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KAPITELWAHL

FREUNDE MIT GEWISSEN VORZÜGEN (USA 2011)

von Hasko Baumann

Original Titel. FRIENDS WITH BENEFITS
Laufzeit in Minuten. 105

Regie. WILL GLUCK
Drehbuch. KEITH MERRYMAN . DAVID A. NEWMAN . WILL GLUCK
Musik. diverse
Kamera. MICHAEL GRADY
Schnitt. TIA NOLAN
Darsteller. JUSTIN TIMBERLAKE . MILA KUNIS . WOODY HARRELSON . PATRICIA CLARKSON u.a.

Review Datum. 2012-07-04
Erscheinungsdatum. 2012-01-26
Vertrieb. SONY PICTURES

Bildformat. 2.40:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 5.1) . ENGLISCH (DD 5.1) . FRANZÖSISCH (DD 5.1)
Untertitel. DEUTSCH . ENGLISCH . ARABISCH . DÄNISCH . NIEDERLÄNDISCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Wer nicht mit Mitte 20 schon in die Kinder-Auto-Haus-Doppelgarage-Falle getappt ist, hat es garantiert schon mal ausprobiert: Einfach nur fröhliches Fummeln mit einem Menschen, der einem gefällt. Alles ohne jegliche Reglementierungen einer handelsüblichen Beziehung, eben runter mit dem ganzen überflüssigen Fett und einfach nur rein und raus aus der Kiste. Wer das probiert hat, weiß aber auch, daß es so gut wie nie - oder zumindest nicht lange - funktioniert, weil grundsätzlich mindestens einer dabei Gefühle entwickelt (für gewöhnlich wirklich nur einer), der Mann Besitzansprüche zu stellen beginnt oder die Frau "den Richtigen" kennenlernt. Auch in Hollywood hat man diese bei frommen Christen (offiziell) verpönte Variante des zwischenmenschlichen Miteinanders für sich entdeckt und gleich zwei Komödien zu diesem Thema ins Rennen geschickt. Zuerst kam Ivan Reitmans NO STRINGS ATTACHED, der uns unglücklicherweise unterjubelte, die schlaue Natalie Portman liesse sich ausgerechnet vom Laffel Ashton Kutcher domestizieren. Gleich danach versuchten es nun Justin Timberlake und Mila Kunis miteinander, in einem mit dem schönen amerikanischen Idiom FRIENDS WITH BENEFITS (vgl. auch "Fuck Buddies") betitelten Film.

Timberlake ist superhipper Blogger in Los Angeles, Mila Kunis superschicke Headhunterin in New York; als sie ihn für den Posten des Art Directors bei der GQ abwirbt, beginnt der Himmel über Manhattan zu knistern. Abgegessen von jüngst danebengegangenen Beziehungsversuchen (Timberlake sagt sich noch vorm Vorspann von der mal wieder unerträglich grimassierenden Emma Stone los), versucht man miteinander das Modell "Wir verstehen uns gut, laß uns einfach vögeln und sonst nix" auf die Beine zu stellen. Natürlich ist das nicht so einfach, man schaut sich irgendwann doch zu tief in die Augen und die schöne Sexblase platzt.

Ein ausgesucht schön gedrehter Film mit ausgesucht schönen Menschen ist das, der sich zu keiner Zeit auf eine Ebene mit seinen Zuschauern stellt. Stattdessen wird eine Blubberblasenwelt gezeigt mit erfolgreichen jungen Leuten in unfaßbar schönen, unbezahlbaren Wohnungen, die nur von einer sehr überschaubaren Zahl an Menschen aufgesucht werden (Mutter oder Vater, Freunde gibt es mal wieder keine zu sehen). Wenn Kunis ihrem Gast "ihr" New York schmackhaft machen will, bekommt man natürlich genau das Touri-Bild von einer immer wachen Stadt voller fröhlicher Flashmobber serviert, das der handelsübliche Doofus von New York eben hat (und das im Grunde mittlerweile auch dieser Plastik-Metropole für konsumgeile höhere Töchter entspricht). Als Timberlake mit Kunis zu seinen Eltern nach Los Angeles fährt, sind die beiden zu Gast in einem Strandhaus am Meer, wo man fröhlich direkt von der Terrasse in die Fluten springt; Eskapismus auf Kosten von Realismus, ohne Rücksicht auf Verluste. Dabei gibt sich FREUNDE MIT GEWISSEN VORZÜGEN ansonsten ausgesprochen modern, mit jeder Menge iPad-Gags und Fotobeweisen auf Mobiltelefonen; der Film gibt sich sogar oberschlau postmodern, wenn Witze auf Kosten von RomCom-Queen Katherine Heigl gemacht werden, im Fernsehen BOB & CAROL & TED & ALICE läuft oder Timberlake an einer Stelle sehr treffend die Berechenbarkeit von Musik in Liebeskomödien entlarvt und parodiert. Es wird vorgegaukelt (oder sogar versucht?), auf einer Meta-Ebene das Erwartbare zu umgehen, um dann doch wieder alles genau so zu machen wie immer.

FREUNDE MIT GEWISSEN VORZÜGEN war in den deutschen Kinos ein großer Erfolg, was zum einen sicherlich am Besuch des Hauptdarstellerduos in der Promotionmaschine "Wetten, daß" gelegen hat, zum anderen aber auch an den unbestreitbaren Qualitäten des Films. Timberlake und besonders Kunis sind toll, sie sind vor allem toll zusammen; die Dialoge sind schnell und schlau, der Sex verhältnismäßig unverklemmt. Das so schlimm Fremdschämige an diesem Genre, die Mischung aus albernem Gekreische und überzuckertem Sentiment, vermeidet Regisseur Will Gluck (EASY Arecht erfolgreich, auch dank schön unverblümter Nebenfiguren wie Patricia Clarkson als Kunis' Mutter und Woody Harrelson als aggressiv schwulem Sportredakteur. Aber wie immer wird's im letzten Drittel ernst, das Paar driftet auseinander, Richard Jenkins als Timberlakes Vater hat Alzheimer (scheint die neue Modekrankheit in Hollywood zu sein) und liefert pflichtschuldig die übliche, sehr ärgerliche Ich-bin-dement-und-das-ist-auch-gut-so-Nummer ab. Timberlake muß Kunis zurückgewinnen, Bootsfahrt auf dem Hudson, Flashmob, Knutschen, Ende. Der Film wirft alles über Bord, was ihn bis dahin so goutierbar machte und spult das übliche Programm ab, streng nach Vorschrift. Schade eigentlich.

DVD.
Technisch ausgezeichnet, das Bild erfreut mit satten Farben und schön dicken Schwarzwerten. Die Synchro ist okay, wenn auch in weiten Teilen mal wieder zu überspannt. Extras: Ein Audiokommentar mit Timberlake, Kunis und Gluck, in dem meistens herumgealbert wird und den man dementsprechend lustig oder anstrengend finden kann (die Untertitel dazu übersetzen übrigens "Running Gag" mit "Laufwitz"). Das recht amüsante Gag Reel zeigt besonders Harrelsons ulkig Seiten, und die geschnittenen Szenen sind hauptsächlich interessant, weil sie den Film unbotmäßig schrill gemacht hätten.








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