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GESPRÄCHE

Hasko Baumann und Thorsten Hanisch im Gespräch mit Robert Forster

Robert Forster Robert Forster ist seit über 40 Jahren im Filmgeschäft tätig und zählt vor allem im Genre-Film zu den beliebtesten Gesichtern: Ob THE BLACK HOLE, VIGILANTE, THE DELTA FORCE oder MANIAC COP 3: BADGE OF SILENCE, einen Film mit Robert Forster hat jeder mal gesehen, einen Film mit Robert Forster mag jeder gerne immer wieder sehen.

Robert Forster zeichnet sich aber nicht nur durch ein extrem sympathisches Wesen aus, sondern auch dadurch, dass er konstant gute bis hervorragende Leistungen - mittlerweile verzeichnet seine Filmografie satte 116 Einträge! - abliefert, was nicht unbedingt die Regel in einer derart wechselhaften Karriere ist. Robert freut sich sehr über den Karriereauftrieb durch JACKIE BROWN, der nach einigen mageren Jahren mehr als verdient kam, und fand dankenswerterweise etwas Zeit für uns...

Das Gespräch.

Robert, Du scheinst ein Schauspieler zu sein, den jeder kennt und liebt. Als Tarantino Dir eine Rolle in JACKIE BROWN gab, verglichen dies viele Leute mit dem Karriere-Aufschwung, den John Travolta durch Pulp Fiction erhielt, das Gleiche geschah mit David Carradine nach KILL BILL. Rückblickend gesehen, inwieweit - wenn überhaupt - veränderte JACKIE BROWN Dein Leben?
    Tarantino gab mir ein Geschenk, das ich nicht hoch genug schätzen kann. Er gab mir den arbeitsreichen dritten Akt meiner Karriere.

Jackie Brown Hatte Quentin Tarantino viel Einfluss auf deine Interpretation des Max Cherry?
    Tarantino schrieb mir eine großartige Rolle und gab mir das Vertrauen und die Freiheit, den Charakter zu erfinden.

Was war dein erster großer "Durchbruch" im Filmgeschäft? Wann war der Moment als Du dachtest "Okay, ich bin dabei" und wie erinnerst Du dich an ihn?
    Die Geschichte von meiner ersten Rolle (REFLECTIONS IN A GOLDEN EYE), vom Vorsprechen bis zum ersten Tag vor der Kamera, erzähle ich immer in meinem Vortragsprogramm "Interacting". John Huston gab mir meine erste und wichtigste Rolle im Film.

THE BLACK HOLE war deine erste Rolle in einer Big Budget-Produktion. Wenn man den ganzen Geschichten, die sich um die Produktion ranken, glauben kann, waren die Dreharbeiten sehr problematisch. Wie war's für Dich?
    Ich liebte diesen Film. Physisch waren die Dreharbeiten sehr herausfordernd. Durch die Kanalisationsröhren von New York zu waten ist wie…. durch die Kanalisationsröhren von New York zu waten. Kalt, nass, hart. Aber dieser Film war immer einer meiner Favoriten.

Kommen wir zum Thema "Budgets": Was macht Dir am meisten Spaß, die Arbeit fürs Fernsehen, die Arbeit an einem kleinen B-Film oder der Auftritt in einer Big Budget-Produktion? Oder hat jeder Bereich gute und schlechte Seiten?
    Alle Formate haben Vorzüge: Bei Serien arbeitest Du hart, drehst eine einstündige Folge in acht Tagen. Besonders zermürbend ist das, wenn Du die Serie auf deinen Schultern trägst. Aber Du weißt, dass Du langfristig Arbeit hast, und das ist großartig.
Die Arbeit bei Big Budget-Produktionen ist fein und sanft, die Umkleideräume sind nett und das Essen großartig.
Bei kleinen Filmen ziehen alle an einem Strang. Du musst hart, schnell und geschickt arbeiten… oftmals aus reiner Liebe zur Sache. Ich machte vor einigen Jahren meinen eigenen kleinen Film… es war die härteste, mental und kreativ gesehen, stimulierendste Zeit meines Lebens.

