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KAPITELWAHL

SIN REAPER (Deutschland 2012)

von André Becker

Original Titel. SIN REAPER
Laufzeit in Minuten. 90

Regie. SEBASTIAN BARTOLITIUS
Drehbuch. MATTHIAS HAAG . MANUEL JOHNEN . NICO SENTNER
Musik. CARSTEN BENNINGHOFF
Kamera. MICHAEL ARNIERI
Schnitt. SAMUEL ISRAEL
Darsteller. HELEN MUTCH . LANCE HENRIKSEN . HAZUKI KATO . JENS NIER u.a.

Review Datum. 2014-02-26
Erscheinungsdatum. 2013-10-25
Vertrieb. JUSTBRIDGE ENTERTAINMENT

Bildformat. 1.77:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 2.0) . ENGLISCH (DD 2.0)
Untertitel. keine
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Vielerorts wird gerne mal die Behauptung aufgestellt das die deutsche Filmindustrie das klassische Genrekino im Bereich Horror sträflich vernachlässigt. Das stimmt eigentlich nur bedingt, denn obwohl es Filmemachern hierzulande ziemlich schwer gemacht wird begehrte Fördermittel einzusacken, finden in regelmäßigen Abständen Genrefilme den Weg in die Lichtspielhäuser oder direkt in die Verleih- und Verkaufsregale. Und tatsächlich gibt es unter diesen Werken die eine oder andere Perle zu entdecken. Der 2012 veröffentlichte MASKS von Andreas Marschall verdeutlicht beispielsweise eindrucksvoll das hervorragende Horrorfilme auch in Deutschland (mit vergleichsweise wenig Budget) realisiert werden können. SIN REAPER von Sebastian Bartolitius gehört allerdings definitiv nicht in diese Kategorie.

Seit Kindheitstagen plagen die psychisch labile Samantha (gnadenlos überfordert: Helen Mutch) mysteriöse Visionen, die sich in wilden Zeichnungen manifestieren und ihren Arzt (lustlos: Lance Henriksen) vor immer neue Rätsel stellen. Als der Psychiater entdeckt, dass einige der unheilvollen Bilder frappierende Ähnlichkeit mit einem alten deutschen Kloster aufweisen, ist er überzeugt davon der Ursache für Samanthas alptraumhafte Visionen auf der Spur zu sein. Die junge Frau lässt sich schließlich überreden eine Reise nach Deutschland anzutreten und das Kloster Wallenhausen einmal näher in Augenschein zu nehmen. Nach Besuch einer öffentlichen Führung entscheidet sich Samantha dazu die geheimnisvolle Klosteranlage abseits der normalen Öffnungszeiten aufzusuchen. Zusammen mit mehreren Bekannten macht sie sich auf den Weg die Klostermauern bei Nacht zu erkunden. Ein folgenschwerer Fehler, denn in den Gängen des Klosters treibt ein maskierter Killer sein Unwesen.

Der komplett ohne Medienförderung produzierte Film ist leider eine absolute Totalkatastrophe geworden. Es ist insofern schon ein wenig verwunderlich, dass in den USA das durchaus renommierte Magazin Fangoria den Film exklusiv vertreibt. Das größte Problem der deutschen Produktion ist sicherlich, dass bereits auf der rein formalen Ebene einiges eklatant schief läuft. Kamera und Schnitt wirken holprig und der gesamte Look des Films ähnelt auf fatale Weise einer hastig heruntergenudelten Vorabendserie. Hinzu kommt dass die Darsteller durch die Bank grottenschlechte Leistungen zum Davonlaufen abliefern. Das ist nicht selten unfreiwillig komisch, aber noch öfter einfach nur zum Fremdschämen. Insbesondere die Nebendarsteller agieren jenseits von Gut und Böse und performen wie direkt von der Straße gecastet. Für richtig unterhaltsamen Trash reicht es dann aber doch wieder nicht.

Was als Hommage an die Slasherstreifen der achtziger und neunziger Jahre gedacht war, entpuppt sich schnell als gänzlich spannungsfreie Schlaftablette mit billigen, wenig überzeugenden Make-up-Effekten und einer kaum vorhandenen Dramaturgie. Die Highlights sollen wohl die Auftritte des maskierten Killers sein, nur das diese komplett öde und uninspiriert daherkommen.

Verschenkt ist auch die Location mit der SIN REAPER scheinbar nichts anzufangen weiß. Bis auf wenige Einstellungen bleibt das, zumindest von der Idee her recht reizvolle, Setting vollkommen ungenutzt. Eine mystisch-schaurige Atmosphäre mag sich somit zu keinem Zeitpunkt einstellen. Zugute halten muss man dem Film allerdings, dass die Erscheinung und die Waffe des Killers durchaus gelungen designt sind. Hier braucht sich die deutsche Produktion nicht hinter den Vorbildern verstecken. Aber was nützt das schon, wenn der Rest dermaßen katastrophal (in allen Belangen) ausfällt.

Ein ambitioniert auf die Beine gestelltes Independent-Projekt wie SIN REAPER möchte man ja eigentlich von Herzen lieb haben. Angesichts der offenkundigen Defizite ist das aber auch mit ganz viel Goodwill nicht möglich. Letztendlich bietet der Film selbst für Heavy-User nicht ausreichend Schauwerte. Was bleibt ist die Hoffnung, das in Zukunft wieder mehr Filme der Marke MASKS frischen Wind in das deutsche Genrekino bringen und dadurch mäßige Produktionen wie SIN REAPER umso heller überstrahlen.

DVD.
Die deutsche Veröffentlichung ist sowohl im Verleih als auch im Verkauf als Uncut-Version mit 18er Freigabe erhältlich. Dank guter Bild- und Tonqualität überzeugt der Film zumindest auf der technischen Ebene. Ebenfalls im Handel zu erwerben ist eine 3D-Fassung, die hier allerdings nicht als Rezensionsmuster vorlag.








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