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KAPITELWAHL

PLANET OCEAN (Belgien 2012)

von Florian Lieb

Original Titel. PLANÈTE OCÉAN
Laufzeit in Minuten. 89

Regie. YANN ARTHUS-BERTRAND . MICHAEL PITIOT
Drehbuch. MICHAEL PITIOT . LUCY ALLWOOD
Musik. ARMAND ARMAR
Kamera. ANDY CASAGRANDE
Schnitt. LAURENCE BUCHMANN
Darsteller. -

Review Datum. 2015-09-18
Erscheinungsdatum. 2013-01-31
Vertrieb. UNIVERSAL

Bildformat. 1.77:1 (1080p)
Tonformat. ENGLISCH (DTS-HD 5.1)
Untertitel. DEUTSCH . ENGLISCH
Norm. PAL
Regional Code. B

FILM.
Als Déjà-vu erachtet man das Gefühl, eine neue Situation bereits schon mal erlebt zu haben. Insofern kann Yann Arthus-Bertrands jüngster Dokumentarfilm PLANET OCEAN durchaus als filmisches Déjà-vu gesehen werden, immerhin begegnen dem Zuschauer hier etliche inhaltliche Punkte, die der französische Fotojournalist bereits 2009 in HOME eingeführt hat. Beide Filme stellen eine Zivilisationskritik dar und prangern den Umgang der Menschheit mit der Natur und ihren Ressourcen an. Hier wie dort bedient sich Arthus-Bertrand grandioser Luftaufnahmen, um die teils schockierende Wahrheit der menschlichen Vernachlässigung unseres Planeten festzuhalten.

Erneut begleitet einen als Zuschauer dabei eine weibliche Erzählerin, statt Glenn Close diesmal die weitestgehend unbekannte Sharon Mann. Ich komme von hier, sagt sie zu Beginn aus dem Off als die Kamera über das Meer fährt. Ich komme aus dem Ozean. Wie schon in HOME setzt Arthus-Bertrand dabei am Anfang aller Dinge an. Der Film startet mit der Einführung lebendiger Fossilien in der australischen Shark Bay, Sedimentgestein mit dem Namen "Stromatolithen", das über vier Milliarden Jahre alt sei. Damals war die Erdoberfläche noch von Lava durchzogen. PLANET OCEAN erklärt uns, wie es zu den Meeren kam, wie zu ihrem Salzgehalt, usw.

Wir erfahren von der thermohalinen Zirkulation, auch bekannt als globales Förderband. Jener Zyklus, in dem die Winde das Meer bewegen, von Südafrika bis in den Atlantischen Ozean, zurück in die Antarktis und hinüber in den Indischen Ozean. Es dauert 1000 Jahre, bis ein Wassertropfen diesen Ozeanzyklus vollendet, informiert uns Mann. Der Film erzählt von der Algenblüte, die bis ins All sichtbar ist und deren Plankton teilweise selbst aussieht wie kleine Galaxien. Jene Mikroalgen, die Kohlenstoff konsumieren und Sauerstoff produzieren. Genauer gesagt: die Hälfte des Sauerstoffs, den wir täglich einatmen. Wie so vieles in der Natur wird aber auch diese "Explosion von Leben" reguliert - durch Viren. Die Natur duldet keine Exzesse, kommentiert Mann.

Widmete sich HOME dem gesamten Planeten, fokussiert sich der französische Filmemacher nunmehr allein auf die Ozeane und ihre Bedeutung. Sie ermöglichten nicht nur Leben auf der Erde, sondern förderten auch jene menschliche Erfindung, die ihren Niedergang vorantreibt. Das Meer hat die Globalisierung ermöglicht, benennt es die Erzählerin. Passend dazu reisen die Filmemacher nach China, zum Hafen von Shanghai, dem weltweit umschlagstärksten Hafen und gleichzeitig eine künstliche Insel im Meer. Wir sehen riesige Frachtcontainer und Fischfangkutter. 90 Millionen Tonnen Fisch werden jährlich gefangen, die Hälfte davon allein durch ein Prozent aller Fischerboote. Die Schleppnetzfischerei macht's möglich - und sorgt dafür, dass 80 Prozent des Meeresbestand gefährdet sind.

Die Überfischung hätte ihr "biologisches Limit" erreicht, aber nicht nur sie. Wir sehen die Shanty Town Makoko in der Lagune von Lagos in Nigeria. Rund 100 000 Menschen leben hier außerhalb der 17-Millionen-Einwohner-Stadt in einem Slum auf dem Meer. Die Bevölkerung, die hier lebt, fand keinen Platz an Land. Kaum etwas, das uns Sharon Mann berichtet, fällt positiv aus. Schon gar nicht, dass die Industrialisierung in 200 Jahren kaputt gemacht hat, was die Natur zuvor über Milliarden von Jahren aufgebaut hat. Oder dass ein Viertel aller Korallenriffe, die für das Ökosystem der Meere - und damit für uns - wichtig sind, in den letzten 50 Jahren starben. Das Problem mit PLANET OCEAN ist eben jenes vom Déjà-vu. Denn der Film vermag einem kaum etwas Neues mitzuteilen.

Zumindest dann nicht, wenn man sich nicht zum ersten Mal dem Thema widmet. Genrefans und all diejenigen, denen der Planet Erde nicht am Arsch vorbei geht - fraglos die Minderheit - dürften jedoch das Meiste, was sie hier erfahren, bereits in HOME, DIE UNBEQUEME WAHRHEIT ÜBER UNSERE OZEANE, SHARKWATER, SUSHI: THE GLOBAL CATCH und Konsorten aufgeschnappt haben. Das macht PLANET OCEAN natürlich nicht weniger bedeutsam oder seinen Inhalt schlecht, eigentlich im Gegenteil. Die Tatsache, dass kaum ein Jahr vergeht, ohne dass die Facebook-, iPhone- und Xing-Generation mit der erschütternden Realität konfrontiert wird, ohne dass sich etwas ändert, spricht ihre eigene Sprache. Die über eine Rasse, die den Exzess lebt.

Der Ozean ist der Schlüssel zu unserem Überleben, sagt Sharon Mann. Und vielleicht begreift es ja der ein oder andere nach Sichtung von PLANET OCEAN (auch). Anderenfalls folgt in ein, zwei Jahren wohl der nächste entsprechende Dokumentarfilm. Und damit das nächste Déjà-vu.

BLU-RAY.
Das Bild stellt sich ganz in den Dienst der bisweilen grandiosen Naturaufnahmen und da das Bild im Vordergrund steht, beschränkt sich der Ton auf die Erzählstimme und musikalische Untermalung. Als Extras warten lediglich drei kleine Mini-Making Ofs (gemeinsam keine 15 Minuten lang), die hauptsächlich unkommentiert sind und die Macher zumeist bei ihren Luftaufnahmen begleiten. Da wäre mehr drin gewesen.








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