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GESPRÄCHE

Stefan Mader im Gespräch mit Stefan Peczelt und Elmar Weihsmann
(Vorwort von Thorsten Hanisch)

Wie das Leben manchmal so spielt: Am 27.04.05 trudelte eine E-Mail bei mir ein, dessen Versender mir vollkommen unbekannt war. Von einem recht hoch budgetierten österreichischen Giallo mit Namen DAS SCHWEIGEN EINER SOMMERNACHT, der da bald gedreht und auch ins Kino kommen sollte, war die Rede. Die Story von einer TV-Reporterin, die Zeugin bei einem Selbstjustiz-Akt wird und fortan um ihr Leben fürchtet, weckte zwar eher Erinnerungen an LAST HOUSE ON THE LEFT als an DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN HANDSCHUHE doch mein Interesse war geweckt.

Als ich im Zuge meiner Recherche auch noch entdeckte, dass vor vielen, vielen Jahren tatsächlich mal ein Frühwerk der Macher (TERROR AM STRAND) in meinem Recorder landete, welches ich in angenehm trashiger Erinnerung hatte, gab's keinen Halt: Ein Interview musste her. Stefan Mader stellte sich freundlicherweise zur Verfügung, fuhr nach Wien, presste Regisseur Elmar Weihsmann und seinen Partner Stefan Peczelt aus und kam mit einem äußerst interessanten Gespräch wieder.

Elmar Weihsmann als Belmondo Den Informationen auf der Homepage Ihrer Firma ist zu entnehmen, dass Sie im Moment zwei zusammengehörende Filmprojekte in Planung haben: Einerseits DAS SCHWEIGEN EINER SOMMERNACHT und andererseits DIE GLÜHENDEN AUGEN AM 5.DEZEMBER Welcher der beiden Filme ist denn nun der erste Teil?
    (Elmar Weihsmann) Der erste Film ist DAS SCHWEIGEN EINER SOMMERNACHT und der zweite DIE GLÜHENDEN AUGEN AM 5.DEZEMBER. Ursprünglich war die umgekehrte Reihenfolge geplant, aber durch organisatorische Umstände musste das geändert werden. Innerhalb der Reihenfolge einer geplanten – möglichen – Filmserie wäre DIE GLÜHENDEN AUGEN… der erste und DAS SCHWEIGEN… der zweite Film gewesen, aber nun ergibt es sich so, dass wir das Sommerprojekt zuerst machen.

Stefan Peczelt als Tullamore Dew Wie sind Sie überhaupt auf die Idee gekommen, mit DAS SCHWEIGEN EINER SOMMERNACHT einen österreichischen Giallo zu drehen?
    (Stefan Peczelt) Das hat sich letztlich ganz einfach aus der Idee ergeben, einen "wilden Film" mit "wilder Handlung" zu drehen – und im Endeffekt war es dann ein Giallo, wenn man so will.
    (Elmar Weihsmann) Wir sind ja selber in der Medienbranche, haben eine kleine Videothek und eine kleine Medienfirma und Gialli sind im Moment sehr gefragt. Das Label X-Rated bringt viele der alten italienischen Gialli heraus und wir haben uns gedacht, wir versuchen einmal, einen neuen zu machen.


Nachdem das Genre des Giallo oft sehr blutrünstig und sexlastig ist stellt sich die Frage, ob Sie bei ihrem Projekt diese stilistischen Features ebenfalls explizit zu berücksichtigen gedenken oder wird es in Hinblick auf Altersfreigaben und dergleichen bestimmte Einschränkungen geben?
    (Elmar Weihsmann) Es ist ja grundsätzlich so, dass das Genre sich von Haus aus an Erwachsene richtet – es handelt sich nicht um einen Kinder- oder Jugendfilm. In Österreich haben wir den Vorteil, dass wir die FSK 16 haben, da gibt es kein Problem. In Deutschland bieten wir zwei Fassungen an: Eine geschnittene FSK 16-Fassung und eine FSK 18-Fassung für die DVD-Auswertung. Theoretisch bestünde auch die Möglichkeit einer Fernsehfassung, aber zu einem Giallo gehören einfach die Ingredienzien Sex und Blut, Titten und Terror.

