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GESPRÄCHE

Thorsten Hanisch im Gespräch mit Robert Ginty

Robert Ginty Robert Ginty ist den meisten 80er-Actionfans wohl als EXTERMINATOR in seliger Erinnerung. Allerdings kann man Ginty schwer in die Reihe der damaligen Ballerhelden einreihen. Zum einen wirkte er immer etwas zarter, zerbrechlicher als Chuck Norris & Co., zum anderen war Ginty auch in vielen anderen Genres unterwegs. Überrascht war ich, als ich herausfand, wie vielseitig Robert Ginty wirklich ist: Schauspieler, Regisseur, Autor, Produzent - und das im Kino-, TV-, Theater-, Werbefilm- und Musikvideo (Moby, Korn, Rod Steward...etc.)-Bereich. Grund genug für ein Gespräch mit dem Mann, der sich als sehr engagiert und auskunftsfreudig erweist.

Das Gespräch.

Zuerst muss ich zugeben, dass ich etwas verwirrt wegen SHOOTFIGHTER bin. Auf deiner Website gibst Du an, dass Du 1992 bei diesem Film Regie geführt hast, die IMDB nennt aber einen Patrick Allen und im Vorspann des Films steht Pat Alan. Hast Du wirklich bei SHOOTFIGHTER mit Bolo Yeung, Maryam d' Abo und William Zabka Regie geführt oder gibt es zwei Filme mit demselben Namen?
    Ich bin der Regisseur von SHOOTFIGHTER, habe aber meinen Namen wieder zurückgezogen, weil die Produzenten einige Änderungen an dem Film vornahmen, nachdem ich meine Schnittfassung ablieferte.

Welche Änderungen wurden gemacht?
    Sie fügten jede Menge unnötige, schlecht gemachte Gewaltszenen hinzu.

Welchen Einfluss hatten John Woo und Ringo Lam auf diesen Film?
    Sie hatten Anteil daran, dass Bolo Yeung seine Zusage gab. Ich bin übrigens ein großer Fan von Johns und Ringos Arbeit.

Waren Woo und Lam wirklich Co-Producer bei diesem Film?
    Der Film wurde von Alan Amiel, Moshe Diamant und Mark Damon produziert. Woo und Lam waren Teilhaber ihrer Produktionsfirma zu dieser Zeit und waren wegen Bolo in die Produktion involviert, aber die produzierten den Film nicht. Ich denke, die Firma gab bloß zu Promo-Zwecken an, dass der Film in Zusammenarbeit mit den Beiden produziert wurde.

Du warst in TWO-MINUTE-WARNING mit Charlton Heston, John Cassavetes, Beau Bridges und Martin Balsam. Wie war die Arbeit an diesem Film?
    Heston und ich waren schon seit Jahren befreundet, wie waren es gewohnt zusammen zu Dreharbeiten zu gehen, Cassavetes war großartig, sein Sohn Nick und ich wurden Freunde, Beau und ich waren ebenso befreundet.

The Exterminator In THE EXTERMINATOR hattest Du deine erste Hauptrolle. War der Film ein großer Erfolg? Wie war die Zusammenarbeit mit James Glickenhaus?
    THE EXTERMINATOR war ein großer Erfolg. Glickenhaus war ein netter Typ, aber nicht wirklich ein Filmemacher. Ich glaube heutzutage arbeitet er am New Yorker Aktienmarkt, er hat das Familiengeschäft übernommen.

Wie siehst Du die Fortsetzung?
    EXTERMINATOR 2 war ein furchtbar inszenierter Film...aber Filme waren für mich immer eher ein Geschäft, ich war mehr dran interessiert mich in der Welt eines Roger Corman oder Bob Shaye zu behaupten.
Als erstes durch die Schauspielerei, dann durch' s Regie führen und dann durch die Produzenten-Tätigkeit. Ich hab' auch immer die Video (heute DVD)-Rechte zu den meisten meiner Filme und ebenso zu anderen behalten. Der Action-Markt wird nun von einer neuen Generation von hauptsächlich schwarzen Schauspielern bevölkert, es wird immer Action-Filme geben, aber ich bin zu anderen Dingen übergegangen.

The Exterminator Roger Corman und Robert Shaye sind dabei Vorbilder für Dich?
    Roger ist seit über 25 Jahren ein Freund von mir. Ich lernte von ihm, wie man kostengünstig einen profitablen Genre-Film macht. Er besuchte die Stanford Universität, ich Yale, so profitierten wir beide von unserer Ausbildung was die geschäftliche Seite der Film Industrie angeht. Wir verstanden schon früh die Wichtigkeit des Auslandsmarkts und berücksichtigten dies bei der der Herstellung der Filme.

Bob Shaye gründete New Line Cinema (NIGHTMARE ON ELM STREET, HALLOWEEN…etc.). Vielen Einschätzungen nach sind wir die drei - im finanziellen Sinne - erfolgreichsten Männer in der Welt des Genrefilms.
Ich verließ das Filmbusiness aber vorzeitig und machte weiter mit der Regie. Fernsehen, Bühne, Produktion, Schreiben. Und weitere künstlerische Unternehmungen.

