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KAPITELWAHL

JOHN UND MARY (USA 1969)

von Björn Lahrmann

Original Titel. JOHN AND MARY
Laufzeit in Minuten. 89

Regie. PETER YATES
Drehbuch. JOHN MORTIMER
Musik. QUINCY JONES
Kamera. GAYNE RESCHER
Schnitt. FRANK P. KELLER
Darsteller. DUSTIN HOFFMAN . MIA FARROW . MICHAEL TOLAN . SUNNY GRIFFIN u.a.

Review Datum. 2014-04-10
Erscheinungsdatum. 2012-11-19
Vertrieb. KSM

Bildformat. 2.35:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 2.0) . ENGLISCH (DD 2.0)
Untertitel. DEUTSCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Stummer Auftakt am Morgen danach: Mary erwacht in Johns Bett; er fake-döst noch einen Moment weiter, stiehlt sich dann heimlich ins Bad, während sie das Apartment inspiziert: Weiträumig, modern, voller sichtbetongrauer Schrägen und Bögen. Ausgestellter Mittelschichtsgeschmack im Bücherregal: "Electric Kool-Aid Acid Test", Norman Mailer, das Guinnessbuch. Feuilletonartikel und Modelfotos der Ex an der Pinnwand. Draußen veilchenblauer Himmel zwischen Wassertürmen: New York, Upper West Side. Unsicheres Terrain für einen One Night Stand.

Eingesprenkelte Rückblenden erzählen, wie sowas überhaupt zustande kommen konnte zwischen Mia Farrow, die mit ihren blassroten Bäckchen immer aussieht wie eine unwillige Schultheaterstatistin, und Dustin Hoffman, der sich am Frühstückstisch als blasiert-belehrender Bioschnösel entpuppt: Eier nur vom Vertrauensbauern, sonst Hormonvergiftung - das war also damals schon Thema. Am Vorabend war John von einem breitmäuligen Pussyhound-Kumpel, Mary von befreundeten Akademikertypen in dieselbe Bar mitgeschleppt worden und hatten sich bei einer fremdschaminduzierenden Debatte über Godards WEEKEND (der Film hält sein Publikum für savvy genug, das nicht konkret benennen zu müssen) kennengelernt: Mary beharrt auf einem irgendwie antikapitalistischen Symbolwert der berühmten Unfallszene, während ihr hornbebrillter Gegenredner mault, vernünftige Filme müssten einen Anfang, eine Mitte und ein Ende haben.

Hat JOHN UND MARY als Kind seiner Zeit, das über die Kinder seiner Zeit nachdenkt, erstmal nicht. Oder tut jedenfalls so: Parallel zum oberflächlichen Geschmackssmalltalk tobt per Voice-Over-Bewusstseinsstrom schon der Kampf ums sexuell wie emotionale Eingemachte ("Mit wie vielen hat er/sie wohl schon geschlafen?", "Welche Absicht verfolgt er/sie mit dieser/jener Reaktion?"). Ein angestrengtes, nur auf strategische Vorteile bedachtes Balzverhalten, etwas läppisch motiviert durch achronologische, subjektiv verzerrte Biografienfetzen: Johns auf Bergarbeiterdemos dauerabwesende Mutter, Marys verheirateter Linkspolitiker-Lover - der übliche Seelenballast halt, der einen empfindlich und vorsichtig macht. Vieles ist zumindest schematisch treffend, wiedererkennbar und nach Art der observational comedy leidlich amüsant.

Man wird aber das Gefühl nicht los, dass das vermeintliche Interesse am Nachzeichnen ideologischer Barrieren - Pseudo-Hippiegirl vs. Prä-Yuppie -, die ganze polyphone Patchworkspielerei auf Bild- und Tonebene vor allem zielgruppenorientiertes Kalkül ist, ein Aufspringen auf den gerade in Gang gekommenen New-Hollywood-Zug. Besetzung, Schauplatz, Gesprächsthemen, alles riecht nach bemüht tagesaktueller Pastiche, und am Ende packt den Film doch noch die Angst vor der eigenen Courage: Dritter Akt aus dem RomCom-Setzkasten, komplett mit Krach aus dem Nichts, FRÜHSTÜCK BEI TIFFANY-artiger Jagd durch die Stadt und unverhältnismäßiger Versöhnung, die jede Traumhochzeit alt aussehen lässt. Ist das schon hipper Sarkasmus oder Rückfall in Papas Erzählstrukturen? Ungefähr wie bei der REIFEPRÜFUNG - einem ähnlich progressiv tuenden, konservativen Relikt von damals - hat die Zeit eine eindeutige Antwort auf diese Frage begraben.

DVD.
Entfällt, da Pressemuster.





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