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KAPITELWAHL

CIRCUS DER VAMPIRE (Großbritannien 1972)

von Hasko Baumann

Original Titel. VAMPIRE CIRCUS
Laufzeit in Minuten. 84

Regie. ROBERT YOUNG
Drehbuch. JUDSON KINBERG
Musik. DAVID WHITAKER
Kamera. MORAY GRANT
Schnitt. PETER MUSGRAVE
Darsteller. ADRIENNE CORR . LAURENCE PAYNE . JOHN MOULDER BROWN . THORLEY WALTERS u.a.

Review Datum. 2011-10-31
Erscheinungsdatum. 2011-05-06
Vertrieb. KOCH MEDIA

Bildformat. 1.66:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 2.0) . ENGLISCH (DD 2.0)
Untertitel. keine
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Anfang der 70er Jahre musste man sich bei den traditionsreichen Hammer Studios schon etwas einfallen lassen, um mit der erheblich saftigeren Konkurrenz mithalten zu können. Die etwas angestaubten viktorianischen Gruselmärchen brauchten, da gab es kein Vertun, mehr Sex und mehr Blut; überhaupt einfach mehr Wagnisse, generell eben das, was das Genre Horror so mannigfaltig erlaubt. Der CIRCUS DER VAMPIRE, enstanden unter neuer Studiochef-Ägide und unter der Regie von Robert Young (FIERCE CREATURES), vereint in der Tat all das bereits in seinem über zehnminütigen Prolog.

Eine junge Frau lockt ein kleines Mädchen in das Schloß des geheimnisvollen Grafen Mitterhaus. Der distinguierte Gentleman entpuppt sich flugs als rücksichtsloser Blutsauger und befriedigt seine Gier an dem Kind, während die junge Frau zusieht und dadurch erkennbar in Erregung versetzt wird. Sie hat daraufhin Sex mit dem Vampir. Ihr Mann stürmt mit anderen Dorfbewohnern das Schloß; es gelingt ihnen trotz erheblicher Verluste, den Grafen zu pfählen. Die junge Frau, offenbar dem Bösen komplett verfallen, wird ausgepeitscht, bis sie zurück ins Schloß flieht und dort das Blut ihrer Wunden über den gepfählten Vampir ergießt. Das Schloß geht vor den Augen des gepeinigten Ehemannes in Flammen auf.

Es ist weniger die erstaunliche Blutrunst, mit der der CIRCUS DER VAMPIRE sein Programm einläutet, sondern vielmehr die deutliche Thematisierung von pervertierter Sexualität und devoter Hörigkeit - schon immer sujetimmanente Eckpunkte im fiktionalisierten Vamprismus - die Zeugnis über die Modernisierung bei Hammer ablegt. Ein fraglos starker Prolog, dessen Versprechen der Film im Folgenden leider nicht immer einzuhalten vermag. Der Graf verflucht das Dorf noch im Tode, und in der Tat, 15 Jahre später erleben wir es in desolatem Zustand. Die Pest hat es abgegrenzt vom Rest der Welt, keiner darf raus, kaum jemand kommt rein. Eines Tages zieht ein Zirkus, angeführt von einem Zwerg und einer Zigeunerin, in die Stadt ein, und der Fluch des Grafen scheint sich zu bewahrheiten. Dabei machen weder die Helfer des Grafen noch der Film irgendwelche Gefangenen: Weitere Kinder werden getötet, Halsschlagadern ausgesaugt und eine komplette Familie von Zirkuspanther in Stücke gerissen. Ein herabfallendes Holzkreuz durchbohrt eine Vampirin, und im gloriosen Finish darf sich der Böse von seinem Haupte verabschieden, weil sich die Rübe ungünstig in einer Armbrust verkeilt hat.

CIRCUS DER VAMPIRE ist fraglos originell und einfallsreich, hat aber mit dramaturgischen und inszenatorischen Schwächen zu kämpfen. Weil der Film die Gut gegen Böse-Konstellation als "Dorf gegen Zirkus" begreift, gibt es seitens der "Guten" einfach zu viele Figuren, aus denen sich keine als Identifikation ausgesucht wird. Damit schaut man den zugegebenermaßen bunten Treiben eher teilnahmslos zu, was auf Kosten der Spannung geht. Desweiteren hat Robert Young zwar den einen oder anderen visuellen Einfall (wenn etwa die Artisten sich in Zeitlupe in den Nachthimmel schrauben), nutzt aber das schier endlose surreale Potenzial des Settings zu keiner Zeit voll aus. Da sich auch schauspielerisch niemand besonders hervortut - außer dem angemessen exzentrischen Anthony Corlan und einem jungen Dave "Darth Vader" Prowse als Muskelprotz finden sich keine Stars in der Manege - verschmerzt man die vergebenen Chancen nie so ganz. CIRCUS DER VAMPIRE ist trotz allem ein beunruhigender Grusler, der hier und da mal gezielt um sich tritt; seinem guten Ruf wird er aber nicht so ganz gerecht.

DVD.
Auf Koch Media ist Verlaß: Schönes (leicht gelbstichiges Bild), guter Ton. Im ersten Drittel sind mittig gelbe Flimmerflecken zu beklagen, die sich aber bald wieder verabschieden. Die deutsche Synchro ist exzellent und, weil besser gespielt, dem Originalton vielleicht sogar vorzuziehen. Die DVD kommt im schicken Schuber, der Einleger der Amray-Hülle wurde mit Schwarzweiß-Aushangfotos bestückt. Ein 16seitiges Booklet erfreut mit reichlich Informationen, einem Interview mit Moulder-Brown und der Liste der Synchronsprecher. Auf der DVD selbst findet sich der Trailer und eine wunderbare Bildergalerie mit Plakatmotiven aus aller Welt. Bravo!








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