AFTER DARK Film TALK Facebook Twitter

das manifest¬  kontakt¬  impressum¬  verweise¬  übersicht¬ 
[   MEINUNGSMACHER  |   GEDRUCKTES IST TOT  |   KAPITELWAHL  |   UNENDLICHE TIEFEN
   MENSCHEN  |   GESPRÄCHE  |   FEGEFEUER DER EITELKEITEN  |   MIT BESTEN EMPFEHLUNGEN   ]
GESPRÄCHE

Thorsten Hanisch im Gespräch mit James Bruner

James Bruner Der Name James Bruner ist vielleicht nicht der geläufigste im Filmbusiness, wenn man sich aber die Credits des Drehbuchautoren anschaut, werden wohl bei den meisten Actionfans Kirchenglocken klingeln: MISSING IN ACTION, INVASION U.S.A., THE DELTA FORCE...Bruner hat die besten Chuck Norris-Kracher auf dem Konto und als Ex-Angestellter der berühmt-berüchtigten Actionschmiede Cannon auch so einiges zu erzählen (1000 Dank an Stefan Mader für die schnelle und hervorragende Übersetzung & Bearbeitung!):

Das Gespräch.

Sie haben AN EYE FOR AN EYE ("Der Gigant") für Chuck Norris geschrieben - es hat drei Jahre gedauert, bis Ihr nächstes Script kam. Darf man fragen warum? AN EYE FOR AN EYE war doch ein Erfolg, nicht wahr?
    Lasst mich dazu ein bisschen die Hintergrundgeschichte von AN EYE FOR AN EYE erläutern. Ich wuchs in Milwaukee, Wisconsin auf und begann in der High School, Super-8 Filme zu machen. Im College wählte ich Ur- und Frühgeschichte als Hauptfach und belegte nebenbei einige Filmkurse. Diese Kurse bestanden daraus, sich Filme wie WILD STRAWBERRIES ("Wilde Erdbeeren") und THE VIRGIN SPRING ("Die Jungfrauenquelle") anzusehen und darüber zu diskutieren, was sie bedeuten. Damals wie heute waren die unterrichtenden Professoren niemals in Filmproduktionen involviert und ich hätte auch nie gedacht, dass ich jemals in der Produktion eines Filmes mitwirken würde. James Bruner

Nach Los Angeles hat es mich eher zufällig verschlagen, aber ich mochte es dort und wollte nicht nach Wisconsin zurückziehen. Ich hatte zwar keinen Job, aber dafür ein Apartment in Hermosa Beach, einen halben Block vom Strand entfernt. Eine Freundin von mir wusste, dass ich Filme liebte und dass ich bereits Artikel für ein paar Kriegsspiel- und Fantasy-Magazine geschrieben hatte und so schlug sie mir vor, ein Drehbuch zu schreiben, das sie dann ihrem Cousin geben würde, der bei Warner Bros. arbeitete.

James Bruner Das war 1979 und ich hatte noch nie ein Drehbuch gesehen. Natürlich gab es damals das Internet noch nicht und auch keine Bücher oder Zeitschriften, die sich damit auseinander setzten. Letztlich fand ich aber ein in den 1940ern erschienenes Buch über das Schreiben von Drehbüchern, anhand dessen ich die Grundlagen lernte. Als mein erstes Script fertig war hatte ich allerdings den Kontakt zu der Freundin verloren, sodass ich nicht wusste wohin damit.

Um es kurz zu machen: Innerhalb von drei Wochen, über Weihnachten, schrieb ich ein zweites Drehbuch, AN EYE FOR AN EYE. Das erste war ein Western gewesen, was damals niemand machen wollte. EYE... war ursprünglich ein zeitgenössischer Actionfilm, der Martial Arts mit Schießereien verband (wie frühe John Woo-Werke). Im Jänner stellte mich ein anderer Freund einem Schauspieler vor, der bereits in ein paar Filmen mitgespielt hatte und ich fragte ihn, ob er das Script lesen und mir sagen würde, was er davon halte.