Vigilante Ein persönlicher Liebling von uns ist VIGILANTE. Wie sind deine Erinnerungen an die Dreharbeiten - Bill Lustig ist bekannt für sein on-the-spot-filmmaking?
    Ein weiterer Lieblingsfilm von mir. Es war ganz sicher nicht einfach, aber ich liebe diesen Film.

Du hast mit vielen wunderbaren Schauspielern gearbeitet, darunter solch unterschätzte wie Joe Spinell - in Deutschland traurigerweise hauptsächlich durch den berüchtigten MANIAC bekannt - und Fred Williamson. Kannst Du uns ein wenig von den beiden erzählen?
    Zwei meiner Lieblingstypen. Williamson war immer am Arbeiten, er schrieb seinen nächsten Film schon während der aktuellen Dreharbeiten. Dieser Kerl war so produktiv. Er gab mir Jobs, als niemand mehr mir welche gab. Ein wirklich großartiger Mensch. Spinell war a character to end all characters. Er war ein lustiger Typ und ein großartiger Schauspieler. Er blieb die meiste Zeit seiner Karriere leider in seinen Bösewicht-Rollen stecken, aber als ich meinen kleinen Film HOLLYWOOD HARRY drehte, gab ich ihm eine positive Rolle.
Meine Tochter Kate, die ebenfalls in HOLLYWOOD HARRY zu sehen ist, und ich teilen einige unserer Lieblingserinnerungen an Spinell in einer Dokumentation über sein Leben mit, die von keinem geringeren als Bill Lustig gedreht wurde.

Gab es in deiner Karriere je einen Moment, als Du auf dem Set einer Produktion wie SCANNER COP II warst und dachtest "Mensch, ich mach konstant gute Arbeit, aber irgendwas sollte besser bald passieren?" Robert Forster
    Sicher. In einigen Momenten ist es härter als in anderen, aber wie ich in meinem Vortragsprogramm sage:

Schritt 1: Akzeptiere die Dinge. Das gibt Dir eine gute innere Haltung.

Schritt 2: Bring hier und jetzt hervorragende Leistung. Das gibt Dir die besten Voraussetzungen für die beste Zukunft, die Du verdienst.

Schritt 3: Hör nie auf. Es ist nicht vorbei, bis es vorbei ist, aber dann ist es wirklich vorbei.
Und ich glaubte daran, dass eines Tages irgendein Filmemacher, der mich als Kind mochte, aufwachsen und mir einen guten guten Job geben wird. Zwei Typen taten dies für mich: Tarantino mit JACKIE BROWN und Paul Chart mit AMERICAN PERFECT.

Du hast eine Rolle im koreanischen Film D-WAR. Wie waren die Dreharbeiten in deinem ersten asiatischen Film? Weißt Du, was mit dem Film geschehen ist?
    Ich weiß nicht, in welchem Produktionsstatus sich der Film befindet, aber die Dreharbeiten waren sehr interessant.

Kannst Du uns die Welt der B-Filme beschreiben? Was bringt die Arbeit in ihr für Vorteile und was für Nachteile? Gibt es dort mehr Freundschaften? Stehen sich die Leute dort näher? Du hast mit einigen Leuten mehrmals gearbeitet...
    Du kannst bei jedem Projekt enge Freundschaften schließen - und so funktioniert es für gewöhnlich auch. Aber in der Welt der B-Filme arbeitest Du normalerweise unter Zeitmangel, Geldmangel und Personalmangel. Und in dieser Atmosphäre des Zusammenhalts gibt es keine Zeit für Blödsinn. Du lieferst Deine Arbeit stante pede ab und holst Dir neue!

Um noch mal auf HOLLYWOOD HARRY zurückzukommen: War der Film ein finanzieller Erfolg?
    Jeder kriegte sein Geld zurück, was oft an sich schon eine große Leistung ist!

