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KAPITELWAHL

HARUKA UND DER ZAUBERSPIEGEL (Japan 2009)

von Alexander Karenovics

Original Titel. HOTTARAKE NO SHIMA: HARUKA TO MAHOU NO KAGAMI
Laufzeit in Minuten. 95

Regie. SHINSUKE SATO
Drehbuch. SHINSUKE SATO . OTSUICHI
Musik. TADASHI UEDA
Kamera. SHINSUKE SATO
Schnitt. TSUYOSHI IMAI
Darsteller. HARUKA AYASE . MIYUKI SAWASHIRO . NAHO TODA . IEMASA KAYUMI u.a.

Review Datum. 2013-10-20
Erscheinungsdatum. 2011-10-28
Vertrieb. I-ON NEW MEDIA

Bildformat. 1.85:1 (1080p)
Tonformat. DEUTSCH (DTS-HD 5.1) . JAPANISCH (DTS-HD 5.1)
Untertitel. DEUTSCH
Norm. PAL
Regional Code. B

FILM.
Manchmal verschwinden Dinge aus unserem Besitz und bleiben trotz emsigen Suchens unauffindbar. Gemeint sind nicht unbedingt die Socken in der Waschmaschine, sondern Haushaltsgegenstände, Memorablia, Wertsachen. Nicht grundlos, wie uns eine japanische Legende lehrt: Wenn wir Menschen persönliche Schätze nicht in Ehren halten, oder sie vergessen, kommen Füchse und stehlen sie. Auf dieser Idee baut HARUKA UND DER ZAUBERSPIEGEL auf, der japanischer Herkunft zum Trotz nicht den bewährten Anime-Weg beschreitet, sondern mit Pixar-Pixeln um Zuschauergunst heischt - und für Upskirt-Shots braucht es nicht zwingend einen Pinsel, die kann man genauso gut programmieren (yep, sie können es nicht lassen). Technisches Neuland betritt der Film mitnichten: der inhaltlich wenig kohärente, exquisit bebilderte Netzhaut-Killer FINAL FANTASY: ADVENT CHILDREN hat in Sachen CGI-Animation die Meßlatte für einheimisch produzierte digitale Träume dermaßen hoch angesetzt, daß ein vor inneren und äußeren Werten strotzendes Knuddel-Epos vom Kaliber TOY STORY daherkommen müßte, um die Krone zurückzuerobern. Davon ist HARUKA weit entfernt.

Zu Beginn rekapituliert der Film die zugrunde liegende Legende im von Hand gezeichneten, charmanten Krakel-Look. Dann sind wir bereits mitten drin in einer High Definition-Rückblende: die 16jährige Haruka erinnert sich an ihre verstorbene Mutter, die ihr am Krankenbett einen Handspiegel schenkte. Es kommt wie es kommen muß: aus dem kleinen Mädchen wird ein Teenager mit ganz eigenen Nöten und Bedürfnissen, der Spiegel modert vergessen in einer Abstellkammer vor sich hin. Bis er eines Tages, zu Harukas großem Bedauern, verschwunden ist. Um den Fuchsgott Inari mit einem Gebet zu besänftigen und vielleicht auf diese Art ihr Andenken zurückzubekommen, bringt sie ihm ein paar Eier als Opfergabe zum Schrein. Dabei beobachtet sie ein scheues Wesen mit einer Maske, folgt ihm tief hinein in den Wald, gelangt so an einen verborgenen Teich, und als sie keck ihren Arm hinein taucht, ergreift sie ein Sog und zieht sie unter Wasser. Kurz darauf erwacht Haruka in einer wundersamen Parallelwelt, die von Fuchsgeistern en majeure partie aus verloren gegangenen Gegenständen aufgebaut wurde.

Spiegel haben magische Kräfte, weiß Teo, eine schusselige Underdog-Kreatur mit Fuchsohren; bereits eine Scherbe vermag tote, unbewegte Gegenstände zum Leben erwecken. Und so macht sich Haruka gemeinsam mit ihrem neuen Freund auf in ein shintoistisch geprägtes Wunderland, auf der Suche nach dem Handspiegel ihrer Mutter - ein aufgrund seiner fantastischen Eigenschaften begehrtes Artefakt in Oblivion Island.