Lässt sich derzeit schon abschätzen, inwiefern sich die beiden Schnittfassungen in Hinblick auf die Laufzeitzeit voneinander unterscheiden werden?
    (Stefan Peczelt) Die Laufzeit wird gleich bleiben, es werden dann eben andere Szenen ein paar Sekunden länger sein und am Ende wird sich das Ganze ziemlich angleichen. Darauf wird auch schon beim Drehen Rücksicht genommen.
    (Elmar Weihsmann) Es werden tatsächlich zwei verschiedene Fassungen gedreht, die FSK 16-Version wird also keineswegs eine wild verstümmelte Fassung sein. Ich nehme schon an, dass der Film in der Version ab 18 etwas länger sein wird, aber der Unterschied wird sich nur im Minutenbereich bewegen.

Wie sind Sie an die Schauspieler für DAS SCHWEIGEN… gekommen? Hatten Sie vorher genaue Vorstellungen, gab es Castings, oder hat man einfach einmal geschaut wenn man denn überhaupt kriegen kann – auch in Hinblick auf den Kostenfaktor. Drehort Das Schweigen einer Sommernacht
    (Elmar Weihsmann) Wahrscheinlich von allem etwas. Wir drehen ja schon seit vielen Jahren Filme und wir haben schon ein gewisses Ensemble. Grundsätzlich ist gecastet worden und dazu hat sich natürlich auch die Preiskomponente begeben, da wir uns teurere Leute bei einem Budget von 330.000 Euro nicht leisten können. Das ist aber auch gar nicht notwendig, es ist ein Film mit jungen Schauspielern, die zumeist in Wiener und Kärntner Theatern zu sehen sind.
    (Stefan Peczelt) Wir haben die durch unsere alten Filmprojekte geknüpften Kontakte im Grunde nie abreißen lassen und jetzt auch wieder erneuert. Da hat man bald etliche Leute beisammen.
    (Elmar Weihsmann) Vieles geht natürlich auch über Agenturen – anders wäre es fast nicht möglich. Und jeder hat auch seine Freunde. (lacht) Es ist ein professionell aufgezogener Film...
    (Stefan Peczelt) Laiendarsteller haben wir mittlerweile nicht mehr dabei.

Sie haben also viele Theaterschauspieler auf ihrer Besetzungsliste. Gibt es dabei keine Bedenken? Ein guter Theaterschauspieler muss ja keineswegs auch ein guter Filmschauspieler sein... Drehort Das Schweigen einer Sommernacht
    (Stefan Peczelt) Nein, das Problem ergibt sich vielmehr aus dem Mangel an "jungen Filmen" in Österreich, es wird ja nichts gemacht. Das einzige was ein junger Schauspieler zu spielen bekommt ist einmal eine Kommissar Rex-Nebenrolle als Leiche. Junge Schauspieler mit Filmerfahrung zu bekommen ist von daher nahezu unmöglich. Das ergibt sich auch aus der Ausbildungssituation die wir in Österreich haben, dass Jungschauspieler während der Ausbildung an und für sich keine Aufträge annehmen dürfen. Die Abgänger der Schauspielschulen sind um die 20, wenn man also nur erfahrene Filmschauspieler haben will kann man in Österreich keinen Teenager- oder Twen-Film machen.

