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GESPRÄCHE

Hasko Baumann im Gespräch mit David DeCoteau

David DeCoteau hat es vorgemacht. Wenn Du es in jungen Jahren im Filmbusiness schaffen willst, mußt Du a) dreist sein und b) Dir so viel Knowhow zulegen wie möglich. Also heuerte der 18jährige bei Roger Corman an und übernahm so viele Funktionen, wie er konnte. Schon fünf Jahre später inszenierte DeCoteau seinen ersten Film, einen Porno. Bei seiner nächsten Arbeit, DREAMANIAC (1986), lernte er Charles Band kennen - der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.

David DeCoteau DeCoteau macht das, was ihm Spaß macht, und das macht auch vielen Fans Spaß. Einige der schönsten Filmtitel, die es je gab, finden sich in seiner Liste von sage und schreibe 53 - vorzugsweise billigen - Arbeiten: SORORITY BABES IN THE SLIMEBALL BOWL-O-RAMA. ATTACK OF THE KILLER BIMBOS. TEST TUBE TEENS FROM THE YEAR 2000. Und viele, viele mehr.

David DeCoteau weiß, wie man Geld macht. Eine gute Idee - und sei sie auch selbst schon geklaut - wird gemolken, bis der Eimer voll ist. Dabei überträgt sich seine Begeisterung nicht selten auf den Zuschauer. Ein echter, klassischer, sympathischer B-Filmer aus der Corman-Schule.

Im Gespräch bleibt David knapp und präzise - vielleicht auch, weil bald seine Autobiografie erscheinen soll.

Das Gespräch.

Deine Karriere beim Film begann, als Du erst 18 Jahre alt warst. Wie bist Du damals an Roger Corman gekommen?
    Ich hab den Hörer abgenommen und ihn angerufen. So einfach war das. Damals war Gale Anne Hurd seine Assistentin, und die wurde zur Superproduzentin. Er war nett zu mir. Das ist fast 30 Jahre her.

In den ersten fünf Jahren hast Du in diversen Funktionen gearbeitet - mit John Carpenter, James Cameron, Wim Wenders und Ken Russell. Unglaublich.
    Die waren alle sehr unterschiedlich, aber alle sehr freundlich und professionell. Starke Persönlichkeiten, leidenschaftliche Visionäre. Ich habe Glück gehabt, mit ihnen arbeiten zu können, auch wenn ich nur so was wie Produktionsassistent war.

Du wirst als Sound Editor gelistet bei REMO WILLIAMS - unter dem Namen Richard Chasen. Als Produktionsleiter nanntest Du Dich Ellen Cabot. Auch als Regisseur hast Du viele Pseudonyme benutzt. Warum das alles?
    Dieser Sound Editor ist ein anderer Richard Chasen. Ich schreibe der IMDB seit Jahren deswegen, aber sie ändern es einfach nicht.
Ich war damals in der Gewerkschaft, deswegen habe ich so viele falsche Namen benutzt. Außerdem arbeitete ich viel und wollte ein bißchen was mischen, damit die ausländischen Einkäufer nicht denken würden, ich wäre so eine Art Tausendsassa.

Als Regisseur debütiertest Du mit FLESHTONES, einem Porno. War das seltsam für Dich?
    Gar nicht. Ich verurteile niemand moralisch, der in dem Geschäft arbeitet. Porno war mein Einstieg in die Branche, ich lernte die ersten Tricks, und es brachte mir genug Geld, um meinen ersten R-rated-Film zu machen. Für gewöhnlich ignoriere ich die Pornofrage, weil diese Erfahrung keineswegs so aufregend war, wie sich manche Leute das vorstellen.

Ancient Evil

Dein erster "normaler" Film war DREAMANIAC - war das schon für Charles Band?
    In dem Film ging es um eine Art weiblichen Freddy Krueger. Blutig, knallig, lächerlich. Da hab ich Charlie kennen gelernt - das war ein echter Glücksfall. Seit diesem Tag sind wie partners in slime.

Dann kam NIGHTMARE SISTERS mit der ultimativen B-Movie- Babes Besetzung: Linnea, Michelle und Brinke. Hast Du Dir gedacht "Okay, das ist genau die Art von Film, die ich machen will?"
    Ich liebe es einfach, zu arbeiten. Ich bin sehr glücklich, davon leben zu können. Mit den Mädels war es ein Spaß, weil wir alle sehr jung und abenteuerlustig waren. Es war peinlich und albern, so wie der Film.