Glasklar und gestochen scharf agieren digitale Protagonisten vor teils gemalten, teils CGI-generierter Szenerie, wirken nicht selten wie unbeholfen animierte Puppen, die in seltsam toten, starren Kulissen umherstaksen. Verkehrte Welt: in BLOOD: THE LAST VAMPIRE, einer technisch beeindruckenden Tech-Demo aus dem Hause Production I.G. (im Jahre 2000) waren es noch gezeichnete 2D-Charaktere, die in gerenderten Umgebungen auftraten und einen wesentlich homogeneren Eindruck hinterließen. Und während bei Pixar, Dreamworks und Co. der Hintergrund ebenso kreativ zum Leben erwacht wie der Vordergrund, dem aufmerksamen Betrachter eine Fülle an Gags und sekundärem Entertainment offenbart, das beim ersten Mal nur aus den Augenwinkeln wahrgenommen wird, dennoch anteilig dazu beiträgt, daß die Welt aus Nullen und Einsen zum Leben erwacht, existiert bei HARUKA ein einziger, schnurgerader Pfad zum Ziel, rechts und links Flora und Zivilisation im gleich scharfen HD bis in die hintersten Winkel ebenmäßig ausgeleuchtet. Detailreich gezeichnet, nicht lieblos, aber leblos und deshalb langweilig. Wie in einem Computerspiel. Einem langweiligen.

Nicht ganz so langweilig wie die technische Präsentation verläuft Harukas abenteuerliche Reise, aber trotz buntem Spektakel und rasanter Verfolgungsjagd will der Funke nicht überspringen; die Charaktere bleiben blass, die Geschichte wurde aus Baukastenelementen zusammengesetzt. Gänzlich hilflos zeigt sich der Film in der Präsentation von magischen Elementen: statt visionärer Imaginationen tritt Zauberei als irrationaler Deus Ex Machina-Effekt in Erscheinung, konzeptlos, ohne integres Fundament. Und wenn Teo seine Fuchsgenossen dazu anleitet, ihm ein Flugzeug zu bauen, mit dem er seiner Menschenfreundin aus der Klemme helfen will, tun diese ihm nicht etwa den Gefallen, weil er an ihr Mitgefühl appelliert, oder sie mit einer mitreißenden Rede von seiner Mission überzeugt hätte, sondern alleinig aus der schnöden Motivation heraus, weil sie dafür bezahlt werden. Eine fragwürdige Botschaft, die man Kids hier mit auf den Weg gibt.

Wer also braucht diesen Film? Oder anders gefragt: wer braucht diese Review? Jene Genossenschaft elitärer Anime-Allesfresser, die sich abends in NEON GENESIS EVANGELION-Bettwäsche kuscheln und jeden gezeichneten Furz zum Christian Dior-Diesel hochstilisieren, einfach weil er aus Japan kommt, bestimmt nicht. Denen genügt Harukas schmollendes Mienenspiel, das so kawaii wie zehn Kätzchenvideos auf Youtube jedes Wohnzimmer in zuckersüßem Muffin-Pink erstrahlen läßt. Auf der Nippon Connection 2010 hat der Film den Publikumspreis abgeräumt - eine dankbare Zielgruppe existiert, so ist nicht. Echte Gourmets digitaler Filmkunst wissen jedoch, daß die Blu-ray von HARUKA UND DER ZAUBERSPIEGEL in ein paar Jahren nicht länger im selben Regal wie TOY STORY, HOW TO TAME YOUR DRAGON oder WRECK-IT-RALPH zu finden, sondern den Weg aller Dinge gegangen sein wird, an die wir aufgrund ihrer "stets bemühten" Mittelmäßigkeit keinen zweiten Gedanken verschwenden - zu den Füchsen.

BLU-RAY.
Mit einer Trailershow und einem 5-minütigen Making Of (das mit seinem gen Null tendierendem Informationsgehalt eher einem Werbevideo gleichkommt) kriegt man keine Blu-ray voll, das Gros des Speichervolumens wird für die optionale 3D-Konvertierung drauf gegangen sein (welche mangels Equipment leider nicht getestet werden konnte). Dann besteht noch die Möglichkeit, den Film in einem Storyboard-Modus ablaufen zu lassen, wobei mir allerdings noch die Person begegnen müßte, die sowas 90 Minuten lang ertragen würde.

1080p, Originalsprache, Synchronisation, Untertitel - Technik-Nerd, was willst du mehr?








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