Sie haben in den letzten Jahren einige Filme mit sehr geringem Budget gedreht – für DAS SCHWEIGEN… hingegen steht ein relativ großes Budget zur Verfügung. Welche höhere Verantwortung bringt dies mit sich und wie gehen Sie damit um?
    (Elmar Weihsmann) Die Filme wurden über den internationalen Rechteverkauf vorverkauft, letztlich obliegt uns nur die Verantwortung eines guten Geschäftsmannes. Wir haben ein gutes Buch, wir haben Praxis, wir kennen uns also aus. Es gibt natürlich immer unkalkulierbare Risiken wie etwa das Wetter. Diesmal sind wir aber nicht gar so wetterabhängig, der Film kann theoretisch durchaus auch im Regen spielen. Selbstverständlich bringt jedes Projekt das Risiko mit sich, dieses auch in den Sand zu setzen, aber davor haben wir keine Angst. Wenn man Filme dreht – speziell in Österreich – gehört eine gewisse Unerschrockenheit dazu.
    (Stefan Peczelt) Das hängt natürlich auch von der Vorausplanung ab. Man braucht eine gewisse Summe fix und wenn man die nicht hat, braucht man logischerweise gar nicht zu starten. Der Hausverstand sagt einem eh, dass das Risiko vorher abzuwägen ist. Das ist eben die Vorbereitungsphase. Drehort Das Schweigen einer Sommernacht
    (Elmar Weihsmann) Der Großteil ist die Vorbereitung, wie Stefan sagt, es ist ein Wirtschaftsunternehmen. Das Kreative spielt vielleicht zu zwanzig Prozent der Zeit eine Rolle, ansonsten geht es um wirtschaftliche Aspekte. Natürlich sind auch Kapitalfirmen dazwischengeschaltet, da die Finanzierung meist über veranlagte Treuhandkonten geht, die dann auch zum Teil aus Fonds gespeist werden. Aber diese Abwägungen betreffen jedes Projekt, ganz egal ob es sich nun um einen Giallo, einen Liebesfilm oder eine Komödie handelt.

Kommen wir nun auf DIE GLÜHENDEN AUGEN AM 5.DEZEMBER zu sprechen. Dieser Film ist als die alpenländische Variante von HALLOWEEN angekündigt – inwiefern orientieren Sie sich am US-Vorbild? Werden Motive übernommen oder beschreiten Sie dabei völlig eigene Wege?
    (Elmar Weihsmann) Das Wichtigste ist einmal das Fest an sich. HALLOWEEN basiert auf einem populären Fest...
    (Stefan Peczelt) ... auf einem heidnischen Brauch...
    (Elmar Weihsmann) ... genau, auf einem alten heidnischen Brauch, dem im Oktober nachgegangen wird. Unser Film basiert ebenfalls auf einem Fest, das ist beiden Filmen gemein. Beides sind turbulente Feste, es geht in beiden um Geister. Wir haben in unserem Brauch den Krampus beziehungsweise die Raunächte und das eignet sich unserer Meinung nach für eine spannende Handlung. Was die Filmkomponente anbelangt, so ist unser Projekt eigentlich eine Mischung aus Filmen, die uns gefallen. Es beginnt wie ein Melville-Film und endet wie ein Carpenter-Film, dazwischen sind Zitate aus der Filmgeschichte von Cocteau bis Bergman. Es ist ja mittlerweile üblich geworden, in Slashern andere Filme zu zitieren und ich finde es langweilig, dafür immer nur andere Slasher- und Horrorfilme zu bemühen. Deswegen haben wir uns auf Zitate aus der Filmgeschichte konzentriert, die in diesem Kontext vielleicht eher unüblich wirken. In all unseren Filmen haben wir Zitate die für dieses Genre ungewöhnlich sind – in TERROR AM STRAND ist es etwa der Bürgerkrieg von 1934 der in einer Szene zitiert wird. So gesehen handelt es sich vielleicht um einen untypischen Slasher-Film, aber eigentlich gehorcht er genau dessen Regeln, sowohl in Timing als auch im Aufbau, ohne dabei die x-te genaue Kopie Carpenters zu machen.
    (Stefan Peczelt) Wir haben uns auch eher an Carpenters damaliger Produktions- und Arbeitsweise orientiert, dass einige interessierte Leute sich treffen und zusammen einen super Film drehen.
    (Elmar Weihsmann) Das halte ich auch für viel entscheidender. Der Geist von HALLOWEEN soll spürbar sein, aber weniger vom Inhalt her sondern in der Produktionsweise. Kurze Drehzeit, kleines übersichtliches Budget... Drehort Das Schweigen einer Sommernacht
     (Stefan Peczelt) ... neue, interessante Leute...
    (Elmar Weihsmann) ... ungewöhnliche Vertriebswege und Finanzierungskonzepte für einen mitteleuropäischen Film. Wir haben eher versucht, das amerikanische Finanzierungskonzept heranzuziehen, ich weiß nicht ob Sie das kennen. Dort werden Filme über den Vorverkauf von Lizenzen finanziert, was bei uns komplett unüblich ist. In dem Bereich geht’s heute ohne internationale Beziehungen gar nicht mehr.

