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KAPITELWAHL

PAPER MAN (USA 2009)

von Florian Lieb

Original Titel. PAPER MAN
Laufzeit in Minuten. 106

Regie. MICHELE MULRONEY . KIERAN MULRONEY
Drehbuch. MICHELE MULRONEY . KIERAN MULRONEY
Musik. MARK MCADAM
Kamera. EIGIL BRYLD
Schnitt. SAM SEIG
Darsteller. JEFF DANIELS . EMMA STONE . RYAN REYNOLDS . LISA KUDROW u.a.

Review Datum. 2011-10-30
Erscheinungsdatum. 2011-06-10
Vertrieb. KOCH MEDIA

Bildformat. 1.77:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DTS/DD 5.1) . ENGLISCH (DTS/DD 5.1)
Untertitel. DEUTSCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
In PAPER MAN spielt Emma Stone gerne ein Spiel. Es heißt "Würdest du lieber..." und soll Charakteristika zum Vorschein bringen, indem eine Person vor die Wahl zweier Entscheidungen gestellt wird. Im Fall von dieses Films wurde das Ensemble vermutlich vor Produktionsbeginn gefragt: würdet ihr lieber in diesem Film mitspielen und einen Gehaltsscheck kriegen oder nicht? So erklärt sich zumindest, warum der zwar geschätzte, aber bei Hollywoods A-Liga nicht sonderlich gefragte Jeff Daniels einen erfolglosen Schriftsteller gibt, der nicht mal einen Namen für seine neue Hauptfigur findet. Von Lisa Kudrow ganz zu schweigen, die seit ihrer FRIENDS-Ära dankbar ist, überhaupt Drehbücher zu erhalten. Emma Stone dürfte die Chance für einen weiblichen Lead-Part ergriffen haben, ehe sie im vergangenen Jahr mit EINFACH ZU HABEN durchstartete und nun das love interest im SPIDER-MAN-Remake gibt. Und Ryan Reynolds? Der hat sich mit dem Regisseur-Paar angefreundet und wohl deswegen zugesagt.

So wie man weiß, warum die Darsteller also in PAPER MAN mitspielen, kann man es sich auch bei den Mulroneys denken. Dass es fünf Jahre gedauert hat, ehe ihr Film umgesetzt werden konnte, ist nicht gerade ein Anzeichen dafür, dass jemand sonderlich großes Vertrauen in das Projekt hatte. Dabei ist PAPER MAN kein schlechter Film. Nur eben auch kein Guter. Was sicherlich kein Verbrechen ist, angesichts der immensen Flut an Filmen pro Jahr, Monat und Woche. Nur ist es auch kein Überzeugungsargument, warum man sich nun ausgerechnet diesen Film ansehen sollte. Denn die Mulroneys spulen hier das 0815-Indie-Programm ab. Daniels' Schriftsteller ist ein großes Kind, der sich selbst einen Babysitter bestellt und dessen Frau ihn im Restaurant füttert. Er hat einen erfolglosen Roman geschrieben und seltsamerweise dennoch einen Vertrag für ein Nachfolgewerk erhalten. Die Ehe mit seiner Frau, einer erfolgreichen Chirurgin, läuft suboptimal. Was aber keine Rolle spielt, da man für die Figuren kein Gespür bekommt.

Aber die Geschichte der Mulroneys lebt von ihren Figuren. Das wird dadurch deutlich, dass es einen Randaspekt der Handlung gibt, der ungemein interessant ist, für den sich die Autoren jedoch nicht interessieren. Denn die Figur von Jeff Daniels hat einen imaginären Freund, Captain Excellent, gespielt von Ryan Reynolds als blondierte Superman-Karikatur. Seit der Grundschule hilft Captain Excellent aus - nur ist das jetzt schon vierzig Jahre her. Doch der imaginäre - und scheinbar einzige - Freund kommt nicht über seinen comic relief stiftenden Sidekick-Status ("Ich spüre Gefahr!") hinaus. Mehr Dynamik hat da schon Kieran Culkin, der als verknallter Emo dieselbe Rolle für Emma Stones Traumageplagten Teenager gibt. Natürlich freunden sich Daniels und Stone an, da zwei Figuren, die keinen Platz in der Gesellschaft finden, sich wie Magneten anziehen, um sich gegenseitig aufzubauen. In der besten Szene des Films schlafen die beiden Hauptdarsteller auf dem Sofa und ihre imaginären Freunde beobachten sie aus dem Dunkeln.

Hier liegt das Rezept eines guten Films. Einerseits Captain Excellent, seit 40 Jahren treu ergebener Selbstbewusstseins-Booster, der eigentlich nur endlich weg will, von diesem groß gewordenen Baby. Andererseits Emma Stones Emo-Verehrer, der an sich nichts lieber will, als dass sie für immer nur ihm gehört - beziehungsweise umgekehrt. Die Freundschaft zweier kaputter Menschen, die sich gegenseitig aufrichten, hat Sundance - in dessen Werkstatt PAPER MAN entwickelt wurde - schon zur Genüge ausgekotzt. Die wahre Dynamik liegt in den Beziehungen der Hauptfiguren zu ihren imaginären Freunden, wenn sich Daniels Ausreden für seine Frau von Reynolds soufflieren lässt und Stone schuldbewusst bei Treffen mit ihrem misogynen Boyfriend den Blickkontakt mit Culkin sucht. Und noch interessanter als das Innenleben dieser 0815-Figuren wäre eine Geschichte aus dem Blickwinkel der Fantasy-Buddys gewesen. Eine Art Dramagewürztes DIE MONSTER AG als Realfilm für Erwachsene.

Stattdessen ist PAPER MAN ein Film der Marke "Meh" geworden, mit zwar sympathischen Figuren, dem Herz am rechten Fleck, aber keiner rechten Seele. Schauspielerisch darf Reynolds ein wenig kaspern, Daniels ein wenig peinlich blödeln und Stone ein wenig...ja, schauspielern. So ganz mit Tränen und so. Und das wäre einem als Zuschauer nicht mal egal, wenn ihre Figur interessanter wäre. Nur ist sie das leider nicht, nicht mal in den Momenten, in denen das Publikum das traurige Trauma endlich aufgedröselt bekommt, da dieses die Figur nicht erklärt, weil sie aus dem Drehbuch-Handbuch kommt, dass jeder Pseudo-Schreiberling in Hollywood erhält, wenn er aus dem Bus aus Loserville, Iowa steigt. Oder um den Dreh zum Einstieg zu finden: Würdest ihr lieber rund zehn Euro abdrücken, um diesen durchschnittlichen Film zu kaufen oder das Geld stattdessen für etwas Gescheites ausgeben?

DVD.
Das Bild ist klar, auch über den Ton lässt sich nicht meckern. Was das Bonusmaterial angeht, gibt es nicht nur den deutschen, sondern sogar den englischen Trailer! Außerdem ein unnützes Making Of, in dem die Darsteller ihre Figuren erklären (was vor dem Film spoilern würde und nach dem Film sinnlos ist). Bei der Synchronisation verzichtete Bronson Entertainment undankenswerter Weise auf die üblichen Synchronsprecher der Darsteller, was einen bei Jeff Daniels besonders Wolfgang Condrus, aber auch Dennis Schmidt-Foß und Anja Stadlober bei Reynolds und Stone vermissen lässt.








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