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KAPITELWAHL

HOMIES (Deutschland 2011)

von Lutz Granert

Original Titel. HOMIES
Laufzeit in Minuten. 91

Regie. ADNAN KÖSE
Drehbuch. ANDREA KRIEGL . ADNAN KÖSE
Musik. TAI JASON
Kamera. JAMES JACOBS
Schnitt. MANUEL REIDINGER
Darsteller. JIMI BLUE OCHSENKNECHT . SABRINA WILSTERMANN . ISMAIL DENIZ . GÜNTHER KAUFMANN u.a.

Review Datum. 2013-04-19
Erscheinungsdatum. 2012-03-15
Vertrieb. STUDIO CANAL

Bildformat. 1.78:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 5.1/DD 2.0)
Untertitel. DEUTSCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Sozialrealismus im zeitgenössischen deutschen Teenie-Film sieht so aus: Aufmüpfige, Basecap-tragende Halbwüchsige müssen täglich smooth in einer Pizzeria in einem fiesen Viertel mehr chillen als malochen, während sie vom großen Ausbruch träumen. Wie das Viertel aussieht, wie heruntergekommen es sein soll, wie hart das Leben auf der Straße ist, von dem sie trotz perfekten Stylings ständig mit idiotischer Verklärung schwärmen, davon erzählt kein einziges Bild dieses überlangen Werbeclips für Hip Hop-Streetwear. Allein schon der Titel, HOMIES, zeugt von abartig dümmlicher Coolness, die Milchbubi und Hauptchargeur Jimi Blue Ochsenknecht auch in die stets gleich verdattert dreinblickende Visage zementiert wurde.

Marvin (Ochsenknilch) ist nämlich eigentlich ein prolliges Oberschicht-Kind, das sich im vorgelebten Luxus-Leben seiner bürgerlichen Eltern, so gar nicht wohlfühlt und dagegen rebelliert. Also halluziniert er sich tags so sehr in seine feuchten Hip Hop-Star-Träume, gegen welche die geschobenen Filme aller Schizos wie Realität wirken. Nachdem er übel abstürzt, landet er eines Tages eben in besagter Pizzeria unter den Fittichen vom Gangsta-Entrepreneur Osman (Ismael Deniz), der es wie Marvin auch auf das adrette Schnucki Stella (Sabrina Wilstermann) abgesehen hat. Stella will an einer Tanzschule aufgenommen werden und wird vom originalen Detlev D! Soost (in einer Gastrolle) gecoacht, der schnell merkt, dass es ihr anscheinend nicht ernst ist und mangelnde tightness bemängelt.

Natürlich findet Osman Marvins Geheimnis irgendwann raus, nutzt das aus und am Ende muss sich Marvin wieder den verlorenen Respekt und die Anerkennung seiner Homies bei einem Hip Hop-Battle erkämpfen, bei dem Eminem mangels hochklassiger Gegner gelangweilt an der Bassbox gelehnt und sich zynische Rhymes mit "fuck" und "suck" ausgedacht hätte. Ohnehin fehlt es HOMIES schlicht an Würde, um ernst genommen zu werden. Da werden "Crash-Parties" organisiert, wo kein Einrichtungsgegenstand zu Bruch geht, da müssen frisch Volljährige mal wirklich arbeiten und nicht nur faulenzen, aber das ist ja soooo schlimm, denn - der Drehbuchautor gehört erschossen - Marvin meint: "Es kommt nicht darauf an, was man tut oder wo man herkommt. Es kommt nur darauf an, wo man hinwill." Ja - und für alles andere gibt es die Master Card. Oder den inspirierenden Geist des erschossenen Gangsta-Rappers DW Court, mit fetter Ghettonigger-Blingbling-Attitüde gespielt von Günther Kaufmann, der seinem Rollenspektrum damit keinen Gefallen getan hat. Überall sammeln sich stinkende Berge von Klischees an, bevor im Abflussrohr filmischer Dramaturgie auch die letzten Anflüge authentischer Milieuzeichnung nicht mehr von diesen klebrigen Ausscheidungen zu trennen sind.

Und wenn dieses Szenario bis hier allein nicht schon absurd genug wäre, wurden Musical-like auch immer wieder Rap-Passagen hölzern in die Handlung implementiert, die ihre größte Peinlichkeit dann offenbaren, als der blaue Jimi mit Kindern händchenhaltend "Greif nach den Sternen" trällert. Michael Jackson würde Dieter Bohlen, der den Friede-Freude-Eierkuchen-Engagement-Pop ins Land der Dichter und Denker brachte, aus dem Grabe heraus mit dem Sargdeckel eine scheuern. Und dann erinnert man sich wieder an D!, der Stella die berechtigte Frage stellt: "Und warum verschwendest du dann meine Zeit?". Dasselbe fragt sich auch der Zuschauer ob dieses krassen Opfers von einem Zielgruppen-Produkt. Ey Marvin, verpiss dich!

DVD.
Das Bild ist in Ordnung, für die schreckliche Geräuschkulisse des Films kann Studio Canal nichts. Die Extras sind entlarvend. So erlangt man unter der "Entstehung von Szenen"die Gewissheit, dass Jimi Blue Ochsenknecht mit seinem dünnen Stimmchen tatsächlich überhaupt nicht singen kann und Regisseur Adrian Köse zwar viel ausdrücken wollte, aber es aufgrund fehlender Fertigkeiten nicht konnte.








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