The Exterminator Zwischen deinen Filmen hast Du immer wieder fürs Fernsehen gearbeitet. Was mochtest Du mehr, die Arbeit fürs Fernsehen oder die Arbeit für die große Leinwand?
    Deine Arbeit fürs Fernsehen wird von mehr Leuten gesehen und zirkuliert schneller, aber als Regisseur beim Fernsehen fühlt man sich wie der Typ, der dem Elefanten im Zirkus folgt, es ist ein furchtbarer Job. Das Produzieren ist die Arbeit in den Medien, die am meisten befriedigt.

Du hast ein paar Filme in Europa gedreht. Gibt es einen Unterschied zwischen Dreharbeiten in den USA und Dreharbeiten in Europa? Wie war die Zusammenarbeit mit europäischen Regisseuren wie Jean-Marie Pallardy, Andrea Bianchi and Umberto Lenzi?
    Ich liebe es genauso in Europa Filmen zu drehen wie dort zu leben. Ich bin irischer Staatsbürger, also ein EU-Mitglied und halte dort immer Ausschau nach Ko-Produktions-Möglichkeiten. Die von Dir genannten Regisseure sind keine wirklichen Filmemacher, wenn Du sie mit den hervorragenden jungen Regisseuren vergleichst, die derzeit in Frankreich, Deutschland und Italien tätig sind und mit denen ich gerne Zusammenarbeiten würde.

Mit welchen Regisseuren würdest Du denn gerne zusammenarbeiten?
    Gerade Regisseure, die Erfolg mit der Arbeit in der eigenen Sprache hatten und wissen wollen, wie es ist auf Englisch zu drehen. Regisseure, die der nächste Alejandro Inarritu, Walter Salles oder Alfonso Cuaron werden wollen.
Ich denke, dadurch, dass man jungen europäischen Talenten, genau wie diesen momentan erfolgreichen, südamerikanischen und mexikanischen Regisseuren, die Türen öffnet, könnten die Filme wieder aufregender werden. Die US-Filmindustrie ist stagniert momentan. The Exterminator

Inarritu, Salles, Cuaron...Du hast einen sehr guten Geschmack. Es ist nur schwer zu glauben, dass für Dich Filme nur ein Geschäft sind. Wie siehst Du dich innerhalb der Filmindustrie? Wirklich nur als Geschäftsmann oder doch mehr als ein Künstler?
    Ich hab' mein ganzes Leben mit den Künsten verbracht, ich denke, dass macht einen Künstler aus mir. Ich wollte nur nicht, dass irgendjemand Kontrolle über mein Leben hat, deswegen wollte ich finanziell unabhängig werden.

In den 80ern bis ca. Mitte der 90er war das Actiongenre sehr erfolgreich, und es gab große Stars wie Chuck Norris, Jean-Claude Van Damme, Sylvester Stallone oder Dolph Lundgren und bekannte B-Action Stars wie Loren Avedon, Lorenzo Lamas, Jeff Wincott, Jeff Speakman und andere. Hast Du sie getroffen? Gab es eine Rivalität unter euch? Du warst ebenfalls einer der Stars der Action-Genres...
    Ich kenne Stallone, Norris und Schwarzenegger sehr gut, wir verstehen uns wunderbar, somit gab es keine Rivalitäten. Die anderen kenne ich nicht persönlich.
Momentan bin mehr dran interessiert nach Europa zurückzukehren, dort zu leben, wieder im Theater Regie zu führen, mit neuen Talenten zu arbeiten und vielleicht ein Roger Corman-mäßiges Studio zu starten, damit junge Filmemacher eine Möglichkeit haben, ins Geschäft zu kommen. Deutschland wäre ein großartiger Ort für einen Start.

Welchen Deiner (entweder Regie oder als Darsteller) Filme magst Du am meisten und welchen magst Du am wenigsten? Und warum?
    Filme sind wie eine Familie, Du kannst sie lieben, sie gleichzeitig aber auch nicht ausstehen. Die Schauspielerei und die Regie in allen Filmen, die ich bisher machte, waren gleichzeitig positive und negative Erfahrungen, aber als ein Künstler habe ich nur daran Interesse, mich weiterzuentwickeln.
Ich sehe mir meine alten Filmen nicht an, keiner von ihnen wurde so gut, wie ich mir das erhofft hatte, das ist auch der Grund, weshalb ich weitermache. Ich hoffe, dass ich eines Tages etwas mache, worauf ich wirklich stolz sein kann.

Warrior Of The Lost World Hast Du ein Schlusswort? Eine Nachricht an deine Fans?
    Ich möchte nur ganz schlicht und einfach "Danke" sagen. Ich hatte eine großartige Karriere, es war eine Menge Spaß und ich genieße die Arbeit auch nach 35 Jahren noch. Ich hoffe, dass ich bald nach Deutschland komme, um euch alle zu besuchen.
Cheers!




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