Steht die Besetzung für DIE GLÜHENDEN AUGEN… schon fest?
    (Elmar Weihsmann) Es gibt eine Besetzungsliste und theoretisch könnten wir für DIE GLÜHENDEN AUGEN sofort zu drehen beginnen. Der Film wurde im vorigen Winter verschoben und Crew- und Besetzungslisten wären eigentlich vollständig vorhanden. Dieser Film ist auch höher budgetiert als DAS SCHWEIGEN… – es gibt das doppelte Budget und mehr Lizenzverkäufe.

Da in beiden Filmen dieselbe Protagonistin auftritt wird die Rolle vermutlich in beiden Filmen gleich gecastet werden?
    (Elmar Weihsmann) Das ist allerdings eine gute Frage!
    (Stefan Peczelt) Genau, da müssen wir einfach abwarten und schauen was passiert. Das liegt nicht ganz an uns, sagen wir mal so... es gibt Kooperationspartner, die da auch ein Wörtchen mitzureden haben. Der Sommerfilm wird selbst produziert, wohingegen der Winterfilm DIE GLÜHENDEN AUGEN… eine Koproduktion zwischen drei Firmen ist und daher können wir das nicht ganz allein entscheiden.

Sie versuchen ja zum Teil auch private Investoren zu lukrieren, die gegen Gewinnbeteiligung in Ihre Filme investieren. Wie ist diese Idee entstanden? Drehort Das Schweigen einer Sommernacht
    (Stefan Peczelt) Das ist eine Säule des alternativen Finanzierungskonzepts. Die Idee an sich ist für mich gar nicht so ungewöhnlich, man denkt an Staatsanleihen, man denkt an Beteiligungen und Pfandbriefe. So gesehen ist das die "kleine, möglicherweise mögliche Version" davon.
    (Elmar Weihsmann) Grundsätzlich sieht es so aus, dass wir einen Filmpool haben, zu dem man als Filmemacher beisteuern kann sofern man ein kommerzielles Projekt hat. Und über diesen Filmpool funktioniert dann die Finanzierung über Kommanditisten.

Wie sehen die Reaktionen der Anleger auf die beiden geplanten Filme aus?
    (Elmar Weihsmann) Nun, den Anleger interessiert wie immer nur: "Was schaut dabei heraus?", also die Rendite. Ob das ein Horrorfilm ist oder was auch immer spielt für sie eigentlich keine Rolle. Wir haben halt insbesondere mit den DIE GLÜHENDEN AUGEN… das Glück, dass mit der Figur des Krampus im Grunde jeder etwas anfangen kann. Auch beim product placement läuft das über diese Schiene. Österreich ist erzkonservativ, Deutschland ist es auch – da gibt es beim Thema Gewalt natürlich eine gewisse Hemmschwelle. Wenn das Geld, wenn die Verzinsung stimmt gehen aber alle in die Knie, dann spielt das alles keine Rolle. Es gibt – was vielleicht ganz interessant ist – beispielsweise einen Finanzierungsweg über die AWS, den Austria Wirtschafts Service. Das ist ein Dienstleister des Finanzministeriums, der zumindest die Hälfte der Stammeinlagen der Kommanditisten absichert und etwa auch fehlende Bankgarantien übernimmt. Die haben zwar vielleicht keine Freude mit dem Film, müssen aber per Gesetz Hilfe leisten.

