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KAPITELWAHL

GAME OF THRONES - DIE KOMPLETTE VIERTE STAFFEL (USA 2014)

von Martin Eberle

Original Titel. GAME OF THRONES - SEASON 4
Laufzeit in Minuten. 600

Regie. ALEX GRAVES . NEIL MARSHALL . ALIK SAKHAROV . MICHELLE MACLAREN
Drehbuch. DAVID BENIOFF . GEORGE R.R. MARTIN . D.B. WEISS . BRYAN COGMAN
Musik. RAMIN DJAWADI
Kamera. ROBERT MCLACHLAN . DAVID FRANCO . ANETTE HAELLMIGK
Schnitt. TIM PORTER . KATIE WEILAND . CRISPIN GREEN
Darsteller. PETER DINKLAGE . NIKOLAJ COSTER-WALDAU . LENA HEADEY . EMILIA CLARKE u.a.

Review Datum. 2015-04-19
Erscheinungsdatum. 2015-03-29
Vertrieb. WARNER HOME VIDEO

Bildformat. 1.77:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 5.1) . ENGLISCH (DD 5.1) . ITALIENISCH (DD 5.1) . RUSSISCH (DD 5.1)
Untertitel. DEUTSCH . ENGLISCH . ITALIENISCH . RUSSISCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Nächste Runde im Kampf um den Eisernen Thron. Staffel vier ist raus. Und GAME OF THRONES hat damit prompt die HBO-eigene Hitliste gestürmt, die SOPRANOS, bisher auf Platz ein, von ihrem ersten Platz gestürzt. Das hat auch seine Berechtigung. GAME OF THRONES ist eine absolute Ausnahmeserie, grosses Fernsehen mit einem hohen Überwältigungsmoment.

Die Überwältigung findet bereits beim Set-Design statt, äusserst liebevoll, detailversessen und gleichzeitig voller Bombast. Nicht umsonst ist der - übrigens auch überwältigend schöne, als mechanische Spielzeugwelt ausgelegte - Vorspann ein Abfahren eben dieser eindrucksvollen Schauplätze, den Macht- und Kampfzentren der Sieben Königreiche, von der alles überragenden Eismauer im Norden über die machtvollen Stadtmauern von Meereen bis hin zum filigran-erhabenem Kings Landing.

Aber GAME OF THRONES lebt vor allem von den großartigen, auch großartig gespielten Charakteren. Da allen voran die Figur des Tyrion Lannister (toll, toll, supertoll: Peter Dinklage), der Half-Imp, der trotz aller Demütigungen und Bedrohungen versucht, einen Platz im Familienimperium zu finden. Einer der ganz wichtigen, großen Ankerpunkte dieser Staffel.

Auch Daenerys Targaryen, (ebenfalls toll, toll, supertoll: Emilia Clarke), Drachenmutter, Die Sturmgeborene und u.a. und nicht zuletzt Befreierin einer Reihe von Sklavenstädten, ringt um ihre Rolle. Als Befreierin macht sie sich sehr gut, ihre mitreissende Ansprache zur Selbstermächtigung der Sklaven vor dem imposanten Stadttor von Meereen ist einer der sehr memorablen Momente der Staffel, ein absoluter Gänsehautmoment.

Überhaupt lässt Staffel 4 dem gesprochenen Wort viel Raum. Tyrions konsequente, hasserfüllte Rede vor einem Tribunal ist ein grosser kathartischer Moment.
Und auch in emotional weniger aufgewühlten Momenten entfaltet das gut gesprochene Wort seine Macht: Stannis Baratheon (etwas blass: Stephen Dillane), potentieller Thronanwärter, der mit seinem Anliegen bei den überheblichen Bürokraten der Iron Bank übel abperlt, bekommt Unterstützung durch eine Ansprache seiner sonst eher wortkargen rechten Hand Davos Seaworth (schön changierend zwischen leicht verlegen und diskret souverän: Liam Cunningham), dessen kraftvollen Worte schlussendlich überzeugen. Ein sehr schönes Detail im GAME OF THRONES-Universum, dass Macht und Einflussnahme auch mit der Überzeugungskraft des Wortes funktioniert.

Natürlich gibt es noch genug Schau-Momente: Die Reise von Arya Stark und dem Hound geht weiter, King Joeffrey wird seine Hochzeit feiern, Strippenzieher Littlefinger strippt und zieht diesmal besonders heftig, und die sich schon länger ankündigende Schlacht um die Eismauer wird endlich geführt, eine ganze Folge lang, mit packenden, absolut realistisch wirkenden Kämpfen.
Aber in der Schlacht wird beim genauen Hinsehen auch deutlich, dass GAME OF THRONES konventioneller erzählt wird als es sich eigentlich anfühlt. Auch in dieser harten, epischen Schlacht findet sich der Moment, der in jedem Kriegsdrama vom Mittelalter bis zur Neuzeit fehl am Platze wirkt: die private Pause für das Sterben in den Armen einer teuren Person, während die Schlacht eigentlich weiter tobt. Dass dieser Moment nicht so unangenehm und störend auffällt wie in anderen Produktionen, ist der Kunstfertigkeit und dem Geschick der Macher geschuldet, aber dann eben doch nicht weniger altbacken und unrealistisch.

