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KAPITELWAHL

ALLES ERLAUBT - EINE WOCHE OHNE REGELN (USA 2011)

von Hasko Baumann

Original Titel. HALL PASS
Laufzeit in Minuten. 101

Regie. PETER FARRELLY . BOBBY FARRELLY
Drehbuch. KEVIN BARNETT . BOBBY FARRELLY . PETER FARRELLY . PETE JONES
Musik. diverse
Kamera. MATTHEW F. LEONETTI
Schnitt. SAM SEIG
Darsteller. OWEN WILSON . JASON SUDEIKIS . JENNA FISCHER . CHRISTINA APPLEGATE u.a.

Review Datum. 2011-08-12
Erscheinungsdatum. 2011-07-15
Vertrieb. WARNER HOME VIDEO

Bildformat. 2.40:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 5.1) . ENGLISCH (DD 5.1) . SPANISCH (DD 5.1)
Untertitel. DEUTSCH . ENGLISCH . DÄNISCH . FINNISCH . SPANISCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
"Das hab ich mir nicht so vorgestellt, als ich geheiratet habe. Dass ich mir noch einen runterholen müsste. Ich dachte, das sei so ein Teenager-Ding." ALLES ERLAUBT - EINE WOCHE OHNE REGELN sorgt schon frühzeitig für Fremdscham und ungläubiges Kopfschütteln, selbst nach den furchtbaren Erfahrungen, die man in den letzten Jahren mit US-Komödien machen musste. Ist doch wirklich nicht zu fassen, was für ein Weltbild die Amis da auf uns runterkübeln. Das Röcheln setzt schon beim ersten Blick auf die Hauptdarsteller ein: Owen Wilson - der solchen Blödsinn mittlerweile buchstäblich im Schlaf spielt - ruft seinen Dackelblick dieses Mal mit unmöglich schmiergescheitelten Haaren und karierten Kurzarmhemden ab, Jason Sudeikis hat auch Brisk als Frisierhilfe wiederentdeckt und überfordert die Augen mit groben Karos auf dem Sakko. An ihrer Seite die immer etwas trantütige THE OFFICE-Veteranin Jenna Fischer und eine reizende Christina Applegate, beide in hübschen Kleidern und mühevoll aufgemuscheltem Haar. Die zwei Männer leiden natürlich unter dem Mangel an Sex in der Ehe, kommen aber nicht darauf, dass sie vielleicht selber einfach zu scheiße aussehen könnten.

Die Rettung kommt, wie neuerdings bei Hollywoods denkfaulen Autoren üblich, wie Kai aus der Kiste: Eine befreundete Psychologin rät den genervten Ehefrauen, ihren sexgeilen Typen einen einwöchigen Freifahrtschein auszustellen; eine Woche also, in der sie agieren können wie Singles, ohne moralische Verpflichtungen und ganz dem Willen des ungenutzten Lümmels in den Bermuda-Shorts verschrieben. Wilson und Sudeikis sind völlig aus dem Häuschen, Frauen und Kinder verziehen sich in einen Kurzurlaub und lassen vergnügungssüchtige Kerls zurück, denen - auch dies in amerikanischen Comedies üblich - in Form der Pokerkumpels eine Reihe von Komikern an die Seite gestellt wird. Im Folgenden unterscheidet sich ALLES ERLAUBT zumindest in einer Sache von den unerträglichen Adam Sandler-Auswürfen der letzten Zeit: Der Film amüsiert sich über die Unfähigkeit seiner Protagonisten, findet hier und da einen gewissen Witz in ihrer Ratlosigkeit darüber, was nun eigentlich mit der temporären Freiheit anzufangen ist und beobachtet das Scheitern ohne falsche Sympathie, während die Frauen im Exil mühelos aufblühen und die Männer um den Finger wickeln. Für 200.000 Dollar hat man sich sogar die charakteristischen Trenner mit dem prägnanten Da-Dum-Sound von "Las & Order" ausgeliehen, um Tag für Tag zu erzählen.

Zum Ende hin können aber auch die ehedem so herrlich boshaften Farrelly-Brüder die Finger einfach nicht von der Moralkeule lassen (eine letzter Rest der einstigen Versautheit bäumt sich auf, wenn erstaunlich lange ein erstaunlich langer schwarzer Pimmel ins Bild hängt). Sie behaupten sogar eine gewisse Anziehungskraft, die von Wilson in seinem Hawaiihemd auf junge heisse Dinger ausgeht und stellen schlußendlich den Verzicht als Mass aller Dinge in den Mittelpunkt. Der Tiefpunkt ist dieses Mal jedoch ein anderer: Als Wilson in einem Kaffeeladen eine viel zu junge und viel zu schöne Angestelle angraben will, amüsiert sich ihr Kollege zu Recht über die Peinlichkeit der Anmache. Das Drehbuch gibt Wilson ausgerechnet hier seinen grossen Moment, wenn er den Jungen massregelt: "Irgendwann ist das Geld alle, das Dir Deine Eltern für den beschissenen Avantgarde-Kurzfilm gegeben haben, und dann brauchst Du einen Job. Und Leute wie ich stellen Leute ein. Aber nicht Punks wie Dich. Also reiß Dich zusammen." Das ist kein cooler Auftritt, das ist eine zutiefst konservative Haltung, und ausgerechnet diese macht Wilson für die attraktive Bedienung interessant. HALL PASS, eine weitere reaktionäre Alberei aus Hollywood, zwar dieses Mal mit etwas geringerem Brechreizfaktor als vergleichbarer Müll, aber leider mit kaum hörerem Mehrwert. Allerdings erlaubt er sich noch einen kleinen Nachklapp mit Stephen Merchant im Abspann, der lustiger als alles Vorangegangene ist und so den Gesamteindruck geschickt nach oben verzerrt.

DVD.
Bild und Ton sind erwartungsgemäss hervorragend. Die Synchronisation ist erstaunlich gut gelungen; Philip Moogs angenehme Stimme ist ein sehr erträglicher Ersatz für Wilsons nasal-verschlafenes Genöle. Bonus: Eine - recht lange - entfallene Szene, die Richard Jenkins' Figur etwas vertieft, ist zu sehen; die ist ganz lustig und hätte im Film auch nicht gestört.








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