Der Schauspieler, Mel Novak, las das Drehbuch und mochte es. Er hatte gerade A FORCE OF ONE ("Der Bulldozer") mit Chuck Norris gemacht und sagte, er würde es an Chuck weiterleiten, wenn er 50 Prozent meiner Einnahmen bekäme, sollte der Film gemacht werden. Da ich nichts zu verlieren hatte sagte ich zu. Im März rief Mel an und sagte, Chuck habe das Buch gelesen und möge es, bloß sei es zu kurz. Das Original hatte nur 70 Seiten (vergesst nicht, ich hatte damals ja keine Ahnung), aber während der Wartezeit auf Chucks Antwort hatte ich 25 zusätzliche Seiten geschrieben. Ich gab Mel das überarbeitete Buch und er leitete es weiter.

Bis Juni hörte ich dann gar nichts mehr. Ich hatte nur noch $8,43 und konnte weder die Miete noch mein Auto abzahlen. Zu der Zeit hatte ich etliche Gelegenheitsjobs. Hauptsächlich arbeitete ich für einen Typen, dem eines der ersten Privatdepots in Los Angeles gehörte. Es befand sich in South Central und jeden Abend, wenn es geschlossen wurde, ließ man sechs Kampfhunde frei herumlaufen, um das Grundstück zu bewachen. Meine Aufgabe war es, vor der Öffnung um sieben Uhr morgens aufzutauchen und die Hundekacke einzusammeln, bevor die Kunden ankamen.

Delta Force Im Juni bekam ich dann einen Anruf von Mel, der mir sagte Avco Embassy Pictures würden den Film machen. Das wahre Highlight an der ganzen Sache war, dass ein paar Stuntmen - beiderseitige Freude - mich beim Screening von Besetzung und Stab meiner zukünftigen Frau, der Schauspielerin und Sängerin Elizabeth Stevens, vorstellten.

Jedenfalls kam der Film dann raus und war sehr erfolgreich. Ich engagierte einen Agenten und nahm an, da der Film so erfolgreich war würde ich vor lauter Angeboten gar nicht mehr dazu kommen, den Telefonhörer aufzulegen.

Delta Force Ich hatte immer noch keine Ahnung wie das Geschäft wirklich läuft. Zu 80 Prozent kommt es darauf an, wen man kennt, zu 10 Prozent auf Glück und zu 10 Prozent aufs Talent. Mein Agent, der später ein höchst erfolgreicher TV-Agent wurde, hatte keinerlei Verbindungen auf dem Filmsektor und keinen Plan, wie oder an wen er mich vermarkten sollte. Natürlich wusste ich das nicht. Alles was ich wusste war, dass ich als Autor nicht verhaftet werden konnte - und ich hatte keinen müden Dollar seit EYE... verdient.

Also war ich 1983 wieder pleite. Dann wurde Elizabeth zu einem Screening für den Trailer von LONE WOLF McQUADE ("McQuade, der Wolf") eingeladen, weil sie mit Steve Carter, dem Regisseur, der auch EYE... gemacht hatte, befreundet war. Chuck Norris war auch dort und wollte wissen, ob sie immer noch mit mir zusammen wäre. Als sie dies bejahte fragte er sie nach meiner Nummer und sagte, er wolle, dass ich wieder etwas für ihn schreibe. Woraus dann MISSING IN ACTION werden sollte.

Delta Force 1984 begannen Sie, für die legendäre, aber berüchtigte Firma Cannon zu arbeiten - wie war das? Gaben sie Ihnen volle künstlerische Freiheit oder mussten Sie gewissen Richtlinien folgen?
    Für Cannon zu arbeiten war Mitte der 80er großartig, da sie immer Filme machten. Die meisten Studios entwickeln eine Menge Projekte, machen aber nur wenige Filme und man kann ein Vermögen machen ohne dass die eigene Arbeit jemals produziert wird.

Cannon war berüchtigterweise billig, aber jeder wusste das von vornherein. Ich kam gut mit Menahem Golan [Regisseur/Produzent/Co-Chef bei Cannon - Anm.d.Ü.] aus. Meine Lieblingsanekdote über Menahem handelt von seinem Treffen mit Bo und John Derek. Bo sagte zu ihm: "Mir ist zu Ohren gekommen, dass du Leute hinterrücks meuchelst." Und Menahem antwortete: "Oh nein, Bo, wir meucheln sie von vorne." Das beschreibt Cannon ziemlich gut.

