemacht. Ausgezeichnetes Skript von John Pielmeyer. Es war leider ein Movie of the Week, den nicht viele gesehen haben, aber immerhin erhielt Rick eine wohlverdiente Golden Globe-Nominierung.

DIE AUSHILFE, ein satirischer Thriller mit Lara Flynn Boyle als boshafter Bürokraft, war dann wieder etwas ganz anderes. Wie bist zu diesem Film gekommen?
    John Goldwyn hat mich angeheuert. Ich arbeitete mit ihm unter Alan Ladd, Jr. bei MGM.

Wie war denn die Chemie zwischen Timothy Hutton und Lara Flynn Boyle?
    Mies.

Verstehe. Ich finde an dem Film ganz reizvoll, daß er als Rezessionsthriller eben mal nicht Gewalt als finale Konfliktlösung anbietet, sondern den Jobverlust.
    Der Film wurde von Stanley Jaffee verhunzt. Er hatte das Ende von EINE VERHÄNGNISVOLLE AFFÄRE geändert und damit einen Riesenerfolg gehabt. Also dachte er, das ginge bei jedem Film. Er machte es bei mir und hinterließ einen völlig unverständlichen Film. Er zwang mich zum Umschnitt, und letzten Endes ist das Ganze nur ein Schatten von dem, was ich drehte.

Hast Du noch Deine Version?
    Ich habe sie nie bekommen. Wegen des Endes. Langoliers

LANGOLIERS verlief besser. Es ist eine von Stephen Kings wilderen Ideen, aber mit der unheimlichen Atmosphäre in Deinem Film funktioniert sie sogar im Bild...
    LANGOLIERS gefällt mir auch sehr. Besonders, weil wir praktisch kein Budget hatten. Wir arbeiten auf einem Flughafen in Betrieb, drehten auf 16mm und hatten nicht mal einen Dolly für Kamerafahrten.

Unglaublich. Ist das manchmal sogar erfüllender, oder ist es frustrierend, weil das Publikum ja nicht weiß, unter welchen Umständen man gearbeitet hat?
    Ja, aber der Film hatte ein großartiges Ensemble. Im Fernsehen stellen die Schauspieler oft das Produktionsvolumen dar.

Hast Du mit King daran gearbeitet?
    Ich adaptierte es. Er sagte "Toll" und absolvierte einen Gastauftritt. Das war's.

Als nächstes drehtest Du eine weitere King-Adaption: THINNER, mit Robert Burke als Opfer eines Fluches, der ihn immer dünner und dünner macht. Das ist der einzige Deiner Filme, der mich enttäuscht hat. Er war überraschend zahm. Hattest Du keine Freiheiten?
    Die haben alles immer mehr beschnitten, während ich drehte, und so wurde auch der Film immer dünner und dünner. Robert Burke war allerdings fantastisch.

Wie hätte Deine Version ausgesehen?
    Es ging wieder um den Schluß. Ich wollte Kings Ende: Die Hauptfigur begeht Selbstmord, indem sie ein Stück des vergifteten Kuchens ißt.

Wie kam der Film an?
    Mies. Thinner

Ich wartete danach sehnsüchtig auf den nächsten Tom Holland-Film, aber seither sind zehn Jahre vergangen. Was ist passiert?
    Wie gesagt, THINNER kam mies an.

Wie geht es Dir heute?
    Ich teile meine Zeit zwischen Los Angeles und Florida auf. Hollywood stirbt vor unseren Augen - zumindest, wie es sich jetzt darstellt.

Nach der diesjährigen Oscarverleihung glauben viele, es würde sich etwas ändern.
    Die Einspielergebnisse sinken seit sieben Jahren. Dieses Jahr sogar um 10%. Die Oscarverleihungen haben auch sinkende Quoten. Sie müssen etwas tun. Aber vielleicht geht das Geschäftsmodell mit Namen Hollywood, das wir alle so lieben, den Bach runter, und dann wird etwas Neues seinen Platz einnehmen.
Interessante Zeiten sind das.

Gibt es Träume, die Dir erfüllen möchtest?
    TOM HOLLAND'S DRIVEN im Internet. Ich träume immer noch.




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