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KAPITELWAHL

DIE KUNST ZU GEWINNEN - MONEYBALL (USA 2011)

von Hasko Baumann

Original Titel. MONEYBALL
Laufzeit in Minuten. 128

Regie. BENNETT MILLER
Drehbuch. STEVEN ZAILLIAN . AARON SORKIN
Musik. MYCHAEL DANNA
Kamera. WALLY PFISTER
Schnitt. CHRISTOPHER TELLEFSEN
Darsteller. BRAD PITT . JONAH HILL . PHILIP SEYMOUR HOFFMAN . ROBIN WRIGHT u.a.

Review Datum. 2012-06-19
Erscheinungsdatum. 2012-06-21
Vertrieb. SONY PICTURES

Bildformat. 1.85:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 5.1) . ENGLISCH (DD 5.1)
Untertitel. DEUTSCH . ENGLISCH . SPANISCH . TÜRKISCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Um das kleine Wunder namens DIE KUNST ZU GEWINNEN - MONEYBALL tatsächlich beschreiben zu können, möchte ich zwei Männer zitieren. Der eine ist mein Mitherausgeber Thorsten Hanisch, der andere ist George Clooney.

Zunächst also Thorsten Hanisch. Der hat kürzlich sinngemäß gesagt: "Mir ist es mittlerweile egal, ob Kino, Fernsehen, Direct-to-DVD oder sonstwas; ich will einfach nur was Gutes sehen." Und MONEYBALL ist genau das. Einfach gut. Sehr, sehr gut. In den deutschen Kinos ist der Film katastrophal abgesoffen, weil allein die Erwähnung des Wortes "Baseball" hier schon für leere Säle sorgt. Dabei ist es im Grunde völlig egal, daß es in MONEYBALL um Baseball geht und nicht ums Häkeln, Pizzabacken oder Segway-Rennen: Der Film ist einfach nur gut, irrsinnig gut.

Klar, man kann DIE KUNST ZU GEWINNEN - MONEYBALL die Authentizität absprechen, weil er sich seine "wahre Geschichte" doch etwas zurechtmogelt. So war die Hauptfigur Billy Beane, der sein glückloses Baseballteam "Oakland Athletics" mittels brandneuer Strategie vor dem totalen Absturz retten will, in Wirklichkeit gar nicht der erste, der dies mit Spielerstatistiken zu erreichen versuchte: Auch sein Vorgänger arbeitete schon mit dem computergestützten Statistikverfahren "Sabermetrics". Und Beanes Assistent Paul De Podesta empfand sich als im Drehbuch so verzerrt dargestellt, daß sein filmisches Alter Ego nun Peter Brand heißt.

Das spielt aber nicht wirklich eine Rolle, denn in der Essenz ist DIE KUNST ZU GEWINNEN - MONEYBALL die Quadratur des Kreises: Ein Sportfilm, der fast ohne Sportszenen auskommt. Es geht wirklich um Strategie, um den Mut, gegen alle Widerstände etwas Neues zu probieren und die - in jedem Lebensbereich als quasi unüberwindbar bekannten - über Jahrzehnte eingefahrenen Abläufe aufzubrechen. Das klingt nach nichts, ist aber alles. Die Könnerschaft von Steven Zaillian und Aaron Sorkin, zwei der besten Autoren Hollywoods, macht den Verzicht auf heldenhafte Konfrontationen auf dem Spielfeld erst möglich. Was sich hier in schmucklosen Büros und verschwitzten Spielerkabinen abspielt, findet seine Stärke im gesprochenen Wort, in natürlich gespielten Dialogszenen, bei denen sich Akteure auch ins Wort fallen dürfen; nicht künstlich zugespitzt, nicht über Gebühr verdichtet, stattdessen immer glaubwürdig und echt. Es gibt eine Sequenz, in der Beane (Brad Pitt) und Brand (Jonah Hill) ihre Spieler tauschen und verschachern, ein Taktieren an zwei Telefonen, spontane Entscheidungen auf ihrer Seite und erahnte Reaktionen am anderen Ende; nur das, zwei Schauspieler, zwei Telefonhörer und ein Büro, unerhört spannend und amüsant, besser geht es eigentlich gar nicht.

Womit wir zu George Clooney kommen. Der hat nämlich bei der Verleihung der Golden Globes, mit seinem eigenen Preis für THE DESCENDANTS in der Hand, seinen Konkurrenten Pitt für dessen ebenfalls nominierte Leistung in MONEYBALL gelobt mit den Worten: "I couldn't do what you did." Das ist wahr. Denn Brad Pitt ist mittlerweile so sicher in seinem Spiel, so entspannt und echt; er steht da, wo Redford in den 70ern angekommen war - beide, gleichermaßen, lange Jahre mißtrauisch beäugt und unterschätzt aufgrund ihrer unverschämten Attraktivität, dann aber mit den ersten Falten gesegnet, angejahrt, voller Charakter, verschmitzt und nur noch im richtigen Moment eitel. Pitt sieht müde aus in MONEYBALL, macht dicke Backen, schnalzt mit der Zunge, spielt wie einer, den keine Kamera beobachtet und wirkt nicht zuletzt deshalb so total wahrhaftig.

Regisseur Bennett Miller (CAPOTE) besinnt sich auf seine Stärken als Dokumentarfilmer und lässt Kamera-As Wally Pfister die schönsten Bilder wie beiläufig finden, lässt ihn manchmal nur beobachten und bleibt da, wo was passiert, und nicht da, wo man normalerweise hinschneidet, weil es so aussieht, als würde was passieren. Unter seiner Ägide findet sich ein Vollprofi wie Philip Seymour Hoffman ebenso zurecht wie der bisher hauptsächlich unansehnlich fette Witzbold Jonah Hill, der hier durchaus seine Momente hat. All diese Männer sorgen dafür, daß DIE KUNST ZU GEWINNEN - MONEYBALL einen niemals loslässt, ein echter Triumph der klassischen Tugenden des klassischen Erzählfilms ist dieses kleine Wunder, an dessen Ende vielleicht kein sportlicher, dafür aber ein menschlicher Triumph steht.

DVD.
Bild und besonders der grandios abgemischte Ton sind erstklassig. Die Synchronisation ist ordentlich, obwohl ich mir nie so sicher bin, ob Pitts langjähriger Sprecher Tobias Meister wirklich die beste Wahl war. Die Extras sind gehobener Standard: Eine einzige Szene, in der Pitt sich partout nicht aus einem Lachanfall befreien kann, ist lustiger als so manches Gag Reel; der Beitrag über den echten Billy Beane bleibt zwar auf Making Of-Niveau, ist aber dennoch interessant; das Making Of ist dann eben ein Making Of, und die entfallenen Szenen bieten besonders in der ursprünglichen Version der Schlußphase des Films durchaus erhellende Momente. Eine rundum empfehlenswerte Veröffentlichung.








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