Ich hatte die Gelegenheit, an unzähligen Filmen zu arbeiten, indem ich entweder Originalbücher schrieb, Scripts umschrieb oder dazu kam nachdem ein Film gedreht wurde um zu überlegen, wie man dem Film noch retten könnte. Es war, wie für den Besuch der Filmschule bezahlt zu werden. Delta Force 2

Es gab eine gewisse künstlerische Freiheit, solange man den grundlegenden Richtlinien des Genres folgte. Die Dialoge waren trotzdem immer etwas problematisch, da Englisch Menahems Zweitsprache war und er nicht viel Slang verstand. Bei Actionfilmen wollte er normalerweise mehr Action und weniger Handlung. Oft verwies er auf Dialogszenen in meinen Scripts für Chuck und sagte: "Nein. Weg. Er schlägt sie. Er schlägt sie."

Hatte Chuck Norris Einfluss auf die Bücher seiner Filme oder akzeptierte er alles wie Sie es schrieben?
    Außer bei EYE FOR AN EYE und DELTA FORCE war Chuck für gewöhnlich an der Entstehung der Bücher beteiligt. Normalerweise besprachen wir die Geschichte und dann schrieb ich sie. Manchmal kam er für ein, zwei Stunden vorbei und wir bearbeiteten gewisse Szenen. Delta Force 2

Elizabeth und ich sahen Chuck während dieser Zeit einmal in der "Tonight Show" mit Johnny Carson, wo er einen unserer Filme bewarb. Johnny fragte ihn, ob er alle seine Stunts selbst mache. Chuck sagte ja. (Natürlich kannten wir seine Doubles.) Dann fragte Johnny, ob er seine eigenen Drehbücher schreibe und Chuck sagte ja. Dann meinte er: "Nun, ich habe einen Autor, aber er schreibt die Worte bloß nieder." Das trifft den Nagel ziemlich auf den Kopf - ich schrieb nur die Worte.

Oft liest man, die MISSING IN ACTION-Serie sei nur eine billige Kopie der RAMBO-Filme. Ich denke, es bestehen tatsächlich Ähnlichkeiten, aber MISSING IN ACTION - der eine ähnliche Handlung hat wie RAMBO: FIRST BLOOD PART II (RAMBO 2 : DER AUFTRAG) - wurde schon ein Jahr vorher veröffentlicht. Wer hatte die Idee zu MISSING IN ACTION und der Figur des James Braddock? War sie wirklich von FIRST BLOOD (RAMBO) inspiriert? Delta Force 2
    Die kurze Antwort ist: MISSING IN ACTION wurde inspiriert von "Missing: MIA", dem Buch von JC Pollock (der später ein Freund wurde) und hatte mit den RAMBO-Filmen nichts zu tun. Einer von Chucks Brüdern wurde in Vietnam getötet. Als er Pollocks Buch las, beschloss er einen Film über die Rettung amerikanischer MIAs [im Kampf gefallene oder vermisste US-Soldaten - Anm.d.Ü.] zu machen und er wollte mich als Autor.

Ich bat einen Freund, Jim Monaghan, mir bei der Recherche für MISSING IN ACTION zu helfen. Monaghan war früher ein Green Beret, der auch in Vietnam auf Einsatz war. Ich schrieb das Originaldrehbuch also mit Monaghans Input und es war eine sehr realistische Wiedergabe einer MIA-Rettung.

Chuck versuchte, den Film zustande zu bringen, aber wir schafften es nicht, andere dafür zu interessieren. Eines Tages rief Chuck an und fragte, ob ich draußen in Malibu einen Produzenten namens Lance Hool treffen könnte. Lance war an dem Projekt interessiert, wir aßen zu Mittag und ich gab ihm das Script. Er mochte es und wollte uns helfen, es auf die Beine zu stellen.

Dann rief Chuck eines Morgens an. Er war gerade unterwegs zu einem Meeting mit Lance bei Cannon und meinte, Cannon wären interessiert daran, MIA zu machen. Elizabeth und ich waren echt aufgeregt. Am Ende des Tages erhielt ich einen Anruf von Chuck und die Dinge hatten sich grundlegend geändert. Als er das Treffen mit Cannon verließ hatten sie ihm eine Kopie des Drehbuchs für MIA gegeben - bloß war das nicht mein Buch. Es war anderes Script mit demselben Namen, geschrieben von Larry Levinson, Arthur Silver und Steve Bing.

