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KAPITELWAHL

GARDEN OF SINNERS - FILM 3: VERBLIEBENER SINN FÜR SCHMERZ (Japan 2008)

von Andreas Neuenkirchen

Original Titel. GEKIJOBAN KARA NO KYOKAI: DAI SAN SHO - TSUKAKU ZANRYU
Laufzeit in Minuten. 56

Regie. MITSURU OBUNAI
Drehbuch. MASAKI HIRAMATSU
Musik. YUKI KAJIURA
Kamera. SEIJI MATSUDA . YUICHI TERAO
Schnitt. nicht bekannt
Darsteller. MAAYA SAKAMOTO . KENICHI SUZUMURA . TAKAKO HONDA . MAMIKO NOTO u.a.

Review Datum. 2011-07-23
Erscheinungsdatum. 2011-01-28
Vertrieb. KAZÉ

Bildformat. 1.77:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 5.1/DD 2.0) . JAPANISCH (DD 5.1/DD 2.0)
Untertitel. DEUTSCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Auch wenn der Verdacht nahe liegt: Der gestelzte Titel von GARDEN OF SINNERS FILM 3: VERBLIEBENER SINN FÜR SCHMERZ ist kein bloßer Emo-Kitsch, sondern wird von der Filmhandlung mit konkreter Bedeutung aufgeladen (vom Verdikt der Gestelztheit spricht ihn das selbstverständlich nicht frei). Die Schülerin Fujino Asagami hat selbst kein Schmerzempfinden, dafür aber die Fähigkeit, Anderen kraft ihrer Gedanken Schmerzen zuzufügen. Nach einer Vergewaltigung zerfetzt sie ihre Angreifer. Das ruft die ähnlich übersinnlich begabte Shiki auf den Plan, die diese Art von Selbstjustiz in ihrer Stadt nicht dulden kann und Fujino umbringen möchte. Das wiederum passt Shikis leicht tapsigen Freund Mikiya nicht, dessen Beschützerinstinkt von der süßen Fujino geweckt wird.

Von den bisherigen Filmen der Reihe ist GARDEN OF SINNERS - FILM 3: VERBLIEBENER SINN FÜR SCHMERZ der, der am ehesten als eigenständiges Werk mit Anfang und Ende gesehen werden kann. Das liegt daran, dass ein Großteil des Augenmerks auf der Figur der Fujino liegt, die hier neu in die Geschichte kommt und so noch ein wenig ahnungsloser ist als der Zuschauer, der sich bereits durch die wirre Chronologie und verwirrende Psychologie der ersten beiden Filme gearbeitet hat. Gemeinsam mit Fujino kommt man dem komplexen Geflecht von Figuren und Geschehnissen näher. Noch dazu wird diese Figur im Rahmen einer klassischen Rachegeschichte eingeführt, in der sie die Sympathien als Täter werdendes Opfer schnell (und vielleicht ein bisschen billig) auf ihre Seite zieht. Ist somit der dritte Film ein besserer Einstieg in die Serie als Teil 1 oder 2? Als jemand, der von den ersten Filmen genauso verwirrt wie angetan war, ist man versucht zu bejahen. Aber das könnte ein Trugschluss sein. Schließlich hat man inzwischen doch schon ein gewisses Vorwissen angesammelt und sich emotional eingerichtet. Vielleicht mehr, als man dachte.

Auf jeden Fall gelingt dem Film etwas, was viele Animes versuchen oder zumindest behaupten, aber keiner jemals hinbekommt: Er zeigt Vergewaltigung ohne Voyeurismus. Es geht in den entsprechenden Szenen tatsächlich nur darum, das Leid der Figur so würdig wie möglich und so deutlich wie nötig darzustellen, ohne im fragwürdigsten aller denkbaren Momente hintenrum niedere Zuschauertriebe zu befriedigen. Dieser Versuchung konnte nicht mal der hochgelobte PERFECT BLUE des eigentlich zu Recht sakrosankten Satoshi Kon wiederstehen. GARDEN OF SINNERS kann's. An anderer Stelle scheut er sich derweil nicht, niedere Triebe zu befriedigen. Wenn Fujino auf Rachefeldzug geht, ist der Splatter gut ins Bild gerückt. Dabei ist selbst die explizite Gewaltdarstellung kein reiner Selbstzweck. Der körperliche Schmerz ist Verbildlichung des seelischen Schmerzes, psychologische Entwicklungen manifestieren sich in körperlichen Veränderungen. So ist GARDEN OF SINNERS - FILM 3: VERBLIEBENER SINN FÜR SCHMERZ dem Body-Horror-Subgenre zuzuordnen, falls man ohne Zuordnung nicht schlafen kann. Aber eigentlich bleibt GARDEN OF SINNERS auch mit dem dritten Film eine ganz eigene Spezies, irgendwo zwischen esoterischem Gruselkrimi und entschleunigter, moralisch ambivalenter Superhelden-Dresche ohne alberne Kostüme.

DVD.
Weil es schon zweimal passte und auch bei der dritten DVD nicht unwahr wird, noch einmal Office-Anwendungen-Spaß mit Kopieren & Einfügen:
Einen Film, der nicht mal eine Stunde läuft, ohne Extras zum üblichen Anime-Halsabschneider-Vollpreis zu verkaufen, ist schon reichlich frech. Immerhin ist die Verpackung so liebevoll gestaltet, dass sie auch das Herz von Menschen erweicht, die sich eigentlich gefeit gegen alle Sammler-Sentimentalitäten wähnen. Außerdem liegt der gelungene Soundtrack als halbstündige Audio-CD bei, die man auch ohne Bilder gut mal hören kann.
Bonus-Info: Vor jedem GARDEN OF SINNERS-Film gibt es einen mahnenden Spot über im Kinosaal zu unterlassende Unsitten mit den Protagonisten aus der Reihe. Ist eigentlich kein Extra, gehört nicht unbedingt zum Film, ist aber bizarr, brutal und liebenswert genug, um lobend erwähnt zu werden.








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