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KAPITELWAHL

THE GUILLOTINES (Hong Kong 2012)

von André Becker

Original Titel. XUE DI ZI
Laufzeit in Minuten. 113

Regie. ANDREW LAU
Drehbuch. AUBREY LAM . JOYCE CHAN
Musik. KWONG WING CHAN
Kamera. EDMOND FUNG
Schnitt. AZRAEL CHUNG
Darsteller. HUANG XIOAMING . ETHAN JUAN . YI WEI ZHOU . TIAN GAO u.a.

Review Datum. 2014-09-09
Erscheinungsdatum. 2013-08-30
Vertrieb. SPLENDID

Bildformat. 2.35:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 5.1) . MANDARIN (DD 5.1)
Untertitel. DEUTSCH . NIEDERLÄNDISCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
THE GUILLOTINES ist trotz einiger inhaltlicher Parallelen kein Remake des Shaw Brohters Klassiker THE FLYING GUILLOTINE. Andrew Laus, in gewohnt bildstarke Einstellungen getauchtes, Historiendrama erzählt stattdessen eine eigenständige Geschichte, die mit ihrer betont realitätsnahen und geerdeten Inszenierung seinem actionorientierten Zielpublikum einiges abfordert.

Abgesehen von den rasanten Anfangsminuten spielen die titelgebenden Waffen im Film nämlich keine übergeordnete Rolle. Das ist dann tatsächlich auch ein großes Manko von THE GUILLOTINES. Die Erwartungen, die durch die erste Actionszene unweigerlich geschaffen werden, erfüllt das Drama im weiteren Filmverlauf in keiner Weise. Die Einführungssequenz der Guillotinen ist dabei zweifelsohne großartig gefilmt: Surreale Bilder fangen die geheimnisvolle Aura und kaum greifbare Mystik der Waffen ein und konstruieren das Versprechen auf einen überbordenden Actionfilm voller Rätsel, finsterer Intrigen und teuflischer Tötungsinstrumente. Ein Versprechen welches der Film nur bedingt einhält. THE GUILLOTINES punktet allerdings auf anderen Ebenen und entschädigt so für die rar gesäten Sequenzen mit den todbringenden Mordinstrumenten.

China während der Qing-Dynastie um 1740. Die Guillotines sind die Vollstrecker des Kaisers. Ausgestattet mit Geheimwaffen erledigen sie ihre Aufträge ohne Gnade und mit tödlicher Präzision. Dennoch gelten sie als nicht mehr zeitgemäß und als ein Überbleibsel vergangener Tage. Als bei einem Einsatz der Rebellenführer Wolf entkommt ist das Schicksal der Guillotinen besiegelt. Der Kaiser beschließt seine Geheimeinheit loszuwerden und lockt sie unter dem Vorwand eines neuen Auftrags in eine Falle. Die Guillotinen sind jedoch nicht bereit sich kampflos geschlagen zu geben. Im Rebellenführer Wolf finden sie zudem einen neuen Verbündeten. Dennoch scheint es kein Entkommen vor den Schergen des Kaisers zu geben. Als es zum Showdown kommt sehen sich die Guillotinen einem zahlenmäßig weit überlegenen Gegner gegenüber.

Andrew Laus Inszenierungsstil ist erfreulich düster geraten. Die tristen Bilderwelten, erschaffen eine extrem bedrückende und tiefdunkle Atmosphäre. Die Ausweglosigkeit der Lage, in der sich die Protagonisten befinden wird schnell auch für das Publikum erlebbar. Der nur selten heroisierte Leidensweg der Figuren bildet das Zentrum der narrativen Struktur des Films. Lau schreckt hier nicht vor ungemütlichen Bildern voller sadistischer Gewalt und menschlicher Niedertracht zurück. Die Welt, in der sich seine Protogonisten bewegen, kennt keine Gnade und ist moralisch verkommen. Echte Helden erscheinen als Relikt aus der Vergangenheit. Positiv fällt diesbezüglich auf, dass die Grenzen zwischen Gut und Böse als sehr fließend dargestellt werden.

Obwohl der aufwendig gedrehte Historienfilm ein recht profilloses Figurenensemble aufeinander hetzt, bleibt man als Zuschauer emotional involviert. Dies ist vor allem dem sehr geradlinigen Drehbuch zu verdanken, das immer wieder ausreichend Raum für aufwühlende Momente und umfassende Konfliktsituationen bereithält. THE GUILLOTINES bietet entsprechend bis zum explosiven Showdown eine Vielzahl an Schauwerten.

Auf eine ausgefeilte Choreographie und verspielte, tänzerische Martial-arts-Einlagen wird allerdings verzichtet. Die Kämpfe sind ungeschliffen, blutig und meist recht fix wieder vorbei. Dennoch weiß der Film in diesem Kontext zu gefallen. Das wilde hacken, stechen und morden zusammen mit der nihilistischen Grundhaltung der Produktion ist ein angenehmes Kontrastprogramm zum oftmals exzessiv ausformulierten Farbenoverkill und Kitsch zahlreicher Hong Kong Produktionen der letzten Jahre.

THE GUILLOTINES ist also definitiv nicht die erwartete Actionorgie geworden. Der Film positioniert sich eher als episches Historiendrama mit großen Gesten, ausschweifender Ausstattung und morbider Tonart. Der Einsatz einer mitunter stark symbolträchtigen Bildsprache verleiht der Big-Budget-Produktion darüber hinaus eine mystische Aura, die sich prächtig in die gesamte Stimmung des Films einfügt und nur selten fehl am Platz wirkt. Andrew Lau hat hier sicherlich kein Meisterwerk vorgelegt, aber im Großen und Ganzen bietet THE GUILLOTINES grundsolide Unterhaltung.

DVD.
Die technische Aufbereitung ist famos. Bild und Ton sind absolut grandios und bieten allerhöchste Qualität. Trotz Jugendfreigabe (FSK 16) ist die deutsche DVD ungekürzt. Wie bei Splendid gewohnt ist die Synchronisation sehr professionell und angenehm unaufdringlich.








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