Chuck stimmte zu, den Film mit dem anderen Drehbuch zu machen. Mittlerweile fand Lance Hool heraus, dass Cannon die Option auf das andere MIA-Script nicht wirklich unterzeichnet hatte. Also unterschrieb er zuerst für diese Option und ordnete sich selbst als Regisseur und Produzent zu. Chuck bestand darauf, dass Cannon mein Drehbuch kaufte, ich bekam das Mindesthonorar der Writer's Guild bezahlt und Chuck, Lance und Co begaben sich nach St. Kitts auf den Westindischen Inseln, um MIA zu machen.

Also war ich wieder am Anfang. Ich verkaufte ein weiteres Drehbuch, das aber nicht gedreht werden würde. Dann rief Chucks Bruder Aaron an. Er sagte, Cannon plane bereits ein Sequel von MISSING IN ACTION und Chuck bestünde darauf, dass ich es schreibe. Ich sollte zwei Tage später nach St. Kitts fliegen um einen Trailer für die Fortsetzung zu schreiben, damit man diesen gleich nach Beendigung der Dreharbeiten für MIA filmen könne.

Ich schrieb also die Trailersequenz, aber sie wurde nicht gedreht. Trotzdem wurde ich angeheuert, das Sequel zu schreiben. Ich benutzte mein Originalscript als Basis der Fortsetzung, musste aber natürlich die von Levinson, Silver und Bing erdachte Figur des James Braddock einbauen.

Invasion U.S.A. Während der St. Kitts-Film geschnitten wurde begaben sich Chuck und Regisseur Joseph Zito auf die Philippinen, um das von mir geschriebene Sequel zu drehen.

Ich versuche, ganz kurz zu fassen, was als nächstes passierte: Cannon hatten einen Vertriebsdeal mit Warner Bros. für einen Film namens MISSING IN ACTION, dessen Kinoveröffentlichung bereits für Oktober festgesetzt war. Als Cannon ihnen den St. Kitts-Film präsentierten mochten die Warners ihn nicht und verzichteten darauf, ihn zu vertreiben.

Cannon begutachteten daraufhin den Endschnitt meiner Fortsetzung und beschlossen, diesen Film selbst zu vertreiben - und zwar in jener Zeitnische im Oktober, die Warner Bros. ursprünglich nutzen wollte. Mein Film kam also als MIA heraus und war zwei Wochen lang Nummer 1 in Nordamerika. Ich war glücklich und bei Warner war man aufgebracht, weil Cannon ihnen nicht meinen Film gezeigt hatte, den sie sehr wohl vertrieben hätten.

Der St. Kitts-Streifen kam letztlich als MISSING IN ACTION 2: THE BEGINNING (MISSING IN ACTION 2 - DIE RÜCKKEHR [sic!]) heraus.

Können Sie den Zustand, in dem sich die USA zur Entsehungszeit von Filmen wie MIA befand, näher beschreiben?
    Amerika befand sich nach Jahren des durch Inflation, hohe Arbeitslosigkeit und himmelhohe Zinssätze gekennzeichneten ökonomischen Gefälles in einem wirtschaftlichen Umschwung. An der politischen Front war der Kalte Krieg in einer ziemlich heißen Phase und viele Menschen fürchteten Vorstöße der Sowjets oder der von ihnen unterstützten Bewegungen überall auf der Welt.

Invasion U.S.A. Wie stehen Sie zum Vietnamkrieg? Waren die Filme lediglich eine Action-Phantasie oder waren sie wirklich eine Art, mit dem Trauma umzugehen?
    Ich hatte viele Freunde, die im Vietnamkrieg im Kampfeinsatz dienten. Zu Kriegszeiten hatte ich das Gefühl, Amerika würde nicht kämpfen um zu gewinnen. Im Grunde gewann Amerika auf dem Schlachtfeld und verlor am Konferenztisch.

