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KAPITELWAHL

THE HUNTER (Australien 2011)

von Fabian Olbrich

Original Titel. THE HUNTER
Laufzeit in Minuten. 102

Regie. DANIEL NETTHEIM
Drehbuch. ALICE ADISON
Musik. ANDREW LANCASTER
Kamera. ROBERT HUMPHREYS
Schnitt. ROLAND GALLOIS
Darsteller. WILLEM DAFOE . FRANCIS O'CONNOR . SAM NEILL . MORGANA DAVIS u.a.

Review Datum. 2013-06-30
Erscheinungsdatum. 2012-07-24
Vertrieb. ASCOT ELITE

Bildformat. 2.35:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DTS/DD 5.1) . ENGLISCH (DD 5.1)
Untertitel. DEUTSCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Tasmanien. Ein weiteres Stück Land, das irgendwann vom weißen Mann kolonialisiert wurde. Für den Herrschaftsanspruch über das Leben in den Kolonien ist der Tasmanische Tiger zu einem Symbol für Verdrängung und Ausrottung geworden. Doch kaum war das Tier, wie die menschliche Urbevölkerung, verschwunden, mehrten sich Phantomsichtungen. Es wurde zu einem Mythos, der Glaube an sein Überleben, gebiert so auch Hoffnung, dass der Mensch in seinem Wirken doch nicht so endgültig sein kann.

THE HUNTER, entstanden nach dem gleichnamigen Roman von Julia Leigh, schließt zunächst an diesen Unwillen zur Einsicht an. Doch nicht die Geschichte des Tasmanischen Tigers interessiert hier vordergründig, sondern natürlich die des weißen Mannes: seine Befindlichkeiten, sein Seelenleben. Martin (Willem Dafoe), ein Söldner, der für Geld alles beschafft, was von ihm verlangt wird, erhält den Auftrag, das verloren gedachte Tier wieder zu finden. Der ominöse Pharmakonzern "Red Leaf" ist an seinem genetischen Material interessiert. Sobald er ein Exemplar gefunden hat, soll er es in seine Einzelteile zerlegen und in Tüten verpacken. Martin nimmt das Angebot an, schlägt aber den Vorschlag aus, mit einem weiteren Söldner im Team zu arbeiten. Er bleibt Einzelgänger, stoisch und unnahbar.

In Tasmanien angekommen, gibt er sich als Wissenschaftler aus und kommt im Haus seines angegeben Kontaktmannes unter. Doch ist dieser verschwunden, allein seine Frau Lucy liegt von Tabletten sediert im Bett, ihre beiden Kinder Sass und Bike stromern auf sich allein gestellt durchs Haus. Jack Mindy (Sam Neill) besucht ab und zu die Familie, bringt der Mutter Medikamente und den Kindern etwas zu essen. Martin plant von hier aus seine Touren in das weite Land, er streift tagelang durch Wälder, stellt Fallen auf und findet wieder und wieder nichts. Nach seinen einsamen Streifzügen kehrt er in sein provisorisches Heim zurück und übernimmt nach und nach die Rolle des vermissten Vaters ein. Im nahen Dorf stößt er auf Feindseligkeiten der Bewohner, denn sie fürchten, er wird als Wissenschaftler etwas gegen die Abholzung des bereits weitestgehend unter Naturschutz stehenden Waldes unternehmen und ihnen damit ihre Lebensgrundlage entziehen.

Das dem nicht so ist, wird dabei jedem klar, der in Martins Gesicht schaut. Je tiefer er dringt in die spröde Landschaft vordringt, desto mehr verirrt er sich in der Weite der ungezähmten Natur wie seiner wieder entdeckten Gefühlswelt. Dafoes kantiges, rauhes Gesicht fügt sich großartig in die winterlich kalt wirkenden Bilder Tasmaniens. Verloren blickend watet er durch die Einöde, legt sich auf die Lauer und verharrt in tödlicher Stille wie ein Raubtier. Diese Auflösung des einsamen Jägers in der Wildnis wäre ein schöner Ausdruck, bei dem der Film bleiben könnte: ein Portrait des weißen Mannes, der seinen den Verstand bei einer im Grunde unmöglichen Aufgabe zu verlieren droht. Doch leider integriert Regisseur Daniel Nettheim krampfige Thrillerelemente, die der Story einen künstliche Spannungsbogen aufzwingen. So taucht plötzlich der anfänglich Martin als von Kollegen empfohlener Söldner auf, der ohne Skrupel seinen Auftrag zu Ende bringen soll.

So wird aus dem geheimnisvollen Setting einer Reise in die Fremde, die doch nur eine ins Selbst ist, ein bösartige Farce geschnitzt. Unschuldige müssen schließlich sterben, damit Martin durch die Erfahrung des Leids anderer zu seiner zweifelhaften Rolle finden kann. Die Suche nach dem phantomhaften Tier spielt dann nur noch eine marginale Rolle. Solang die westlichen Werte einer auf Nächstenliebe und Familienglück aufbauenden bürgerlichen Gesellschaft wieder ins rechte Lot gerückt sind, kann man die sich aufdrängenden Sinnbezüge von Kolonialismus und Genozid einfach mit ein paar erzwungenen Tränen wegdrücken.

Bis zu einem letzten, unnötigen Twist bleibt der Film aber hochspannend. Allein die Unentschiedenheit von Drehbuch und Regisseur, was denn eigentlich für eine Art von Film hier entstehen soll, lässt einem am Ende doch noch die Hand die Stirne fahren. Was bleibt ist eine auflösbare Spannung zwischen einer tollen One Man Show 'Dafoes vs. Wildnis' und einer unglücklichen Familiengeschichte, die nicht so recht in eine komplex tümelnde Erzählung passen will. Schließlich liegt einmal wieder jener Fälle vor, bei dem aufgedrehte Kinderschauspieler einem renommierten Charakterdarsteller das Ruder aus der Hand zu nehmen drohen. Eine inszenierte Quirligkeit passt einfach nicht zu dieser ironiefreien Grundstimmung. Für Willem Dafoe und Tasmanien Fans ist THE HUNTER dennoch eine Freude.

DVD.
Als Bonus gibt es ein kleines Making-Of mit Informationen zu den Drehorten und darüber, wie Dafoe sich mit den aufgekratzten Kinderschauspielern anfreundete.








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