Als Starttermin für DIE GLÜHENDEN AUGEN… ist der 31. Oktober 2006 anvisiert, was angesichts des Datums (Halloween) naheliegend ist. Wäre aber angesichts der Krampusthematik nicht ein Starttermin Anfang Dezember naheliegender?
    (Elmar Weihsmann) Der Starttermin ist eine Vorgabe seitens des Filmverleihs (Einhorn Film in Bludenz), die wollten das so haben. Zu Halloween gibt es ja meist auch Filmfeste, bei denen er dabei sein wird. Danach wird er sechs Wochen in den Kinos laufen, nach etwa fünf Wochen ist dann ja der 5. Dezember und da könnte der Film eventuell noch einen Kick bekommen, sofern er ein Erfolg ist. Wenn man weiß, dass es in den Multiplexen 49 Tage Spielverpflichtung gibt kann uns das also durchaus zugute kommen. Das ist natürlich ein gutes Argument [seitens des Verleihers – Anm.]. Der Film ist deswegen auch mit etwa 88 Minuten geplant, um vier Vorstellungen pro Tag ermöglichen zu können, so wird er nämlich im Zwei-Stunden-Takt gespielt. Je kürzer der Film, desto besser die Kinoauswertung, vor allem wenn er schon länger läuft lässt sich immer noch relativ leicht eine Vorstellung unterbringen. Wenn der Film sehr lang wäre könnte das unter Umständen problematisch werden, so hingegen sind eventuell sogar immer noch zwei Vorstellungen drin.

Ist der angesprochene Verleiher auch für Deutschland zuständig, oder bringt er den Film nur in Österreich in die Kinos?
    (Elmar Weihsmann) Der bringt den Film in Österreich in Kinos, in Deutschland ist natürlich ein deutscher Verleiher dazwischengeschalten.

Gibt es diesen Verleiher schon?
    (Elmar Weihsmann) Sag wir einmal so: Jein. In Deutschland haben wir das Problem, dass natürlich die FSK-Freigabe abgewartet wird, die dort eine ganz wichtige Komponente darstellt.

Als Regisseur wurde Joe Duebell ausgewählt, der bislang mit GROSSGLOCKNERLIEBE von sich reden machte, was mit dem Slasher-Genre nun relativ wenig zu tun hat. Wie kam es zu dem Entschluss, den Mann zu verpflichten?
    (Elmar Weihsmann) GROSSGLOCKNERLIEBE war im Programm unseres eigenen Verleihs und ist quasi der typische Abschlussfilm der Filmakademie, finanziert mit Steuermitteln – entsprechend sieht der Film auch aus, obwohl er ganz lustig ist. Es handelt sich dabei ja um eine Komödie. Der Mann selbst kommt, was seine Interessen anbelangt, aus der Horror- und Action-Ecke und dadurch, dass es sich bei unserem Film um eine deutsch-österreichische Koproduktion handelt hat man ihn dann genommen, weil die Partner meist auf einen deutschen Regisseur bestehen. Er kommt aus Landshut, ist also Bayer, und um unnötige Diskussionen zu vermeiden haben wir dann gleich auf ihn zurückgegriffen, zumal wir ihn schon gekannt haben.

Ein weiteres Projekt ist VON EINER, DIE AUSZOG DAS GRUSELN ZU LERNEN – sozusagen eine Doku über das "Krampuswesen". Kam die Idee, zu diesem Thema einen Dokumentarfilm zu drehen Hand in Hand mit der Entwicklung von DIE GLÜHENDEN AUGEN... auf oder hatten Sie vorher schon Pläne, so etwas auf die Beine zu stellen?
    (Stefan Peczelt) Die Doku wurde als Bonusmaterial angeregt und wir hatten im Zuge unserer Recherche ohnehin schon irrsinnig viel Material und Information zusammengetragen. Jetzt wurde einfach das Material geordnet, etwas weiter recherchiert und letztlich sind wir einfach losgezogen und haben eine selbstfinanzierte Doku gedreht.
    (Elmar Weihsmann) Die ursprüngliche Anregung stammte vom Bayrischen Rundfunk, mit dem wir jetzt natürlich in Verhandlungen sind obwohl wir die Doku vorerst selbst finanziert und gedreht haben. Aber sie eignet sich hervorragend als Bonusmaterial und ist letztlich eine recht kritische Dokumentation geworden, mit allen möglichen interessanten Interviewpartnern: Soziologen, Politologen, Macher der "Szene", Publikum, einfach alles.
    (Stefan Peczelt) Wir zeigen dabei auch den Querschnitt vom kommerziellen [Perchten-]Lauf bis zum Hausbesuch des Krampus.