Die MIA-artigen Filme waren Action-Phantasien, aber sie trafen auch einen Nerv der Öffentlichkeit in Bezug auf das Kriegstrauma - ein Trauma, das auch heute noch sehr stark anhält. Die Menschen waren wütend bei dem Gedanken, die Regierung könnte einen einzigen amerikanischen Soldaten im Stich gelassen haben und brannten darauf, das gewünschte Resultat zu sehen - wenn auch nur auf der Leinwand.

Heutzutage wirkt INVASION U.S.A. wie ein gradliniger Actioner, aber damals wurde er in Europa als Propaganda aufgefasst. War es Ihnen wirklich ernst damit?
    INVASION U.S.A. hat eine interessante Geschichte. Es ging los, indem Menahem Chuck für die Hauptrolle in einem Film mit dem Namen AMERICAN NINJA wollte. Es gab noch keine Story für AMERICAN NINJA, nur den Titel, und ich wurde engagiert, das Drehbuch zu schreiben. Chuck wollte keinen richtigen Martial Arts-Film machen, also dachte ich mir eine Geschichte aus, in der er ein Regierungsagent mit dem Codenamen "American Ninja" war. Menahem nahm es in der Tat gut auf und wir änderten den Titel in INVASION U.S.A..

Ironischerweise wurde ich dann (unerwähnter) Script-Doktor bei AMERICAN NINJA [dem Michael Dudikoff-Film - Anm.d.Ü.].

Obwohl viele Leute in den Vereinigten Staaten damals nervös waren wegen des weltweiten Expansionismus der Sowjets verstand ich INVASION U.S.A. als großen Actionfilm. Es war einer der Filme, die zu schreiben am spaßigsten war.

Ein Film den ich ebenfalls sehr mag ist DELTA FORCE. Ich habe mich aber immer gefragt ob das Script während der Produktion abgeändert wurde, da die erste Hälfte ein ambitionierter, ernster Thriller ist, der plötzlich - als Chuck das Motorrad kriegt - ein übertriebener Actioner mit beinah schon Comic-mäßiger Ausrichtung wird. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das ursprünglich beabsichtigt war, oder?
    Von der Delta Force hörte ich über meinen Freund Jim Monaghan, der mir bereits bei der Recherche für das originale MIA-Script behilflich war. Jim hatte beim Training der echten Delta Force geholfen und sie war damals immer noch eine top secret-Truppe.

Ich versuchte, Menahem die Idee eines Delta Force-Films schmackhaft zu machen, aber er hatte kein Interesse. Monate später rief Menahem von New York aus an. Er hatte gerade einen Artikel über die Delta Force im Time Magazine gelesen und wollte nun einen Delta Force-Film mit Chuck Norris und Charles Bronson in den Hauptrollen machen.

Der Gigant Ich war ziemlich aufgeregt. Wir hatten zwei Top-Actionstars und ich hatte mit Jim Monaghan einen Insider an der Quelle für (nicht als geheim klassifizierte) Informationen über die Delta Force. Ich schrieb eine realistische Geschichte über einen Bus voller amerikanischer und europäischer Touristen, die entführt und gegen Lösegeld in Ägypten festgehalten werden. Chuck und Bronson waren die Anführer der Rettungsmission. Joseph Zito, der bereits für MIA und INVASION U.S.A. verantwortlich war, sollte die Regie übernehmen.

Dann wurde der TWA-Flug nach Beirut entführt [TWA Flug 847 am 14. Juni 1985 von Athen nach Rom. - Anm.d.Ü.] und Menahem wollte die Geschichte umändern, um die aktuellen Geschehnisse wiederzugeben. Ich überarbeitete das Buch während die Ereignisse abliefen und Menahem ging so darin auf, dass ich mich sogar in Beirut einschleichen sollte um wahre Hintergrundinformationen über Situation in Erfahrung zu bringen. Zum Glück für mich wurden die Geiseln vorher freigelassen.

Mit Jim Monaghans Hilfe schrieb ich das Buch so, dass die tatsächlichen Ereignisse sich darin spiegelten, aber mit unserer Version eines happy endings - einer Rettung durch die Delta Force. Wieder einmal war es sehr realistisch.

