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UNENDLICHE TIEFEN

Reportage.
32. Filmfest München 2014
von Lutz Granert

32. Filmfest München 2014

Das diesjährige Filmfest München stand im Zeichen ziemlich greiser Herren. Dem sechsfachen Oscar-Gewinner Artur Cohn (87) war eine Gala-Vorstellung gewidmet. In der Retrospektive liefen mit analysierenden Worten eingeleitete Filme von Hollywood-Regisseur Walter Hill (72), der mit NUR 48 STUNDEN und LAST MAN STANDING (auch zu sehen) in den 80ern und 90ern das Genre des Actionfilms mitprägte. Insbesondere zu dem relativ unbekannten STRASSEN IN FLAMMEN war seine Anwesenheit sehr lohnend, konnte sich Hill doch hier mit einem Erfolg im Rücken einmal inszenatorisch austoben und gab es doch einige Probleme mit der Musik, wie er im anschließenden Q&A verriet.
Udo Kier, der beim Festival bei der Weltpremiere der Dokumentation ARTEHOLIC über ihn als leidenschaftlicher Schauspieler und Kunstliebhaber mit dem Ehrenpreis "CineMerit-Award" ausgezeichnet wurde, ist da mit seinen inzwischen 69 Jahren noch ein "junger Hüpfer". So kokettierte er mit seinem Alter auch bei seiner Dankesrede im Hinblick auf seinen Wohnort Palm Springs, einer stadtgewordenen Seniorenresidenz in Kalifornien.

Die Verleihung dieses Preises im Carl-Orff-Saal des Kulturzentrums im Gasteig mit zahlreichen Laudatoren wäre ein Höhepunkt des Festivals geworden, hätte nicht eine an Selbstparodie grenzende Moderation den feierlichen Charakter des Abends getrübt. Aline von Drateln, sonst im Kinomagazins "Kinopolis" auf Sky zuhause, führte durch den Abend und zeigte mit ihrem Abwürgen von Reden und eigenen blöden Befindlichkeiten ihre Talentfreiheit. Trotz einer netten Erscheinung im engen lachsfarbenen Gala-Kleid lieferte das nervige Blondlöckchen alle Argumente, warum man auf ein Abonnement des Pay-TV-Senders verzichten sollte. Ein sichtlich gut gelaunter Udo Kier, der sich auch viel Zeit bei seinem Gang über den roten Teppich nahm und geduldig Journalisten Rede und Antwort stand, machte diesen Tiefpunkt jedoch Vergessen.

Das Festivalprogramm selbst bot neben Retrospektiven und Sondervorstellungen wieder großartige Independent-Filme aus Deutschland, Europa, Südamerika und den USA. Und das Beste dabei: abgesehen vom offiziellen Eröffnungsfilm DIE KARTE MEINER TRÄUME spielte aufgesetztes 3D dabei keine Rolle. Der subtile und hochspannende dänische Coming-of-Age Werwolfhorror WHEN ANIMALS DREAM und der packende us-amerikanische "Southern Noir" mit buddy movie-Einsprengseln COLD IN JULY indes waren nur zwei sehenswerte Genre-Filme. Warum es - wie in den vergangenen Jahren - auch immer wieder Filme ins Programm schaffen, die ohnehin in wenigen Tagen regulär ins Kino kommen, bleibt jedoch ein Rätsel. So habe ich beispielsweise in der Sektion "Spotlight" am 29. Juni die alberne Verwechslungskomödie DIE MAMBA im Kino Münchner Freiheit gesehen, der am 03. Juli startete. Ob die Anwesenheit des Regisseurs Ali Samadi Ahadi diese Entscheidung aufgrund der qualitativen Fragwürdigkeit des Films rechtfertigt, sei dahingestellt. Immerhin habe ich hier jedoch mit der Beantwortung einer Frage zu seinem Schaffen ein Stück (!) Eiskonfekt gewonnen.

Bei meinem diesjährigen zweiten Aufenthalt auf dem Filmfest München hat sich mein Eindruck bestätigt: große Weltpremieren von Hollywood-Filmen kann man nicht erwarten, doch "die besten Filme des Sommers" (so der Werbespruch) sind der großen Berlinale beinahe ebenbürtig. Und joa mei: Dass akkreditierte Presse-Vertreter in der "20 Uhr-Schiene" nur im Schnitt zwei Veranstaltungen ohne Aufpreis besuchen können, ist aufgrund kurzer Wege und schöner Spielorte auch zu verschmerzen. Nächstes Jahr gern wieder!

Mehr Informationen gibt's auf filmfest-muenchen.de.




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