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UNENDLICHE TIEFEN

Reportage.
QUEER AS FOLK-Convention Rise'n Shine in Köln
von Benjamin Hahn

QUEER AS FOLK-Convention Rise'n Shine in Köln

Die Serie.

Als QUEER AS FOLK im Jahr 2000 bei dem US-amerikanischen Pay-TV-Sender Showtime auf Sendung ging, war sie zunächst nur eine weitere amerikanisierte Version einer englischen Serie. Doch schnell wurde Kritikern und Publikum bewusst, dass sich die Macher deutlich von der Vorlage emanzipierten und eigene Akzente setzten: Im Verlauf der insgesamt fünf Staffeln, in denen es die Serie auf 83 Episoden brachte, wurde in QUEER AS FOLK quasi jedes Thema angesprochen, das in der Welt der Schwulen und Lesben eine Rolle spielt: Verbrechen aus Hass, Homophobie, Drogenmissbrauch, Aids, Adoptionsrecht, Schwulenehe, usw. - diese breit gefächerte Vielfalt an Themen, besonders den ernsten, brachte der Serie jedoch nicht nur positive Kritik ein: während manche das Durchleiden so vieler Themen durch so wenige Schauspieler als soap-artig und unrealistisch empfanden, störten sich wiederum andere an der Vermischung der ernsten Inhalte mit den grafisch nicht gerade zurückhaltenden und oftmals ausufernd langen Sexszenen.

Doch auch wenn diese Stimmen durchaus berechtigt Kritik an der Serie übten, kam die Mehrheit zu dem Konsens, dass QUEER AS FOLK Themen der LGBT-Community stärker und progressiver in den Fokus der Öffentlichkeit rückte als z.B. die weitaus langlebigere Sitcom WILL & GRACE. So entwickelte sich QUEER AS FOLK zu einem weltweiten Phänomen und schuf die Basis für jene schwul-lesbische TV-Normalität, die heute Serien wie MODERN FAMILY hervorbringt.

QUEER AS FOLK-Convention Rise'n Shine in Köln

Die Convention.

Es ist wohl der Hartnäckigkeit von Elke Kriebel zu verdanken, dass die erste große Wiedervereinigung des Casts von QUEER AS FOLK ganze sieben Jahre nach Ende der Serie ausgerechnet in Deutschland und dann auch noch in Köln, der Hauptstadt der Schwulen und Lesben, stattfindet. Sie war es nämlich, die den für seine Nähe zu den Fans bekannten Scott Lowell angeschrieben und so den Stein ins Rollen gebracht hat. Über ein Jahr nach dieser ersten Kontaktaufnahme steht Lowell nun gemeinsam mit acht anderen Schauspielern der Serie auf der Bühne des Kölner Maritim-Hotels und kann das alles gar nicht so richtig fassen.

Doch nicht nur für die Schauspieler wirken die drei Tage wie ein Traum, auch den Hunderten von mehrheitlich weiblichen Fans, die aus aller Herren Länder in die Domstadt angereist sind, steht ein ungläubiges Staunen ins Gesicht geschrieben: überhaupt jemals so nah an ihren Stars zu sein, damit hätte hier wohl niemand mehr gerechnet. Und weil Begeisterung relativiert, ist es ihre Euphorie, die über die Probleme dieser Convention hinwegsehen lässt. Denn nicht alles läuft hier perfekt, wie sich insbesondere am Samstag zeigt und so starten z.B. die Q&A-Panels mit soliden 140 Minuten Verspätung. Informiert wird darüber erst viel zu spät und so wartet man und wartet und wartet. Natürlich ist das vor dem Hintergrund verzeihbar, dass die Veranstalter und Organisatoren mit dieser Art von Veranstaltung bisher noch keine Erfahrungen gesammelt haben. Zwar kommen viele der Mitarbeiter aus dem Umfeld der Eventplanung, aber eine Convention ist keine alltägliche Erfahrung.

Umso mehr empfindet man den Umstand als sehr schade, dass die Rise'n Shine, so der eigentliche Name des Treffens, eine einmalige Veranstaltung bleiben soll. Vielleicht ließe sich mit den gewonnenen Erfahrungen bereits eine größere Convention realisieren, die neben QUEER AS FOLK auch noch weitere LGBT-Serien oder Filme mit einbezieht. Denn gerade in dem Bereich offenbart der Blick in den Veranstaltungskalender der Events an Rhein und Ruhr eine deutliche Schwäche: In Bonn versammeln sich die Japanophilen zur Animagic, die Fedcon hat ihren neuen festen Sitz in Düsseldorf gefunden und selbst das beschauliche Bottrop etabliert sich mit dem Weekend Of Horrors zum Convention-Mekka...

Was nach drei Tagen Fan-Treffen, Autogrammstunden, Fragerunden, Parties und Photoshootings bleibt, ist die Zufriedenheit auf Seiten der Fans, aber auch der Schauspieler. Und genau das macht selbst eine nicht immer ganz reibungslos ablaufende Veranstaltung dann doch noch zu einem vollen Erfolg!

 



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