Dann entschied Menahem, er wolle selbst Regie führen. Jahre vorher hatte er bei einem Film über die israelische Geiselrettung in Entebbe, Uganda, Regie geführt und er sah dies als Chance, einen ähnlichen Film mit viel größerer Besetzung und höherem Budget zu drehen.

Der Gigant Dann begannen sich Dinge im Script zu ändern. Beispielsweise sind in Wirklichkeit fast alle Mitglieder der Delta Force-Truppen Sergeants. Chuck bestand darauf, ein Offizier zu sein, ein Major der zum Colonel befördert wird. (Elizabeth und ich haben diese Situation auch mit anderen Schauspielern durchgemacht. Auch wenn es für die Geschichte besser wäre, einen Sergeant zu spielen, pochten sie alle darauf, Offiziere darzustellen.) Menahem schickte Elizabeth und mich nach Israel um das Buch zu vervollständigen. Letztlich saß ich jeden Tag von früh bis spät Seite an Seite mit ihm in seinem Büro und arbeitete am Drehbuch. Am Ende jedes Tages dachte ich, ich hätte Realismus und Integrität des Scripts aufrechterhalten. Wenn ich am nächsten Morgen wiederkam fand ich heraus, dass Menahem die ganze Nacht über wach geblieben war um alles was ich am Vortag geschrieben hatte erneut umzuschreiben.

Letztlich erkannte ich, dass das Buch niemals meinen Vorstellungen entsprechen würde, weswegen ich Menahem bat, den Autoren-Credit mit mir zu teilen. Er sagte "Okay, aber du stehst an erster Stelle."

Das blöde Raketen feuernde Motorrad wurde hinzugefügt, nachdem Elizabeth und ich zurück in die Staaten mussten um an einem anderen Film zu arbeiten. Nur so nebenbei: Die erste Schnittfassung von DELTA FORCE war dreieinhalb bis vier Stunden lang.

Waren Sie immer zufrieden mit den Umsetzungen Ihrer Drehbücher? Gibt es ein Script, von dem Sie denken, es hätte einen besseren Film verdient?
    Im Nachhinein hätte natürlich jeder der Filme besser sein können. Besonders enttäuscht war ich von INVASION U.S.A.. Im Buch ist die Reporterin, die Chucks Charakter verfolgt, eine Hauptfigur und es entwickelt sich eine starke Verbindung zwischen den beiden. Viel von der Geschichte wurde durch sie erzählt. Allerdings kam die Schauspielerin, die den Part spielte, nicht so rüber wie ursprünglich vorgesehen und so wurde ihre Rolle fast gänzlich aus dem Film geschnitten, was die Geschichte drastisch schwächte. Double Tap

Auch hier eine kurze Randbemerkung: Bevor der Film besetzt wurde rief mich Chuck von New York aus an. Er hatte gerade ein Ein-Frauen-Stück am Broadway gesehen und die Darstellerin getroffen, die in einem seiner frühen Martial Arts-Filme als Komparsin mitgewirkt hatte. Er dachte, sie wäre sagenhaft für die Reporterrolle. Unglücklicherweise waren Menahem und der Regisseur anderer Meinung. Es wäre Whoopi Goldbergs Debüt auf der großen Leinwand geworden...

BRADDOCK: MISSING IN ACTION III wäre ursprünglich vielleicht das beste Drehbuch gewesen, das ich für Chuck schrieb. Es war realistisch und emotional. Sechs Regisseure arbeiteten an dem Projekt, bei dem schließlich Chucks Bruder Aaron Regie führte. Das Buch war nur ein Schatten dessen, was es eigentlich gewesen wäre.

Ihre Bücher (und natürlich die Filme) sind beinahe alle ziemlich gewalttätig. Gibt es Grenzen die Sie nicht überschreiten würden oder ist das für Sie alles reine Unterhaltung?
    So wie diese Filme sich am Ende gestalteten waren sie hauptsächlich Unterhaltung. Ich bin eigentlich kein großer Fan von Blut und Gedärmen - ich denke sogar, das lenkt von Erlebnis des (Film-)Sehens ab. Der Regisseur ist aber derjenige, der letztlich entscheidet, wie weit gegangen wird.