Ist die Doku also als Bonusmaterial für die DVD-Verwertung des Films gedacht?
    (Stefan Peczelt) Auch... Sie kommt sicher auf die DVD, wir versuchen aber, die Doku auch so auszuwerten.
    (Elmar Weihsmann) Die Doku wäre selbstverständlich ideal fürs Fernsehen. Auch hiervon gibt es drei verschiedene Fassungen: Eine fünfminütige Kurzfassung im Beitragsbereich, eine zehnminütige Version und die komplette Dokumentation mit 35 Minuten. Über unsere Lizenzhändler liegen uns dafür etwa Angebote des russischen Fernsehens vor.

Zum Abschluss stünden noch ein paar allgemeine Fragen auf dem Programm. Wer oder was hat Sie zum Filmemachen gebracht?
    (Stefan Peczelt) Nun ja, wir haben in Feldkrichen in Kärnten ein Kino gehabt. Aufgrund der Multiplex-Bauten rundherum in den größeren Städten wurde das aber im Grunde uninteressant – für zwei Leute spielt man halt nicht mehr. Nachdem am Ende noch ein paar Schilling in der Kasse übrig waren haben wir beschlossen einen Film zu drehen.
    (Elmar Weihsmann) Ich war gleichzeitig Programmierer einer großen Kinokette hier in Wien und wir hatten dabei auch ein Kino, das keine Filme bekommen hat. Deswegen mussten wir in die Hände spucken und haben einfach selber einen Film heruntergekurbelt. All diese Filme entstanden nach dem Prinzip "möglichst geringer Einsatz, größtmöglicher Profit". Die ersten Filme sind ja auch total trashig – WILLKOMMEN IM HORRORHAUS ist wirklich ein Trash-Film erster Güte, der damals auch mit "Achtung, dieser Film tut weh" beworben wurde. Und das stimmt! Nicht nur psychisch, auch physisch – die Eingeweide ziehen sich zusammen, man bekommt Kopf- und Zahnschmerzen, alles. Es wird über Strecken Latein gesprochen...
    (Stefan Peczelt) ... es ist keine Handlung zu erkennen... (lacht)
    (Elmar Weihsmann) Es geht darum, das Publikum zu verunsichern. Allerdings wird er auch heute noch – der Film ist ja schon etwas älter, er ist 1998 ins Kino gekommen und erfreulicherweise in sechs Ländern gelaufen – einmal pro Jahr in London und Manchester aufgeführt. TERROR AM STRAND beispielsweise wurde in Pakistan gezeigt, wobei wir von dort natürlich nie Geld dafür gesehen haben. Dort wurde der Film allerdings auch umgeschnitten, so kam der Schluss gleich zu Beginn, weil es ihnen gerade so gefallen hat. Deswegen machen wir alles nur noch über den internationalen Rechtehandel, wo das Material mittels reiner Buy-out-Deals gegen feste Garantiesummen verkauft wird.
    (Stefan Peczelt) Vor allem ließe sich auch nie im Leben nachprüfen, wo ein Film nun läuft beziehungsweise wann er auf welchen Fernsehsendern gezeigt würde. So sagt man "Geld gegen Filmrechte – mach dann damit was du willst".

