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KAPITELWAHL

WITCHING & BITCHING (Spanien 2013)

von André Becker

Original Titel. LAS BRUJAS DE ZUGARRAMURDI
Laufzeit in Minuten. 112

Regie. ÁLEX DE LA IGLESIA
Drehbuch. JORGE GUERRICAECHEVARRÍA . ÁLEX DE LA IGLESIA
Musik. JOAN VALENT
Kamera. KIKO DE LA RICA
Schnitt. PABLO BLANCO
Darsteller. HUGO SILVA . MARIO CASAS . CAROLINA BANG . CARMEN MAURA u.a.

Review Datum. 2017-03-25
Erscheinungsdatum. 2014-04-24
Vertrieb. SPLENDID

Bildformat. 2.35:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 5.1) . SPANISCH (DD 5.1)
Untertitel. DEUTSCH . NIEDERLÄNDISCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Álex de la Iglesia darf zweifelsohne zu den talentiertesten spanischen Regisseuren der Gegenwart gezählt werden. Seine Filme sind nicht immer makellos, aber stets virtuos in ihrer ungebändigten Wildheit. WITCHING & BITCHING ist allerdings die mit Abstand schlechteste Arbeit des umtriebigen Regietalents. Eine nur selten komische, viel zu lang und umständlich erzählte Horror-Groteske, der man wirklich nur schwer Gutes abgewinnen kann.

Es beginnt alles noch recht vielversprechend. In einer rasant geschnittenen Überfall-Szene wird in einer spanischen Großstadt ein Geschäft ausgeraubt. Die Räuber (u.a. Hugo Silva), allesamt als Straßenkünstler verkleidet, sind fortan vor dem Gesetz auf der Flucht. Auf dem Weg nach Frankreich müssen sie schließlich in einem abgelegen Dorf Halt machen. Nichtsahnend das genau dieser Ort von einem teuflischen Hexenkult beherrscht wird, der gerade dabei ist ein mörderisches Ritual vorzubereiten. Schneller als ihnen lieb ist muss sich die Truppe zur Wehr setzen.

WITCHING & BITCHING baut nach dem knalligen Anfang (inklusiver einer rasanten Verfolgungsjagd) enorm ab. In den Vordergrund rücken flache Witze und pubertärer Klamauk. Das Publikum wird daher recht schnell auf eine harte Geduldsprobe gestellt. Das liegt auch an den uninteressanten Charakteren, die zum Teil arg nerven und kaum als echte Identifikationsfiguren taugen. Die schauspielerischen Leistungen sind dagegen ganz solide, obwohl einige Darsteller mit ihrem Hang zum Overacting ein wenig zu sehr über die Stränge schlagen.

Leider schafft es der Film nicht das Ruder noch einmal rumzureißen. Es wird stattdessen im Filmverlauf eher schlimmer als besser. Insbesondere wenn WITCHING & BITCHING gegen Ende verstärkt auf visuelle Effekte zurückgreift und einige äußerst dürftige CGI-Kreationen präsentiert. Vollkommen überflüssig und zutiefst unglaubwürdig ist darüber hinaus die aufgesetzte Liebesgeschichte, die der Regisseur unerwartet holzhammermäßig in die Handlung einbaut und am Ende zunehmend prominenter in das Geschehen integriert. Während de la Iglesia seine Love-Stories in früheren Werken nicht immer glaubwürdig, aber meist packend ausformulierte, kleistert er hier alles mit fader Groschenromanromantik und Kitsch zu. Da hilft es auch nicht, dass mit dem Blickfang Carolina Bang die optimale Besetzung für die weibliche Hauptrolle gefunden wurde.

Besonders ärgerlich ist zudem das öde Drehbuch, das seltsam ideen- und kraftlos altbekannte Standartsituationen aus Horrorkomödien wiederkäut. Lediglich vereinzelt blitzt eine der verschrobenen Verrücktheiten auf, für die de la Iglesia als Filmemacher so geschätzt und vielerorts frenetisch gefeiert wird. Dadurch wird allerdings nur noch deutlicher, was dem Film wirklich fehlt und wo genau seine Schwachstellen liegen.

Ein weiteres Manko ist die Laufzeit. Mit seinen fast zwei Stunden Spielzeit (die gefühlt doppelt so lang sind) fällt der Film alles andere als kurzweilig aus. Es fehlt außerdem ein wirklicher Fokus. De la Iglesia verwurstet unterschiedliche Genre-Versatzstücke, ohne dass dabei eine harmonische kinematographische Einheit zustande kommt. Die Folge ist, dass die Horror-Groteske gehetzt und ziellos die jeweiligen Genre-Motive beackert (bzw. versucht zu parodieren), diesbezüglich jedoch ausschließlich äußerst magere Ergebnisse abliefert.

Das neueste Werk von Álex de la Iglesia ist insofern eine waschechte Enttäuschung. Fast wirkt der Film wie eine unmotiviert heruntergefilmte Auftragsarbeit eines unerfahrenen Regieneulings. WITCHING & BITCHING mag mit seinen schrillen Figuren an die frühen Großtaten des Spaniers erinnern, an die Qualitäten einstiger Meisterwerke wie z.B. EL DIA DE LA BESTIA oder zuletzt MAD CIRCUS kann der überdrehte und nur selten stimmige Hexen-Klamauk aber nicht einmal ansatzweise anknüpfen.

DVD.
Die deutsche Veröffentlichung ist ungekürzt und überzeugt mit ordentlicher Bild- und Tonqualität. Die Synchronisation ist nicht unbedingt das Gelbe vom Ei, bewegt sich aber noch im akzeptablen Bereich. Insgesamt eine solide DVD-Premiere aus dem Hause Splendid. Als limitierte Sonderedition ist auch ein Steelbook mit Postkarten erhältlich.








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