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KAPITELWAHL

LAURIN (Deutschland 1989)

von André Becker

Original Titel. LAURIN
Laufzeit in Minuten. 84

Regie. ROBERT SIGL
Drehbuch. ROBERT SIGL . ADAM ROZGONYI
Musik. HANS JANSEN . JACQUES ZWART
Kamera. NYIKA JANCSO
Schnitt. TERI LOSONCI
Darsteller. DORA SZINETAR . BARNABAS TOTH . BRIGITTE KARNER . KAROLY EPERJES u.a.

Review Datum. 2018-04-15
Erscheinungsdatum. 2017-12-01
Vertrieb. BILDSTÖRUNG

Bildformat. 1.85:1 (1080p)
Tonformat. DEUTSCH (DTS-HD 2.0) . ENGLISCH (DTS-HD 2.0)
Untertitel. DEUTSCH . ENGLISCH . FRANZÖSISCH
Norm. PAL
Regional Code. B

FILM.
Es ist bezeichnend für den Umgang mit deutscher Filmkunst, dass ein Werk wie LAURIN jahrzehntelang hierzulande kaum Beachtung fand. Lediglich Nischenpublikationen erkannten schon früh die Qualitäten von Robert Sigls märchenhafter Schauergeschichte und wurden nicht müde, diese einem aufgeschlossenen Publikum nahe zu bringen. Nun, da der Film für kurze Zeit im Kino zu sehen ist, spricht auch das Feuilleton Empfehlungen aus. Diese wohlverdiente Kür kommt reichlich spät, aber man will ja nicht kleinlich sein.

Obwohl der Blick auf die überlebensgroßen Bilder auf der Leinwand (und sei es in eher kleinen Programmkinos) natürlich gerade bei einem ästhetisch so einnehmenden Film wie Sigls Frühwerk vorzuziehen ist, muss an dieser Stelle ebenso auf die hervorragende Blu-ray von Bildstörung hingewiesen werden. Hier erstrahlt die Geschichte um ein junges Mädchen (beindruckend gemimt von Dora Szinetar), das in einem winzig kleinen Hafenörtchen ihr zweites Gesicht entdeckt und als Waffe gegen einen hinterhältigen Mörder einsetzt, in voller Pracht.

LAURIN gleicht hierbei der Fahrt in einer Gondel an einem nebelverhangenen Tag. Betont langsam entfaltet sich eine eigentümliche, traumgleiche Stimmung, die Sigl mit jeder Einstellung weiter auskostet. Mit Bildern, denen eine große Suggestivkraft innewohnt, erzeugen der Regisseur und sein Kameramann eine filmeigene Poesie, die mittels zahlreicher Metaphern und Verweise ihre Wurzeln in Psychoanalyse, Gothic-Horror und dem expressionistischen Grusel-Kino der zwanziger und dreißiger Jahre vermittelt. Wie bei Dario Argento, dessen stilistisch bahnbrechende frühen Horrorfilme hier zumindest formalästhetisch offenkundig Vorbild waren, sind die (still und leise gesetzten) Höhepunkte auch bei Sigl stets visuelle Schauwerte. Seien es Szenen auf einem alten Friedhof, oder die Visionen Laurins. Das Spiel mit Farben, Kerzenlicht und den surrealen Sets in Osteuropa ist ein Augenschmaus, dem man sich nur gerne bereitwillig hingibt.

LAURIN ist aber zusätzlich noch so viel mehr. Wie alle guten Horrorfilme (sofern diese Kategorie für den Film überhaupt passt) widmet sich Sigl dem Unterbewusstsein. Dem, was tief in uns drinnen lauert. Insofern ist Sigls Werk ebenfalls auf der Ebene möglicher Interpretationsansätze interessant. So ist nicht nur die kindliche Hauptfigur vielseitig interpretierbar (als Manifestation reiner Unschuld, als Erlöserfigur wider Willen etc.) sondern darüber hinaus der gesamte soziale Kontext, der hier als Mikrokosmos längst vergessener Zeiten illustriert wird. Wie so oft ist das Böse und die Niedertracht nicht nur in der einen zentralen Gestalt (hier: der Tod in Form eines hinterhältigen Mörders) angelegt. Es lauert auch in den despotischen Vertretern der Kirche, in den verqueren Dorfbewohnern und im grausamen Verhalten, dass die Kinder in der Dorfschule ihren Mitschülern gegenüber an den Tag legen.

Robert Sigls frühes Filmkunstwerk ist somit gleichzeitig Zeit- und Sittenportrait, dass mit seinem subtilen Grusel ebenfalls den Blick auf das große Ganze lenkt und ebenso davon erzählt wie leicht das Grauen Einzug in die vermeintlich heile Welt eines abgelegen Dorfes halten kann. LAURIN schafft dadurch eine Tiefgründigkeit, die in dieser Form im deutschsprachigen Genre-Film selten anzutreffen ist. Ein weiterer Beleg, für die vielen Qualitäten, die Sigls erste Langfilmarbeit auszeichnen und die mitunter (aber dann umso wirkmächtiger) erst nach mehrmaligen Sehen zum Vorschein kommen.

BLU-RAY.
Die ungekürzte Blu-ray-Veröffentlichung (FSK 16) von Bildstörung ist meisterhaft. Digital restauriert vom Original-Negativ ist dieses Release qualitativ gesehen ein Quantensprung gegenüber früheren Versionen. Neben dem hervorragenden Layout besticht diese Veröffentlichung noch durch ein sehr aufschlussreiches Booklet und einem sehr umfangreichen Bonusmaterial auf Disc. Neben dem Audiokommentar von Regisseur Sigl gibt es noch seinen Kurzfilm DER WEIHNACHTSBAUM sowie Interviews mit dem Filmteam (u.a. mit den Darstellern und dem Kameramann). Features wie die obligatorischen Behind the scenes, Trailer, entfallene Szenen usw. runden diese wirklich tolle Veröffentlichung ab.








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