Double Tap Warum haben Sie nach BRADDOCK: MISSING IN ACTION III nicht weiter für Cannon geschrieben? Was haben Sie danach gemacht?
    Während BRADDOCK hatte ich einen Krach mit Menahem. Nachdem ich das Drehbuch fertiggestellt hatte fragte er mich, ob ich nur die Hälfte des im Vertrag stehenden Geldes nehmen würde. Ich sagte nein.

Zur gleichen Zeit hatte ich das Buch eines Serien-Piloten für CBS ("The Delta Force") geschrieben. CBS mochte es und wollte die Serie verwirklichen, aber Cannon machte kein faires Angebot und so starb das Projekt.

Ich hörte auf, für Cannon zu arbeiten, sie begannen damit hoch budgetierte Blindgänger zu produzieren und waren bald aus dem Geschäft.

Meine Frau Elizabeth und ich begannen miteinander als Team zu schreiben und arbeiteten für große Studios. Unser erstes Drehbuch war für Richard und Lili Fini Zanuck. Es hieß "Pretty Boy Floyd" und war ein Drama über einen berüchtigten Bankräuber der 1930er Jahre. Es war eine großartige Erfahrung und eine gute Einführung ins System der Major-Studios.

Double Tap Ich war verwöhnt von der Arbeit für Cannon. Dort wurde ich angeheuert, das Buch für einen Film zu schreiben und sechs Monate später war er in den Kinos. Bei den großen Studios sind zwar die Gagen um einiges besser, aber bei den meisten Filmen dauert es Jahre, bis sie gemacht werden - falls überhaupt.

Im Lauf der Jahre schrieben und überarbeiteten wir also eine Menge an Projekten.

Momentan beschaffen wir das Geld, um heuer einen von Elizabeth und mir geschriebenen Action-Thriller namens BLINDSIDED zu machen. Ich werde Regie führen und Elizabeth wird produzieren.

Ihr Regiedebüt HOLLYWOOD.COM unterscheidet sich von allem, was Sie bisher gemacht haben. Ist das eher die Art von Filmen, die Sie gern machen würden?
    Ich mag eigentlich viele verschiedene Genres: Komödie, Drama, Thriller, Action. Ich mag Filme mit starken Charakteren aus jedem Genre.

Wir wollten jahrelang einen Independent-Film machen, aber wir hatten nicht den Zugang zu genug Geld um ihn umzusetzen und wir hatten keine Idee, die wir genug mochten um ein Jahr daran zu arbeiten. Wir hatten nicht genug Geld um einen Actionfilm zu machen und eines Tages saßen wir mit unserer Tochter Jennifer herum und kamen gemeinsam auf die Idee zu HOLLYWOOD.COM.

Double Tap Nach dem Hauptdreh mussten wir erneut Mittel für Nachdrehs und neue Filmmusik zusammenkratzen. Damit wurden wir Ende 2005 fertig und nun sehen sich verschiedene Verleiher den Film an. Wir hoffen, ihn heuer noch veröffentlichen zu können.

Wie war es, darin Ihre eigene Tochter zu anzuweisen?
    Jennifer ist eine gute Schauspielerin, demnach war es eigentlich ziemlich einfach.

War es für Sie aufgrund Ihrer Mitarbeit an harten Actionfilmen jemals schwer, Arbeit zu finden?
    Ja. Ich wurde oft nicht engagiert, weil die Leute dachten ich könne nur harte Action schreiben. Ein noch größeres Problem war, dass alle meine Filme Independentproduktionen waren. Obwohl sie an der Kinokasse Nummer 1 waren und Studioproduktionen schlugen gab es ihnen gegenüber viele Vorurteile, weil sie populäre Unterhaltung waren und keine Kunstfilme.

Kürzlich produzierten Sie und spielten Sie in dem Film DOUBLE TAP. Können Sie uns etwas mehr dazu erzählen?
    Elizabeth und ich wurden angeheuert, DOUBLE TAP zu co-produzieren, einen Actionthriller des Schreiber- und Regie-Debütanten Leon Rodriguez. Der Film ist derzeit in der Post-Production. Der Film soll in den Vereinigten Staaten von Sony herausgebracht werden - vielleicht sogar noch im Juni.




Facebook facebook | Twitter twitter :: Datenschutz :: version 1.10 »»» © 2004-2017 a.s.