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KAPITELWAHL

TOMORROW, WHEN THE WAR BEGAN (Australien 2010)

von Hasko Baumann

Original Titel. TOMORROW, WHEN THE WAR BEGAN
Laufzeit in Minuten. 100

Regie. STUART BEATTIE
Drehbuch. JOHN MARSDEN . STUART BEATTIE
Musik. REINHOLD HEIL . JOHNNY KLIMEK
Kamera. BEN NOTT
Schnitt. MARCUS D'ARCY
Darsteller. RACHEL HURD-WOOD . ASHLEIGH CUMMINGS . CHRIS PANG . DENIZ AKENIZ u.a.

Review Datum. 2011-08-12
Erscheinungsdatum. 2011-05-27
Vertrieb. SPLENDID

Bildformat. 2.35:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 5.1) . ENGLISCH (DD 5.1)
Untertitel. DEUTSCH . NIEDERLÄNDISCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Sieben australische Teenager kehren nach einem Campingtrip in ihren Heimatort zurück, nur um festzustellen, dass dubiose Armeen ihr Land überfallen haben und ihre Familien in Lagern festhalten. Die Kids beschliessen nach anfänglicher Verunsicherung, den Kampf gegen die Invasoren selbst in die Hand zu nehmen. Klingt irgendwie vertraut? Verständlich. Wenn wir nämlich TOMORROW, WHEN THE WAR BEGAN irgendetwas zu verdanken haben, dann den Beweis, wie gut John Milius' RED DAWN wirklich war. Von vielen als protofaschistische Mobilmachungspropaganda bekrittelt, zeigte die Militärfantasterei von Milius anhand einer Gruppe von Jugendlichen doch recht deutlich die nachhaltige Entmenschlichung des Individuums in einer Kriegssituation. Seine Teenager rieben sich in den ihnen unvertrauten Kampfhandlungen auf, wurden Opfer von Vergewaltigung, Verstümmelung und Wahnsinn und klammerten sich, den Verlust von Autorität des Elternhauses nur notdürftig überkommend, an die Lebenshoffnung in der Vaterlandsliebe. Milius' Film erlaubte sich nebenbei sogar eine ambivalente Figur unter den Invasoren. Kein Wunder also, dass RED DAWN nach wie vor in den Köpfen nachhallt.

TOMORROW, WHEN THE WAR BEGAN hat nichts davon. Die zumindest in Sachen Budget ambitionierte australische Produktion verlässt sich mit ihren Kosten von 27 Mio. einheimischer Dollars auf die Popularität der Buchvorlage. John Marsdens Jugendbuchserie, deren erster Teil dem Film seinen Namen gibt, wurde vielfach preisgekrönt und zum millionenfachen Verkaufsschlager, gilt aber durchaus auch als "lachhaft" (Total Film). Letzteres Attribut findet sich definitiv in der Verfilmung wieder. Die grösstenteils sehr fotogenen Teenies erfüllen Stück für Stück jedes abgegriffene Klischee, von "verwöhnte Stadtgöre" über "Bauerntochter" bis zum "unangepassten Witzbold ohne Geld". Die Dialoge zwischen diesen dem Zuschauer herzlich egalen Kids wechseln sich ab mit laut auf witzlose Montagen gebügeltem Indie-Rock oder machen Platz für abgedroschene Gags (einer guckt einem Mädchen beim Ausziehen zu und wird dann umgerannt etc.). Wenn die Situation vom fröhlichen Feriengefummel zum drohenden Kriegsgetümmel kippt, kommt es zur einsamen eindrücklichen Sequenz des Films, wenn nämlich zahllose Kampfjets über die Camper hinweg donnern - aber der Schein trügt, im Folgenden geht es noch dümmer weiter als zuvor.

Die Angreifer entpuppen sich als verschlagene, gesichtslose Asiaten, die in einer Fantasiesprache daherbrabbeln und die Stadtbewohner in wenig bedrohlich anmutenden Käfigen halten. Kein Problem für unsere smarten Superkids, die sich ohne jeden Moment des Zögerns, die geringste Überlegung oder gar sowas wie Training zu waffenstarrenden Untergrundkämpfern in sexy schwarz mausern. Wie so etwas geht? Keine Ahnung. In der einzig erwähnenswerten Actionsequenz, einer durchaus druckvollen Verfolgungsjagd zwischen Truck und einer Art Dragster-Jeeps, finden die Girls auch noch Platz für ein paar lahme Gags am Steuer, während die gesichtslosen Asiaten in ihren explodierenden Fahrzeugen jämmerlich verenden. Die Szene, die diesem unerträglich blöden Erbauungsfilmchen die Krone aufsetzt, kommt aber erst gegen Ende: Die Pazifistin der Gruppe, eine strikt Gewalt ablehnende Pastorentochter, entschließt sich doch noch zum Griff zur Waffe und pumpt in einem offenbar als Menschwerdung zu verstehenden Kraftakt drei gesichtslose Asiaten mit Blei voll. Hurra, schreit da auch die durchgängig abscheuliche Bumsfallera-Musik von Klimek & Heil, und dann ist die Chose auch schon vorbei, Abspann, Teil 2 kann kommen. Ob das wirklich so schnell passieren wird, scheint fraglich; zwar entwickelte sich TOMORROW, WHEN THE WAR BEGAN 2010 zur erfolgreichsten nationalen Produktion an den australischen Kinokassen, doch dabei kam trotzdem nicht einmal das Budget wieder rein. Ich möchte jedenfalls keinen weiteren derartig glatten und widerlichen Müll ertragen müssen, vielen Dank.

DVD.
Making Of, entfallene Szenen, alternatives Ende, Interviews - klingt viel, bringt aber wenig. Die Synchro ist recht kompetent, Bild und Ton sind in Ordnung.








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