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GESPRÄCHE

Björn Eichstädt im Gespräch mit Jonathan Demme

Jonathan Demme Kinogänger kennen Jonathan Demme vor allem als Regisseur großer Blockbuster wie PHILADELPHIA, GEFÄHRLICHE FREUNDIN oder DAS SCHWEIGEN DER LÄMMER. Doch der Mann, der in den 70ern bei Roger Corman lernte, ist nicht nur ein großer Filmer - er liebt auch die Musik, wie sein letzter Streifen, die Dokumentation NEIL YOUNG: HEART OF GOLD, beweist.

Betrachtet man das Oeuvre Demmes genauer, so zieht sich Musik wie ein roter Faden durch seine Filme: Neil Young, die Talking Heads, deren Frontman David Byrne, Bruce Springsteen, Laurie Anderson oder die Filmkomponisten Bill Conti und Miklos Rozsa - mit allen hat Demme bereits gearbeitet. Neben seinem letzten Film ein Grund, sich mit dem Regisseur einmal nur über die Zusammenarbeit mit Musikern zu unterhalten. Im Sommer gab es diese Gelegenheit für DAS MANIFEST beim Filmfest München, das den extrem fröhlichen und begeisterungsfähigen Demme als Gast geladen hatte. Es passte zum Thema, das Demme zunächst mit einer eigenen, begeisterten Frage zur Musik das kurze Interview an sich riss.

Das Gespräch.

    Sie wohnen in München, oder?
Ja.

    Sind Sie jemals mit diesen beiden Typen von Pianorama in Berührung gekommen?
Nein, kenne ich nicht, wer ist das?

    Das sind zwei Pianisten, die hier abends in der Nähe eines Festivalzeltes gespielt haben. Perfekte schwarze Anzüge und Krawatten, nebeneinander am Klavier - und dann haben sie diese unglaublichen Duette gespielt. Ich konnte das gar nicht fassen. Wahnsinn.
So wie Ferrante & Teicher? Das Schweigen der Lämmer

    Nein, die hatten doch zwei Klaviere. Es waren zwei Musiker an einem Klavier, die auch über Kreuz gespielt haben, total verrückt. Die sind so toll! Sie müssten zumindest lokale Superstars sein. Also: Augen auf, schauen Sie nach Pianorama! Wenn die nicht bald entdeckt werden, dann werde ich sie wahrscheinlich in meinen nächsten Spielfilm einbauen, dessen Dreharbeiten ich für Anfang 2007 in New York plane. Da gibt es auch eine Hochzeitsszene, das könnte super passen. Aber jetzt mal zu Ihren eigentlichen Fragen.

Nun, eigentlich war das schon der richtige Einstieg. Die Musik in Ihren Filmen ist das, was mich für dieses Gespräch interessiert. Denn die Musik hat ja immer eine wichtige Rolle in Ihrem Werk gespielt. Schon für Ihren ersten Film CAGED HEAT - DAS ZUCHTHAUS DER VERLORENEN MÄDCHEN hat beispielsweise John Cale den Soundtrack komponiert. Wie kam es, dass die Musik so einen dominierenden Part übernommen hat, und das von Anfang an? Das Schweigen der Lämmer
    Das ist eine wirklich gute Frage. Ich war bereits in meiner Kindheit ein großer Radiohörer und habe Musik immer sehr geliebt. Das hat sich auch nicht geändert, bis ich erwachsen wurde. Und als ich dann zum Film kam, waren die Budgets sehr gering. Ich habe bei Roger Corman gearbeitet, und die ersten beiden Filme an denen ich beteiligt war (Anm. d. Red.: Vermutlich THE HOT BOX und ANGELS HARD AS THEY COME), hatten wirklich keine gute Musik, denn der Haus- und Hofkomponist von Corman, der ohne Gehalt arbeitete, hatte einfach irgendwas zusammengebastelt. Als ich schließlich die Gelegenheit bekam, einen eigenen Film als Regisseur umzusetzen - nämlich CAGED HEAT - , konnte ich auch einen eigenen Komponisten bestimmen.