Wie sieht es mit Ihren persönlichen Einflüssen filmischer oder literarischer Natur aus? Wo liegen diese respektive wen könnten Sie diesbezüglich nennen? Terror am Strand
    (Stefan Peczelt) Bei mir ist eher so: Ich mache, was mir gefällt. Es muss mir Spaß machen, es muss mir selber gefallen, dann interessiert es mich. Ich habe da weniger philosophische Hintergedanken – es soll ein Geschäft sein und es soll Spaß machen. (zu Weihsmann gewandt) Er sieht’s von einer anderen Seite.
    (Elmar Weihsmann) Bei mir ist es eher der klassische Kunstfilm: Bergman, Pasolini und solche Sachen. Ich glaube das ist auch der Grund, warum unsere Filme doch irgendwie diesen Pfeffer haben. Erstens gehören wir verschiedenen Generationen an, was sich bei der Entwicklung der Projekte als sehr produktiv erwiesen hat, und zudem haben wir so verschiedene Ansätze. Dieser reine Fun-Faktor und zum Teil auch die philosophische Komponente – das kann schon eine ganz explosive Mischung ergeben. Und die beste Anregung um Filme zu drehen ist immer noch die Tageszeitung. (lacht) Man muss nur Augen und Ohren offen halten, das ist oft viel sinnvoller als großen Vorbildern nachzueifern. Natürlich orientiert sich jeder an irgendwem... Man könnte da ja endlose Listen bringen. Es müssen ja nicht immer unbedingt Horrorfilme sein – das Horrorgenre lässt sich halt am leichtesten verkaufen. Wir haben uns eben irgendwann ziemlich zu Beginn für dieses Genre entschieden, weil man da aus rein wirtschaftlichem Standpunkt wirklich Erfolge haben kann. Ursprünglich wollten wir ja Komödien machen, aber das ist absolut unverkäuflich, weil Humor sehr regional ist. Angst hingegen, das Sich-Fürchten, ist etwas Internationales. Wenn jemand erstochen wird hat das immer archaischen Charakter und ist dadurch immer und überall verständlich. Jeder kennt das, egal in welchem Kulturkreis man sich aufhält.
    (Stefan Peczelt) Über den "Mundl" [gemeint ist die österreichische Kultserie EIN ECHTER WIENER GEHT NICHT UNTER aus den 70ern – Anm.] kann man wahrscheinlich bereits in Deutschland schon nicht mehr lachen, weil dieser Humor nur hierzulande funktioniert.
    (Elmar Weihsmann) Deswegen, um dieses Regionale zu umgehen, sind auch alle unsere Filme in Hochdeutsch und nicht im Dialekt.
    (Stefan Peczelt) Mit Filmen in österreichischem Dialekt kann man in Deutschland nichts anfangen und sie für Deutschland zu untertiteln ist auch irgendwie witzlos. Terror am Strand
    (Elmar Weihsmann) Deutschsprachige Filme mit deutschen Untertiteln sind ja eine Katastrophe! Da geht man ins Kino und muss erst wieder lesen, obwohl das eigentlich die gleiche Sprache sein soll – so was interessiert keinen. Unser Film TERROR AM STRAND ist im Ausland englisch untertitelt und der hat nur zwei Untertitel. Einmal „shit“ und einmal "fuck". Und irgendwann kapieren die Leute, dass das dazugehört. Weil es versteht ohnehin keiner was – es ist eh so ein Blödsinn der gesprochen wird, Nonsens pur. Das kann durchaus dazu beitragen den Film lustig zu machen, aber innerhalb des eigenen Sprachkreises ist einfach unmöglich. Wir drehen mittlerweile ja Filme die verstanden werden wollen und es ist nicht (mehr) so, dass der Dialog nebulos wäre.