Warst Du zufrieden mit dem Endresultat?
    Nicht sehr, Müll ist es aber auch nicht geworden.

Night Vision Hast Du je in Betracht gezogen, wieder auf dem Regisseursstuhl Platz zu nehmen?
    Man weiß nie. Nach HOLLYWOOD HARRY wollte ich lange Zeit eher nicht mehr. Nicht, weil ich die Arbeit nicht mochte, aber ich dachte, dass ich das besser Leuten überlasse, die wirklich gut in diesem Bereich sind.
Heutzutage denke ich, dass es nicht unwahrscheinlich ist, dass ich eines Tages wieder Regie führen werde.

Hast Du je einen Film von Dir bedauert?
    Durch Erfahrungen gewinnt man neue Erkenntnisse. Weniger lernen tut man nicht, Du lernst eher mehr. Deswegen: Nein. Kein Bedauern... eine kleine Verlegenheit... einige wenige Entschuldigungen, aber kein Bedauern.

Kannst Du uns ein wenig von deinen Erfahrungen auf der Bühne erzählen? War es ein großer Unterschied für Dich?
    Die Rolle in MRS. DALLY HAD A LOVER lehrte mich eine meiner frühsten Lektionen - Du musst etwas Neues erfinden. Jedes Mal, wenn Du spielst, musst Du es an Ort und Stelle erschaffen.

Du hast so viel Erfahrung…was denkst Du, wenn Du mit jungen Schauspielern wie Rachel Weisz oder Johnny Knoxville spielst?
    Ich bewundere Schauspieler jeden Alters, die wissen, was sie mit einer Szene anfangen müssen, und die mir etwas geben, mit dem ich arbeiten kann.

Gibt es unter den jungen Schauspielern immer noch ein Bestreben, wirklich hart zu arbeiten um eine Langlebigkeit im Geschäft sicherzustellen?
    Ich kann für niemanden außer mich selbst sprechen, aber für mich war Langlebigkeit mein Hauptziel.

Wie siehst Du das Star-System heutzutage? Es scheint sehr hart zu sein, an der Spitze zu bleiben...
    Fast unmöglich. Es gibt so viele Schauspieler und so wenige Jobs…ich bin sehr glücklich, dass ich eine erneute Chance bekam, zu arbeiten.

Like Mike Was ist deine Meinung zur diesjährigen Oscar-Verleihung? Gibt es wirklich einen Veränderung, weg von den Blockbustern hin zu kleineren, substantielleren Filmen?
    Ich denke, dass es immer viel Platz für Blockbuster geben wird. KING KONG war einer meiner Favoriten für dieses Jahr.
Die nominierten Filme dieses Jahr sind allesamt großartig und, wie Ihr sagt, kleiner und substantieller, es ist schön zu sehen, dass diese kleinen Filme wahrgenommen werden.

Du bist wieder sehr gefragt und hast dieses wunderbare "Interacting"-Konzept am Laufen. Kannst Du uns was darüber und über die Erfahrungen, die Du damit gemacht hast, erzählen?
    Als ich vor vielen Jahren nicht viel Arbeit hatte, entschied ich, dass ich mir besser selber was zu tun geben sollte. Ich fing eine Art Schauspielgruppe an, die nicht viel kostet - gerade genug um die Raumkosten zu decken. Da stehst Du auf und arbeitest immerzu. Als Teil der Gruppe teile ich Geschichten aus meinem Leben mit der Gruppe, die mich nicht das Schauspielen, sondern das Interagieren gelehrt haben. Letztendlich entschied ich, dass das, was ich zu sagen hatte, größere Verwendungsmöglichkeiten hat als bloß in einer Schauspielgruppe, so dachte ich mir ein "Menü" meiner Geschichten aus und bot mich da draußen als freier Sprecher an. Ich mach das jetzt seit fast 15 Jahren, und es zeigt immer Wirkung!




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