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KAPITELWAHL

KABOOM (USA/Frankreich 2010)

von Lutz Granert

Original Titel. KABOOM
Laufzeit in Minuten. 83

Regie. GREGG ARAKI
Drehbuch. GREGG ARAKI
Musik. ROBIN GUTHRIE . VIVEK MADDALA . MARK PETERS . ULRICH SCHNAUSS
Kamera. SANDRA VALDE-HANSEN
Schnitt. GREGG ARAKI
Darsteller. THOMAS DEKKER . HAYLEY BENNETT . CHRIS ZYLKA . JAMES DUVAL u.a.

Review Datum. 2011-12-20
Erscheinungsdatum. 2011-10-28
Vertrieb. UNIVERSUM FILM

Bildformat. 2.35:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 5.1) . ENGLISCH (DD 5.1)
Untertitel. DEUTSCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Roland Emmerich und Michael Bay kann man als die Fachmänner bezeichnen, wenn es um die filmische Inszenierung des Weltuntergangs geht. Ob der Planet von kilometerhohen Wellen überschwemmt wird oder Killer-Roboter auf der Erde einen Krieg um Ressourcen austragen: Stets stand zu beeindruckenden SFX und einer tosenden Klangkulisse die Zukunft der Menschheit auf dem Spiel.

Bei Gregg Araki, in dessen Oeuvre bezeichnender Weise eine Teenage Apocalypse Trilogy zu finden ist, kommt der Weltuntergang in Form einer untergehenden Gesellschaft ungleich subtiler daher. Es geht um die Verunsicherung einer homo- oder bisexuellen Generation X, welcher gesellschaftliche Ächtung und mangelnde Toleranz ebenso entgegen schlägt, wie sie die Sehnsucht nach feststehenden, zuverlässigen Werten im Leben umtreibt. Der Reflex, diesen Missständen entgegen zu treten, ist in seinen Filmen die Mystifizierung des scheinbar unausweichlichen Exodus. Anzeichen für den Untergang der Welt, eher individuell als global, sind bei Araki zahlreich vorhanden. Sei es der Schlusspunkt der Reise eines HIV-positiven, schwulen Liebespaars in THE LIVING END, die ominöse Alien-Invasion in NOWHERE, das Trauma eines Missbrauchten in MYSTERIOUS SKIN oder die Weltverschwörung einer Sekte in KABOOM.

Der frisch gebackene Smith (Thomas Dekker) hat gerade sein Studium der Filmwissenschaften begonnen. Sich seiner Sexualität noch nicht sicher, hat er sich in seinen Mitbewohner, den strohdoofen Surfer Thor (Chris Zylka) verknallt. Dabei lässt ihn ein wiederkehrender Traum nicht locker. Darin läuft einen hellen Flur entlang, gesäumt von zwei attraktiven Frauen. Er gelangt zu einer Tür mit der Nummer 19, öffnet diese und findet dahinter einen roten Müllcontainer. Bald stellt sich heraus, dass mehr dahinter steckt, als ein Mädchen spurlos verschwindet und er von Männern mit Tiermasken gejagt wird, die einer einflussreichen Sekte angehören, welche den Weltuntergang plant.

Regisseur, Drehbuchautor und Cutter Gregg Araki spielt dabei mit den Stereotypen des College-Films, nur um sie dann genüsslich zu unterlaufen. Schneller Sex findet zwischen Hetero- und Homosexuellen statt, der dummbrotige Mitbewohner Thor entpuppt sich als Sektenmitglied, der stereotype Kiffer-Hiwi Messias (besetzt mit Arakis langjährigen Weggefährten James Duval ) benutzt seine chillige Attitüde nur zur Tarnung. Die Handlung wird zunehmend absurd, die Bedrohung durch die Sekte nimmt immer weiter zu. KABOOM neigt dabei zum Wahnsinn und zur Absurdität, konfrontiert sein Publikum mit unwirklichen Szenen, in denen hohe Farbsättigung, für amerikanische Verhältnisse freizügiger Sex, der aufgeweichte Dualismus zwischen Traum und Realität und Protagonisten mit übermenschlichen Kräften einher gehen. Und über allem schwebt die Angst vor der Apokalypse, gleichsam vom Ende der Welt wie vom Tod des Mediums Kino.

KABOOM ist dabei trotz pointierter Sex-Dialoge nicht Arakis bester Film, weil er abseits seines ungleich höheren Budgets und seiner farbenfroheren Bilder die inhaltlichen Botschaften, die er in seinen vorangegangenen Filme transportierte (die unsägliche Kifferkomödie SMILEY FACE einmal ausgenommen) hinten anstellt. Die erfrischend inszenierte, spannende Suche nach einer eigenen, auch sexuellen Identität verliert sich zuweilen in Film-Zitaten und der platten, aber witzigen Demontage von Klischees des College-Films. Das Sinnbild der Apokalypse für die unabwendbare individuelle Unfreiheit in einer depravierenden Gesellschaft zieht sich zurück auf eine metaphorische Ebene, die nur noch mit paranormalen Elementen und Epiphanien auf einer vage assoziativen Ebene hantiert. Schade, dass Araki den Weltuntergang doch als ein solch absurdes Brimborium wie die eingangs erwähnten Kollegen vollzieht, nachdem er ihn in mehr als 20 Jahren seines Schaffens immer wieder subtil anzudeuten vermochte.

DVD.
Für einen solch diskussionswürdigen Film hätte man sich fernab eines Trailers mehr Bonusmaterial gewünscht. Doch: Fehlanzeige. Das Bild ist dafür scharf und der Ton solide.








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