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KAPITELWAHL

MEIN (Deutschland 2009)

von Hasko Baumann

Original Titel. MEIN
Laufzeit in Minuten. 104

Regie. DETLEF BOTHE
Drehbuch. DETLEF BOTHE
Musik. STEFAN SCHULZKI
Kamera. HOLGER FEIG
Schnitt. MARKUS HERM
Darsteller. LENI WESSELMANN . DETLEF BOTHE . RAFFAELE BONAZZA . DOMINIC RAACKE u.a.

Review Datum. 2011-08-03
Erscheinungsdatum. 2011-06-24
Vertrieb. GOOD IDEA FILMS

Bildformat. 1.78:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 2.0)
Untertitel. ENGLISCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Der vornehmlich als Schauspieler tätige Filmemacher Detlef Bothe hat MEIN quasi im Alleingang und in der bewussten Verweigerung dem deutschen Filmförderungssystem gegenüber selbst produziert. Er hat dafür auch eine ganze Menge überaus wohlwollende Rezensionen erhalten, ja geradezu Lobpreisungen eingefahren. So empfahlen etwa der "Tagesspiegel" und die "Süddeutsche Zeitung" wortreich den Film, die formalen Schwächen gegenüber seit je her recht blinden Kollegen vom "Schnitt" sahen grosses Geschick beim Regisseur. Überhaupt, ob nun in Stadtmagazinen, Lokal- oder Tageszeitungen und der Fachpresse, man war sich einig; hier liegt ein "erschreckendes" oder "intensives" Werk vor, "verstörend" und "nicht für schwache Nerven".

Es tut mir manchmal leid, der Partypuper zu sein. Was masse ich mir an, hier ein offenbar mit Herzblut aus der Taufe gehobenes Ein-Mann-Unternehmen zu bekritteln? Ein Film, auf den offenbar zumindest die Feuilletons gewartet zu haben scheinen - und der all jene erfreut, die deutschsprachige Filme per se total doof finden (zumeist sind das die Leute, die DER RÄUBER oder IM SCHATTEN gar nicht erst angesehen haben)? Wer bin ich, um zu sagen, au weia, das war nix?

Doch was soll ich machen? Wenn schon in den ersten Minuten des Films die Mundwinkel gen Fußboden sacken, als eine hakelige Montage sich mit unentschiedenen Einstellungen paart und ein recht rüder Schnitt von einer, na sagen wir es mal freundlich, etwas nachlässigen Tonmischung zusätzlich verstolpert wird? Wenn ein älterer Herr und eine sehr junge Frau steif Dialogzeilen proklamieren, als würde sich die Freiwillige Feuerwehr Pusemuckel an einer Theateraufführung versuchen? Wenn dann noch der geschätzte Dominic Raacke wie Kai aus der Kiste als muffig-mysteriöser Campingplatzwart an den Wohnwagen des undurchsichtigen Alter Mann-Junge Frau-Paares herantritt, ein bißchen mysteriös herummuffelt und dann wieder in der Kiste verschwindet?

Maggie ist 21, Klaus ist 45. Die beiden machen offenbar gemeinsam Urlaub mit dem Campingmobil, sind wohl ein Liebespaar, wer weiß. Vielleicht auch nicht. Klaus ist sehr herrisch, Maggie sehr unterwürfig. Klaus knallt Maggie auch gern mal eine. Wenn er sie beschläft, ist sie teilnahmslos; Klaus nimmt sich aber auch brutal, was er braucht, wenn Maggie mal nicht will. Maggie verletzt sich vorsätzlich unter der Dusche. Klaus hat Alpträume von seiner dominanten Mutter. Schließlich lernt Maggie einen jungen Mann kennen, der ihr allen Ernstes den Don Giovanni vorträllert. Danach wird's wüst: Der junge Mann findet Maggie zu seltsam und bumst lieber seine Freundin, während Maggie daneben steht und fragt "Was macht Ihr da?", was aber die Freundin nicht stört, die sich ungerührt weiterbumsen lässt. Das Kopfkratzen über solche Szenen (oder auch die, in der Don Giovanni mit Freundin und Mutti im Wohnwagen besoffen Lieder grölt) lenken vielleicht den einen oder anderen von der Frage nach der wahren Natur der Beziehung von Maggie und Klaus ab, aber letztlich kampuscht es doch überdeutlich ums Eck. Am Ende wird der Hammer rausgeholt und mit albernen "Platsch"-Soundeffekten die eine oder andere Rübe kaputtgehauen.

Was möglicherweise - Ansätze sind anfangs durchaus vorhanden - die Studie einer finsteren Psychose hätte werden können, mündet in ein lumpiges Krimifinale mit Polizisten direkt aus dem Bauerntheater. Hauptdarstellerin Leni Wesselman allerdings gelingt nach anfänglichen Startschwierigkeiten das Kunststück, das Opferlamm nicht nur mit der erwartbar verhuschten Schönheit, sondern auch einer hinter der verletzlichen Oberfläche aufbegehrenden Sexualität zu versehen. Man würde diese Frau gern häufiger bestaunen. Regisseur Bothe selbst gibt den Klaus mit einer doch sehr deutschen, stoischen Darstellung zwischen Kontrolle und Verunsicherung. Natja Brunckhorst sagt auch mal kurz "Hallo", man ist diese Gastauftritte aus ambitionierten Amateurfilmen gewohnt. Natürlich ist MEIN nicht auf deren Niveau anzusiedeln, aber ich kann es nicht ändern - meinen Qualitätsansprüchen genügt dieser Film einfach nicht. Es tut mir leid.

DVD.
Bild und Ton sind für die HD Cam-Bilder, die einen natürlich eh nicht gerade vom Hocker hauen, schon okay. Extras gibt es keine - so sehr hat Bothe der Film wohl doch nicht am Herz gelegen, sonst hätte er sich in einem Audiokommentar nochmal äussern können. Finde ich.








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