Heart Of Gold Wieso haben Sie sich damals ausgerechnet an John Cale gewandt?
    Ich wollte, dass der Film musikalisch so hip wie möglich sein sollte. Und ich wusste, dass John Cale zu der Zeit in Los Angeles lebte. Sein Album Vintage Violence war damals gerade herausgekommen, und ich war mir fast sicher, dass das die Musik für einen Film war, ein Soundtrack. Ich habe Cale also kontaktiert und gefragt, ob es schon einen Film zum Album gibt, aber nein, es gab keinen. Aber er hatte eine Idee für einen Film von der er mir erzählt. So kamen wir also in Kontakt, und als es dann schließlich darum ging, die Musik für CAGED HEAT zu machen, da habe ich ihn gefragt. Er wollte noch nicht mal Geld dafür, er war einfach an einem Soundtrack interessiert. John brachte dann auch noch zwei weitere Musiker mit, das war alles sehr aufregend. Und, ja, ich liebte die Musik sehr und habe die Chance als Regisseur genutzt, meine eigenen Komponisten auszusuchen. Mit John Cale habe ich übrigens noch zwei weitere Filme gemacht, eine TV-Film namens LIEBE MIT HINDERNISSEN mit Christopher Walken und GEFÄHRLICHE FREUNDIN mit Melanie Griffith. Also, eigentlich hat er da nur die Hälfte des Soundtracks gemacht, die andere kam von Laurie Anderson. Das war auch spannend: Ich wollte GEFÄHRLICHE FREUNDIN ursprünglich nur mit bereits existierenden Songs machen. John und Laurie waren für die erschreckenden und zuckersüßen Sequenzen verantwortlich. Eigentlich sollte John das gruselige Zeug machen, aber am Ende kam das natürlich von Laurie Anderson. Heart Of Gold

Dreimal John Cale, jetzt haben Sie Ihren dritten Film mit Neil Young gemacht. Sie scheinen ein treuer Typ zu sein. Wie war der Ansatz für den aktuellen Konzertfilm NEIL YOUNG: HEART OF GOLD?
    Nun, zunächst mal ist es gar kein wirklicher Konzertfilm. Denn es gab kein Konzert für Zuschauer. Das war alles nur für die Kamera, was zu einer sehr intimen Atmosphäre geführt hat. Deswegen ist es fast so eine Art Traumkonzertfilm geworden. Es ging mir darum, den perfekten Konzertklang einzufangen, ein perfektes Konzert. Und ich habe versucht, das Betrachten des Konzerts menschlicher zu machen. Wenn ich bei einem Konzert bin, dann schaue ich mir manchmal die ganze Band an, dann konzentriere ich mich auf einen einzelnen Instrumentalisten, dann gehe ich wieder ins Vollbild. Die Konzertvideos heutzutage haben mit dieser Betrachtungsweise nichts mehr zu tun. Das wollte ich ändern. Gleichzeitig war es mir wichtig, den Musikern nah zu sein - deswegen war auch die Beleuchtung sehr wichtig.

Der Manchurian Kandidat Wann haben Sie Neil Young denn zuerst getroffen? Als er seinen Beitrag zum Soundtrack von PHILADELPHIA leistete?
    Ganz ehrlich, ich habe ihn damals gar nicht getroffen! Das ging nur übers Telefon. Ich lebte in New York, er in Kalifornien. Aber wir haben trotzdem ein gutes Ergebnis erzielt. Doch nach dieser eher distanzierten ersten Kollaboration habe ich immer tolle Plätze bei seinen Konzerten bekommen, war im Kontakt mit seinem Management und habe ihn immer wieder getroffen. Und dann habe ich an einem Nachmittag ein paar Songs von ihm und seiner Band Crazy Horse aufgenommen - das war 1994 -, die dann als DVD unter dem Titel THE COMPLEX SESSIONS erschienen. Er hat dann auch noch eine verrückte Bühnenshow aus dem Material gemacht. Dann wollten wir wieder zusammenarbeiten, aber das klappte nicht, weil ich gerade DER MANCHURIAN KANDIDAT drehte. So kamen wir zwei Jahre später wieder zusammen und haben HEART OF GOLD gemacht.

Es gibt einen weiteren Filmemacher, der mit Neil Young gearbeitet hat - Jim Jarmusch. Die Zusammenarbeit der beiden ist ja Ihrer recht ähnlich gewesen: Ein Soundtrack bei DEAD MAN, ein Konzertfilm mit YEAR OF THE HORSE. Wo sehen Sie die Unterschiede im Ansatz von Jim Jarmusch und Ihrem in Bezug auf die Verwendung der Musik von Neil Young? Der Manchurian Kandidat
    Zunächst einmal: Alles, was mich in die gleiche Liga bringt, wie Jim Jarmusch, macht mich glücklich. Und Neil Young: Er ist ein Chamäleon. Deswegen ist alles was er mit Jim Jarmusch macht anders als die Arbeit mit mir. Aber: Auch jedes neue Projekt mit Jim Jarmusch wird anders sein, als das vorhergehende mit Jarmusch. Ich hoffe, dass das auch mit mir der Fall sein wird. Ich hoffe sehr, dass ich wieder mit Neil arbeiten werde - ich will ihn auch als Schauspieler einsetzen. Und ich möchte den elektrischen Neil Young filmen, nicht nur den akustischen. Neil Young ist zwar Musiker, aber er ist fürs Kino geboren. Ich hoffe, dass ich ihn in diesem Zusammenhang noch öfter begleiten kann.

Eine letzte Frage: Haben Sie eigentlich schon mal über ein Musical nachgedacht - bei Ihrer Musikbegeisterung?
    Oh, das ist eine tolle Idee. Darüber sollte ich wirklich einmal nachdenken.




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