CREEPO ZOIDS war der erste Film von Dir, den ich gesehen habe. Ich glaubte, in SORORITY BABES IN THE SLIMEBALL BOWL-O-RAMA die Sets wieder zu erkennen. Klassisches Filmemachen aus der Corman-Schule?
    Das waren andere Sets, sogar eine andere Stadt. Ich habe aber tatsächlich mein Handwerk komplett aus der Corman-Schule! Die CREEPOZOIDS Location war gerade mal 1200 Fuß groß, und wir haben dieselbe Ecke nachts umgebaut. Viele Monster, viel Schleim.

Mir gefiel der härtere LADY AVENGER. Die richtige Mischung aus Stunts und selbstzweckhaftem Sex.
    Ich liebe die Revenge-Filme mit Linda Blair. LADY AVENGER war meine Version davon. Rache mit einem Flammenwerfer! Yeah! Autojagden! Alles dabei!

All Deine Filme durchzugehen ist unmöglich. Wie hast Du nur eine so umfangreiche Filmografie aufbauen können?
    Ich bin süchtig danach. Und ich habe die Energie dafür. Oder zumindest hatte ich sie. Ich habe mit 24 als Regisseur begonnen. Ich war jung und hatte Tonnen von Energie und Ambition.

Du hast mit Jan-Michael Vincent bei DEADLY EMBRACE gearbeitet. Ich habe nicht so nette Sachen über ihn gehört. Wie war er bei Dir?
    Ich hab ihn sehr gemocht. Total professionell und sehr nett. Ich wünsche ihm das Allerbeste, denn er hatte ein paar sehr harte Jahre. Ich würde auch gern wieder mit ihm arbeiten, weil er am Set Gitarre spielt und singt. Wir haben dann alle pausiert und ihm zugehört. Wunderbarer Kerl.

Hast Du überhaupt mal unter divahaftem Benehmen von Schauspielern leiden müssen?
    Nie. Bis auf zwei Leute, von denen Du nie gehört hast. Ich werde das alles in meiner Autobiografie erzählen. Bißchen zu pikant, um es hier zu bringen!

Bei SKELETONS hattest Du eine bemerkenswerte Besetzung. James Coburn, Christopher Plummer, Ron Silver… Wie sind die mit Euch umgegangen?
    Sehr gut. Besonders Plummer und Coburn sind magische, wunderbare Männer. War trotzdem ein harter Film wegen des engen Zeitplans. Aber das Konzeot von Homophobie und Intoleranz trieb mich an, da ich fand, der Film habe eine wichtige Botschaft.

Was war Dein "größter" Film und was Deine angenehmste Produktion?
    SKELETONS war das Größte - 3Millionen - aber BROTHERHOOD 3 war der größte Spaß. Es war so toll, daß ich direkt nach Kanada gezogen bin. Ich liebe es hier.

Ancient Evil

Wo steht Hollywood heute? Sind die B-Filme zu teuren A-Filmen mutiert?
    Ich denke, das war in den 70ern so. Hollywood ist eine Geisteshaltung. Filme werden überall auf der Welt gemacht. Ich habe in Los Angeles für 21 Jahre gelebt. Ich bin mit der Stadt fertig.

Wie würdest Du Deinen Stil beschreiben? Oder gehst Du je nach Inhalt ganz unterschiedlich heran?
    Nein, immer gleich: Schnell, ungezwungen, organisch. Keine Storyboards, keine Shotlisten. Ich möchte in jedes Projekt frisch eintauchen. Keine Proben. Ich will, daß es vor meinen Augen passiert, vor der Kamera. Es soll echt bleiben.
Man muß es interessant und mitreißend machen. Ein langweiliger Film ist scheiße.

Bist Du im Grunde Dein eigener Boß in dem Geschäft?
    Seit ich Rapid Heart Pictures 1999 gegründet habe, mache ich mein eigenes Ding, aber gelegentlich mache ich einen Film für Freunde. Ich habe jetzt ein einfacheres Leben. Vier Filme im Jahr. Ich hänge gerade tief im Weltvertrieb von BEASTLY BOYZ, dem ersten Film unter meinem Label Rapid Heart Extreme. Mein bester Film seit Jahren. Guck Dir den Trailer bei rapidheart.com an. Das ist ein Schocker!

Hast Du jemals ans Aufgeben gedacht, oder hat es Dir immer Spaß gemacht?
    Manchmal wollte ich es hinschmeißen. Indie-Filme können wirklich eine Quälerei sein, aber ich bin immer noch süchtig nach dem Business. Ich wollte das alles immer machen, und ich kann es einfach nicht lassen. Es ist eine Krankheit. Ich bin süchtig nach Filmemachen.




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