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KAPITELWAHL

MURPHYS GESETZ (USA 1986)

von Hasko Baumann

Original Titel. MURPHY'S LAW
Laufzeit in Minuten. 96

Regie. J. LEE THOMPSON
Drehbuch. GAIL MORGAN HICKMAN
Musik. MARC DONAHUE . VALENTINE MCCALLUM
Kamera. ALEX PHILLIPS
Schnitt. PETER LEE THOMPSON
Darsteller. CHARLES BRONSON . KATHLEEN WILHOITE . CARRIE SNODGRESS . RICHARD ROMANUS u.a.

Review Datum. 2012-09-23
Erscheinungsdatum. 2012-06-07
Vertrieb. 20TH CENTURY FOX

Bildformat. 1.85:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 1.0) . ENGLISCH (DD 1.0)
Untertitel. ENGLISCH . FINNISCH . FRANZÖSISCH . NIEDERLÄNDISCH . POLNISCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Murphys Gesetz ist eine der gültigsten Lebensregeln, die das Buch der Menschheit zu bieten hat: Was immer nur schief gehen kann, geht auch schief. Auch im Leben des ausgemergelten Los Angeles-Cops Jack Murphy fallen die Marmeladenstullen ständig auf die bestrichene Seite. Der Mann gurgelt schon morgens mit Fusel, kommt mit fleckigen Krawatten und ungeordneter Frisur zur Arbeit und muß sich ständig von mißgünstigen Kollegen damit ärgern lassen, daß seine Frau ihn verlassen hat und als Stripperin in einer Absteige ihre Möpse dem besoffenen Mob hinstreckt. Abends sitzt er einsam als zahlender Kunde in eben jener Tittenshow und säuft, bis ihn das Personal des Ladens verweist. Traurig. Und dann will auch noch eine eiskalte Psychopathin das, was ihm an traurigem Dasein geblieben ist, aufs Brutalste zerstören: Murphy wird ein Doppelmord angehängt! Um seine Unschuld beweisen zu können, bricht er aus dem Polizeigewahrsam aus und tritt eine spektakuläre Flucht an. Der Clou: Die kodderschnauzige Autodiebin Arabella McGee ist seine unfreiwillige Partnerin auf der Suche nach der Wahrheit, weil sie zufällig mit Handschellen an ihn gekettet auf den Knast wartete.

MURPHYS GESETZ ist neben dem ebenfalls mit Regisseur J. Lee Thompson realisierten KINJITE der beste Film aus Charles Bronsons Schaffenszeit bei Cannon, über die ich mich an dieser Stelle ja schon ausgiebig ausließ. Der altgediente Veteran Thompson inszeniert den rüden Thriller als hartgekochten Erwachsenenfilm mit galligem Humor und rücksichtslosen Gewaltausbrüchen. Bronson, der auf den ersten Blick gewohnt hölzern wirkt, spielt Murphy mit Zurückhaltung als Mann, der wie auf Eiern läuft; der einen Mafiosi im Flughafen über den Haufen schießt und danach zitternd nach der Flasche greift; der die aufkommenden Gefühle seiner Begleiterin Arabella rüde abkanzelt und der immer im falschen Moment das Falsche sagt. Der blaugraue Anzug steht dem alten Mann gut, wenn er durch die nassen Straßen einer ungezügelten urbanen Männerwelt stapft.

Der Film gehört aber, selten genug im Klopperkino der 80er, eigentlich den Frauen. Kathleen Wilhoite fegt durchs Geschehen wie ein schmutzig daherrotzender Derwisch, ungeschönt sexy und nie um eine Vulgarität verlegen; sie gibt ihrer Arabella dennoch die Ahnung von trister Vergangenheit und der Ausweglosigkeit eines jungen, mißbrauchten Lebens. Eine solche Performance macht eigentlich eine junge Schauspielerin zum Superstar; bei Wilhiote hat es leider nur zur Sherry Stringfields nerviger Schwester Chloe in ER gereicht. Die eigentliche Sensation ist aber Carrie Snodgress als Killer-Lady: Wie Snodgress ihre durchtrainierte Attraktivität hinter faltigen Lippen versteckt, die sie bei ihren brutalen Morden mit genießerischem Sadismus zu schürzen versteht, wie sie geile Männer mit bloßen Händen ersäuft oder mit der Doppelläufigen von den Krücken schießt und wie sie sich als ultimativ lebensgefährliche Psychopathin mit glasklarer Selbsterkenntnis outet ("Die hätten mich niemals rauslassen sollen. Ich bin nämlich wirklich verrückt") - das muß man gesehen haben.

Das gewiefte Drehbuch Gail Morgan Hickmans schickt Murphy zunächst auf die falsche Fährte und lässt ihn neben der rachdurstigen Verrückten auch noch einen Top-Gangster und die von ihm geschmierten Cops gegen sich aufbringen, so daß sich zum gloriosen Finale im immer wieder schön anzusehenden Brentwood Building ein zünftiger Body Count versammelt. Wenn die Pump Guns leergeschossen sind und die Äxte geschwungen, darf Kathleen Wilhoite sogar noch mit Inbrunst den Titelsong "Murphy's Law" singen. Ein Film, den ich seit dem Kinobesuch 1986 bestimmt zehn Mal gesehen habe und auch immer wieder sehen möchte. Ein Lieblingsfilm.

DVD.
Statt der verstümmelten VHS-Fassung bietet die Actiion Cult-DVD die ungeschnittene Version, die es aber auch schon von MGM zu sehen gab. Leider hat sich ansonsten nichts verbessert: Der deutsche Ton lässt schwer zu Wünschen übrig, und ein etwas klareres, schärferes Bild hätte Thompsons Film auch verdient. Die deutsche Synchro ist übrigens ausgesprochen gelungen, wenn auch Arabellas Schimpfkanonaden damals schon vergleichsweise schlapp, heute aber komplett überholt klingen ("Nasenbär", "Dinosaurierfurz"). Eine Veröffentlichung aus der Kategorie "besser als gar nicht".








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