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KAPITELWAHL

A LONELY PLACE TO DIE - TODESFALLE HIGHLANDS (Großbritannien 2011)

von Benjamin Hahn

Original Titel. A LONELY PLACE TO DIE
Laufzeit in Minuten. 95

Regie. JULIAN GILBEY
Drehbuch. JULIAN GILBEY . WILL GILBEY
Musik. MICHAEL RICHARD PLOWMAN
Kamera. ALI ASAD
Schnitt. JULIAN GILBEY . WILL GILBEY
Darsteller. MELISSA GEORGE . ED SPELEERS . EAMONN WALKER . SEAN HARRIS u.a.

Review Datum. 2012-09-08
Erscheinungsdatum. 2012-01-17
Vertrieb. ASCOT ELITE

Bildformat. 2.35:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DTS/DD 5.1) . ENGLISCH (DD 5.1)
Untertitel. DEUTSCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Hätte Luis Trenker Horrorfilme gedreht, sie hätten vielleicht genauso so ausgesehen wie A LONELY PLACE TO DIE - TODESFALLE HIGHLANDS: Eingebettet in wunderschöne Naturaufnahmen erzählt Regisseur Julian Gilbey die Geschichte einer Gruppe von Bergsteigern, die aus Versehen über das Versteck eines entführten Mädchens stolpern und dadurch zwischen die Fronten geraten. Was folgt ist ein relativ klassisches Katz-und-Maus-Spiel, dessen einzig wirklicher Überraschungswert wohl in der dramaturgischen Kaltblütigkeit des Drehbuchs von Julian und seinem Bruder Will Gilbey liegt, die ihre Charaktere ziemlich flott und ohne Vorwarnung über die Klinge springen lassen.

Okay, zugegeben: Überraschend ist auch, dass hier zumindest auf den ersten Blick mal nicht die klassischen Horrorfilmprotagonisten nacheinander das Zeitliche segnen, sondern ganz gewöhnliche Menschen. Es gibt weder eine nymphomanische Blondine, die als erste unter die Räder kommt, noch den Sportler und Liebling aller Mädchen, der einen besonders schmerzhaften Tod stirbt. Und selbst in den Reihen der Killer gibt es zwar den leicht hinterwäldlerisch wirkenden Bären, aber sogar der darf sich hier von einer wenig redneck-haften Seite zeigen. So kommt die Reihenfolge des Ablebens dann auch ziemlich willkürlich und damit eben der Situation auch voll und ganz angemessen daher - auch wenn angesichts eines Blicks auf die Darstellerliste schon von Anfang an klar, welche "großen Namen" es zumindest noch bis ins Finale schaffen werden.

Doch wie immer bei solchen Filmen, bricht auch A LONELY PLACE TO DIE - TODESFALLE HIGHLANDS bei genauerer Betrachtung in sich zusammen. Der Eindruck, es träfe hier den netten Bergsteiger und seine Kumpels von nebenan, rührt schlichtweg daher dass sich die beiden Gilbey-Brüder bei dem Verfassen ihres Drehbuchs so absolut gar keine Mühe mit irgendwelchen Charakterisierungen gegeben haben und selbst für die Klischeekiste zu faul waren. Lediglich Melissa George und Ed Speleers, die beiden Stars des Films, bekommen noch irgendwie geschärfte Rollenprofile. Der ganze Rest der Bagage wird indes so oberflächlich gezeichnet, dass man die einzelnen Rollen kaum auseinanderhalten kann und sie für eine einzige wabernde Masse von wandelndem Kanonenfutter hält. So ist es auch kein Wunder, dass man hier Klischeefreiheit verspürt, wären doch selbst diese den beiden Brüdern zu viel kreativer Aufwand gewesen.

Der eigentliche Fokus (und damit die gesamte kreative Leistung) nämlich, das muss man bei den Filmen von Julian Gilbey wissen, liegt abermals auf irgendwelchen harten Gangstern, die sich in coolen Posen gegenseitig mit Blei vollpumpen. Ja, in der Tat: Gilbey ist dieser Wichsvorlage pubertierender Jungs so verfallen, dass er sie sogar in einen Bergsteiger-Thriller im schottischen Hochland einbaut. Wer jetzt denkt, dass das reichlich albern ist, der liegt damit ziemlich richtig - zumal sich die Gilbeys nicht einmal die Mühe machen, das alles irgendwie näher zu erläutern oder eine Art komplexer Geschichte aufzubauen. Man hat sich halt einfach mit den falschen angelegt. Bumm, Aus.

Während also der Film mit ein paar wirklichen tollen Einstellungen beginnt, beklemmend und atmosphärisch dicht mit einem Entführungsszenario mitten in der Einöde einer Bergregion spielt und dann eine atemlose und - trotz aller eher unglaubwürdigen Wendungen - gut inszenierte Menschenjagd auf die Leinwand bringt, bricht er mit der Einführung wichtiger Figuren etwa zur Mitte seiner Laufzeit auf einmal radikal ein und wird zum stereotypen Gangsterfilm mit großen Knarren, Kriegsverbrechern und einem lässigen Schwarzen. Dass der Score an der Stelle nicht auch noch das SHAFT-Theme spielt, ist eigentlich ein regelrechtes Wunder.

A LONELY PLACE TO DIE - TODESFALLE HIGHLANDS kann sich schlichtweg nicht entscheiden: Bergfilm, Hetzjagd, Gangster-Vehikel und mittendrin noch ein bisschen Ablenkung mit einer Prise THE WICKER MAN. Die Mischung kann zwar stellenweise unterhalten, aber am Ende hätte man sich doch lieber ein in sich konsistenteres Drehbuch und etwas mehr Einfallsreichtum gewünscht. Nein, Luis Trenker hätte niemals einen Film wie diesen gedreht. Seine Filme hatten doch weitaus mehr Substanz.

DVD.
Bild und Ton sind in Ordnung. Die "Extras" bestehen aus einer Reihe von Trailern.








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