Mit welchen Leuten – seien es nun Schauspieler, Regisseure,... – würden Sie gern einmal zusammenarbeiten?
    (Elmar Weihsmann) Es wäre schon toll, einmal mit Wes Craven oder so jemandem zu arbeiten. Oder mit Kevin Williams, dem amerikanischen Drehbuchautor, oder einem jüngeren Independent-Regisseur.
    (Stefan Peczelt) Vielleicht wäre es auch interessant, sich einen guten Special Effects-Mann zu holen, das wäre mal was Neues.
    (Elmar Weihsmann) Tom Savini zum Beispiel. Und bei den Schauspielern...
    (Stefan Peczelt) Da sind uns junge, ambitionierte Leute recht und immer willkommen. Da zählt nur der Einsatz den der einzelne mitbringt.
    (Elmar Weihsmann) Auch wenn wir für DIE GLÜHENDEN AUGEN so Leute haben wie die [Nina] Proll, den Simon Schwarz, den Maximilian Schell – das ist eh schon ein paar Nummern größer als wir es normalerweise geben. In erster Linie sind es trotzdem die jungen, ambitionierten Leute. Und genau so muss es sein... Unsere Filme sollen einfach anders sein, sie sind nicht gefällig. Unsere Filme sind ein Angriff auf das herkömmliche Kino, auf das herkömmliche Fernsehen...
    (Stefan Peczelt) ... zumindest auf das österreichische!
    (Elmar Weihsmann) Ja, genau. Alles geglättet, das wollen wir nicht. Wir stellen einen kleinen, provokativen Film her und dazu brauchen wir nicht zum hundertsten Mal irgendeinen Schauspieler, der sowieso überall zu sehen ist. Das macht das Kino auch interessant. Früher war Kino ja deswegen aufregend, weil es etwas Neues zu sehen gab. Heute ist alles eins – kein Wunder, dass kein Mensch mehr hingeht. Man zahlt nicht acht Euro um das zu sehen, was man auch sonst überall zu sehen kriegt. Warum gibt es heute noch Videotheken? Ganz einfach aus diesem Grund – weil es dort alles Mögliche gibt und zwar in einer irren Auswahl, die sonst in der Form nirgends zu finden ist. Dreht man den Fernseher auf gibt es zwar 50 Programme, aber überall denselben Schrott, dieselben Shows, dieselben Filme, was weiß ich...
    (Stefan Peczelt) Geschnittene Fassungen im Fernsehen und was da sonst noch so geboten wird interessieren das Publikum halt auch nicht so besonders.
    (Elmar Weihsmann) Und so bieder, so furchtbar bieder. Da kann ich mir gleich HOHE HAUS anschauen [Sendung in der Parlamentsdebatten übertragen werden – Anm.].
    (Stefan Peczelt) Da wird wenigstens noch mehr geschimpft und es wird nichts zensuriert. Terror am Strand
    (Elmar Weihsmann) Und wenn ich jetzt einen Horrorfilm oder Thriller mache, dann braucht der einfach Power und frische Gesichter. Das ist ja der große Vorteil des amerikanischen Films: Egal was gemacht wird, es sind immer neue Leute mit drin. Sicher sind immer ein oder zwei Stars die man überall sieht mit von der Partie – von mir aus ein Tom Cruise oder eine Neve Campbell, aber drum herum sieht man immer wieder bislang unbekannte Schauspieler und das ist natürlich ein Riesenvorteil für alle. Wenn natürlich bei uns die Budgets viel zu hoch liegen, wie es derzeit ist, muss man natürlich auf Nummer Sicher gehen. Wären die Budgets kleiner könnten auch viel mehr Filme gedreht werden und so könnte sich auch eine ganz neue Generation von Schauspielern etablieren.
    (Stefan Peczelt) Nachwuchsschauspieler könnten dann öfter spielen. Zwar gäbe es pro Job ein bisschen weniger Geld und Nebenspesen, aber sie könnten ihrem Beruf nachgehen. Jetzt ist es so: Ein Akteur spielt ein Mal im Jahr, wenn’s gut geht, und dabei sollte er nach Möglichkeit die Jahresgage verdienen. Bei geringer Budgetierung ist das aber einfach nicht drin. Wenn sich das System einmal ändern würde wäre auch wieder mehr Spielraum für Außergewöhnliches und Neues...




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