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KAPITELWAHL

JAGD AUF EINEN UNSICHTBAREN (USA/Frankreich 1992)

von David Leuenberger

Original Titel. MEMOIRS OF AN INVISIBLE MAN
Laufzeit in Minuten. 95

Regie. JOHN CARPENTER
Drehbuch. ROBERT COLLECTOR . DANA OLSEN . WILLIAM GOLDMAN
Musik. SHIRLEY WALKER
Kamera. WILLIAM A. FRAKER
Schnitt. MARION ROTHMAN
Darsteller. CHEVY CHASE . DARYL HANNAH . SAM NEILL . MICHAEL MCKEAN u.a.

Review Datum. 2013-06-21
Erscheinungsdatum. 2012-08-09
Vertrieb. EUROVIDEO

Bildformat. 2.35:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 2.0) . ENGLISCH (DD 2.0)
Untertitel. keine
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Wieder einmal die ganze Nacht durchgesoffen. Wegen einer Frau. Am nächsten Tag mehr tot als lebendig in einer langweiligen Konferenz rumsitzen. Sekundenschlaf. Irgendwo ein ruhiges Plätzchen suchen, um dort wenigstens eine Viertelstunde richtig schlummern zu können... Kennt jeder! Aufwachen und merken, dass das halbe Gebäude verschwunden ist, und man selbst auch gleich mit, ist hingegen außergewöhnlich und höchst beunruhigend. Selbst für einen so coolen Typen wie Nick Halloway.

So ist es, wenn man plötzlich unsichtbar wird. Das hat viele Vorteile und viele Nachteile. Man kann nackt durch die Gegend laufen, ohne wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses verhaftet zu werden, man kann seinen Verfolgern von der CIA etwas leichter entkommen, man kann im Zimmer der Angebeteten verweilen, ohne dass sie es merkt. Das Problem ist allerdings, dass niemand (auch LKW-Fahrer) einen sieht, dass man nichts essen kann, ohne dass der Verdauungstrakt auf unappetitliche Weise sichtbar wird und dass die Logikfehler der Drehbuchautoren im Umgang mit der Unsichtbarkeit etwas stressig sein können.

JAGD AUF EINEN UNSICHTBAREN wurde von der zeitgenössischen Kritik nicht gerade mit Wohlwollen aufgenommen - um es mal ganz vorsichtig auszudrücken. Kritisiert wurde, dass der Klamauker Chevy Chase in einem ernsthaften Film spiele, dass John Carpenter eine Komödie drehe, dass die Liebesgeschichte zwischen Chase und Daryl Hannah unrealistisch und unwahrscheinlich wäre, dass das Drehbuch lahmarschig sei. Bla bla bla.

"Bullshit!" wie Nick Halloway sagen würde. Chevy Chase spielt schließlich gar nicht so schlecht. John Carpenters Debütfilm DARK STAR hat pro Sekunde mehr Humor als jeder Kritiker, der JAGD AUF EINEN UNSICHTBAREN beschissen findet. Wer hingegen eine wahrscheinliche Liebesgeschichte in einem Film verlangt, wo ein Mann unsichtbar wird, braucht sehr dringend psychiatrische Hilfe. Das Drehbuch jagt den Protagonisten atemlos von einem Ort zum nächsten, von einer brenzligen Situation zur nächsten - so etwas galt zu früheren Zeiten noch als spannend. Punkt!

Denn JAGD AUF EINEN UNSICHTBAREN ist ein wunderbarer und kurzweiliger Film, der Thriller-, Science-Fiction- und Komödien-Elemente sehr geschickt miteinander verstrickt. Die Komödien-Elemente entstehen aus der Problematik des Unsichtbarseins. Wie bestellt man sich denn als Unsichtbarer ein Taxi? Indem man einen Betrunkenen für kurze Zeit "entert". Andere Sachen sind nicht so einfach: mit urkomischen Folgen. Das Thriller-Element entsteht aus der Bedrohung für die Hauptfigur, die von einer überaus mordlustigen CIA-Abteilung ausgeht. Hier sei besonders Sam Neill gelobt, der den brutalen CIA-Agenten Jenkins sehr überzeugend, an der Grenze zum Overacting, mit einem Wort grandios spielt. Michael McKean als Halloways bester Freund sieht jedoch sieht so aus, als würde er alljährlich den ersten Preis beim Wettbewerb des besten Tony-Blair-Doubles gewinnen, was wiederum den Komödien-Elementen zu Gute kommt. Und Stephen Tobolowsky sieht man im allgemeinen leider viel zu selten. Die Spezialeffekte sehen in mindestens einem Dutzend Filmen besser aus, sind jedoch trotzdem wirkungsvoll und witzig, wenn man bereit ist, ein minimales Maß an Stilisierung in Kauf zu nehmen.

Ein trivialer Film? Sei‘s drum! Wer doch ein bisschen daran rumkauen will, dem sei folgendes angemerkt: JAGD AUF EINEN UNSICHTBAREN kann auch als Versuch über prekäre Männlichkeit interpretiert werden. Oder trivialer ausgedrückt: über die Angst, keinen mehr hochzukriegen. Warum hat Halloway denn Angst, seine Eier in einer Petri-Schale wiederzufinden (O-Ton) und warum träumt er davon, dass seine Sichtbarkeit wieder hergestellt wurde - bis auf seinen Genitalbereich? Warum droht Jenkins Leute damit, ihre Eier abzureissen und zu braten (O-Ton)? Unsichtbarkeit als Impotenz! Nein? Vielleicht handelt es sich auch um einen Film über Sicherheitswahn und über die Gefahr von Geheimdiensten, die sich jeglicher demokratischen Kontrolle entziehen. Wie Jenkins auf der ganzen Welt, aber auch zu Hause seine Aufträge dadurch zu Ende bringt, dass am Schluss immer jemand aus dem 22. Stock springt oder ein Herzversagen erleidet, macht ihn geradezu zu einer materialisierten Dystopie amoklaufender Sicherheitsorgane. Nein? Auch nicht?

Natürlich: Kunstkino ist etwas anderes! Als Filmeliebhaber kann man sich so richtig sündig, schmutzig und versaut fühlen, diesen überteuerten und manchmal extrem dümmlichen Film gut zu finden. Aber wenn im Cinestar jede Woche ein solch herrlich unterhaltsamer und kurzweiliger Streifen laufen würde, hätte ich schon längst eine Dauerkarte. Da wir gerade bei einer persönlichen Note sind: JAGD AUF EINEN UNSICHTBAREN hat dem Verfasser sogar einmal das Leben gerettet, und zwar als er ihn 1.500 Kilometer östlich von Moskau während einer Fast-Nahtoderfahrung (ergo: schwere Grippe) im russischen Fernsehen sah - und ein wenig Erleichterung von seinen Beschwerden spüren konnte...

DVD.
Ton und Bild sind in Ordnung. Zuschauer mit wenig Affinität zu gesprochenem Englisch werden vielleicht Untertitel vermissen. Extras gibt es keine.








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