Aber der Realismus, von dem die Stimmung in GAME OF THRONES lebt, entsteht vor allem aus dem behutsamen Umgang mit den Figuren, die ihre Entwicklung bekommen, ihre Ambivalenzen, die auch selber auf Ambivalenzen in der Welt stossen, und so mal ganz nebenbei das Gute wollen und etwas Schlechtes schaffen. Auch hier sind die Drehbücher geschickt geschrieben. Man wird auf die selbe falsche Spur gesetzt und reibt sich später überrascht die Augen, wie schnell die erst als richtige Position erscheinende Handlung einen wenig später dann als fiese Möpp dastehen lässt.

Auch deswegen fühlt sich GAME OF THRONES weniger als Fantasy-Serie denn als ein perfekt umgesetztes Parallel-Mittelalter an. Kostüme, Waffen, die Härte und Unerbittlichkeit der Kämpfe, ja selbst die Drachen fügen sich so natürlich in diese Welt ein, dass hier kein scheeles HERR DER RINGE-Gefühl aufkommt. Deswegen rutscht GAME OF THRONES auch immer dann in eine triste Trivialität und Albernheit ab, sobald sich der Erzählstrang um Bran Stark und seine Clique dreht. Der wird glücklicherweise nicht ganz so oft aufgenommen, aber als dann in der Abschlussfolge der Staffel genau diese Clique auf den super-mysto dreiäugigen Raben, einem alten Man in den Wurzeln eines Zauberbaums und einem "Kind des Waldes", das coole Feuerbälle aus den Händen abfeuern kann, trifft, kommt das unangenehme Gefühl auf, dass sich GAME OF THRONES auch noch in eine ganz falsche Richtung bewegen könnte. Zumal sich eben in dieser zehnte Folge ein Grundproblem der Serie manifestiert. Es gibt einfach noch so viel zu erzählen. Folge 10 hat so einige extrem starke Momente, die für sich genommen jeweils emotionale Höhepunkte hätten sein können (abgesehen natürlich von der Magic-Mystery-Show des Bran-Strangs), ist aber inflationär vollgepackt, mit so vielen Story-Lines vollgedengelt, dass kein wirklich schöner flow einkehren möchte. Hoffentlich kein Ausblick auf die Zukunft der Serie.

DVD.
Das DVD-Menü ist erstmal ein downer. Musikuntermalung ist die läppische Version des eigentlich tollen Titelthemas, hier nur von einem Kinderchor putzig weichgespült. Übrigens auch das End-Thema der letzten Folge der Staffel. Au weia.

So richtig anfreunden konnte ich mich mit den DVD-Extras nie so richtig. Wahrscheinlich weil ich noch genügend hingeschluderte Halbstünder erlebt habe, die der Praktikant mal so nebenbei mitmachen musste, nur um ja was im Menü auflisten zu können.

Warner macht das anders und damit ganz richtig. Hier gibt es meistens einen echten Mehrwert. Ganz schön z.B. das Making Of der Folge Der Krieg an der Mauer. Das in den O-Tönen übertriebene gegenseitige Gelobhudel weicht zum Glück einem eher informativen Ansatz über die Umsetzung einer der besten Folgen dieser Staffel.

Ausserdem noch im Angebot: Ein Rückblick auf Staffel drei, (ganz hilfreich aber sicher nicht stilbildend), ein paar Gedanken von George R.R. Martin zu der Rolle der Bastarde von Westeros (nun ja), zwei nicht verwendete Szenen, ein Portrait neuer Charaktere und neuer Orte (ganz okay) und mein persönliches Highlight: die extrem launige Gesprächsrunde mit all jenen Schauspielern und Schauspielerinnen, deren Figuren die vierte Staffel nicht überlebt haben.

Und natürlich Audiokommentare ohne Ende, manche Folgen bieten sogar zwei. Viele davon sehr informativ/lustig/spannend. Der Kommentar, von dem ich mir allerdings am meisten erwartet hatte, der der geschätzten Darsteller der Lannister-Geschwister Tyrion, Jaime und Cersei, war eine ziemliche Enttäuschung. Peter Dinklage, Nikolaj Coster-Waldau und Lena Headey sitzen vor dem Film, als ob sie ihn das erste mal sehen würden und eigentlich besseres zu tun gehabt hätten. Informationsgehalt nur selten knapp über null. Im besten Fall fühlt sich das dann an, als ob man mit ein paar guten Freunden vor der Glotze sitzt und sie es nicht hinkriegen, ab und zu mal die Klappe zu halten.
Besonders hübsch dagegen aber die eher ausgelassen-alberne Plauderei von Sophie Turner (Sansa) und Maisie Williams (Arya), die beide beim Erzählen selber viel giggeln und lachen müssen. Sehr lustig und charmant! Das ist dann auch der Gesamteindruck dieser Box.








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