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KAPITELWAHL

THE INFORMERS (USA 2008)

von Andreas Neuenkirchen

Original Titel. THE INFORMERS
Laufzeit in Minuten. 98

Regie. GREGOR JORDAN
Drehbuch. BRET EASTON ELLIS . NICHOLAS JARECKI
Musik. CHRISTOPHER YOUNG
Kamera. PETRA KORNER
Schnitt. ROBERT BRAKEY
Darsteller. MICKEY ROURKE . KIM BASINGER . BILLY BOB THORNTON . CHRIS ISAAK u.a.

Review Datum. 2011-04-27
Erscheinungsdatum. 2011-04-08
Vertrieb. UNIVERSUM FILM

Bildformat. 2.35:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 5.1) . ENGLISCH (DD 5.1)
Untertitel. DEUTSCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Wenn man den alten Mickey Rourke und die alte Kim Basinger gemeinsam in einem neuen Film hat, muss man erst mal so blöd sein, ihnen keine gemeinsame Szene zu geben. Leider ist THE INFORMERS so blöd, und dann noch eine ganze Ecke blöder. So blöd, dass Bret Easton Ellis, Autor der literarischen Vorlage und des ursprünglichen Drehbuchs, sich nicht nur weitgehend von dem Film distanziert hat, sondern sich auch noch in seinem aktuellen Roman über ihn und seine Macher lustig macht. Leider kulminiert die Blödheit aber nicht in einem grandiosen, dekadenten Scheitern, das vielleicht hintenrum wieder eines Ellis würdig gewesen wäre, sondern verpufft einfach in einem eher belanglosen als ärgerlichen Filmchen, das keinerlei Spuren hinterlassen wird. Zum Glück, wird sich die durchweg hochkarätige Besetzung wohl sagen.

THE INFORMERS erzählt von einigen Dingen, die in einer Woche im Los Angeles des Jahres 1983 so passieren. Ein Rockstar macht mit Drogen und Minderjährigen rum und hat voll die existenzielle Krise, Alter. Ein Filmproduzent hat eine Affäre mit einer Fernsehmoderatorin, seine Frau ist auch nicht ganz treu. Ein Gangster entführt Kinder und fragt nicht weiter nach dem Warum. Ein paar Teenager haben Sex, manche zu viel, andere zu wenig. Ein Portier möchte lieber Schauspieler sein.

In diesem Film kommen keine Vampire vor. Das muss ja nicht generell schlecht sein, aber hier ist es zumindest ungewöhnlich, denn im zugrundeliegenden Kurzgeschichtenzyklus, und dem Vernehmen nach auch in Ellis‘ Drehbuch, kamen durchaus welche vor. Regisseur Gregor Jordan, der mit ARMY GO HOME! ein geringfügig glücklicheres Händchen beim Literaturverfilmen bewies, mochte den Vampirkram nicht und hat ihn rausgeschmissen. Was ihn stattdessen an diesem Stoff angesprochen hat, ist nicht klar auszumachen. Robert Altmans SHORT CUTS sei sein Vorbild gewesen, sagt er. Das ist leicht mal so dahingesagt. Sind in SHORT CUTS alle der parallel erzählten Geschichten interessant, ist es in THE INFORMERS mal gerade eine: die eines abgetakelten Playboys, der einen männerbündischen Trip mit seinem Sohn macht. Dass diese Episode besser funktioniert als alle anderen, liegt vor allem an einem Mann, der als Musiker von den meisten, als Schauspieler von allen unterschätzt wird. Wie genau Chris Isaak die traurige und peinliche Vaterfigur auf den Punkt bringt, ist angenehm unangenehm. Diese Balance zwischen Kraftmeierei und Lächerlichkeit hätte man dem ganzen Film gewünscht, der nicht nur inhaltlich, sondern auch handwerklich äußerst unspektakulär daherkommt. Optisch wirkt er wie ein Werbespot. Das hätte als satirisches Stilmittel zur Stärke geraten können, aber die geschmacksneutrale Machart hat hier keinerlei erkennbaren Hintergedanken. Der Film sieht aus, als hätte man die Regie an eine Agentur outgesourcet. Mit der erwähnten Ausnahme kann daran selbst eine Besetzung nichts ändern, die neben den Genannten mit weiteren Schwergewichten wie Billy Bob Thornton, Winona Ryder oder Rhys Ifans wuchert.

Hier und da hält das Skript ein gelungenes Witzchen über die Lächerlichkeit der Geschäfte bereit, die in Hollywood täglich und stündlich todernst besprochen werden, aber das ist nicht genug, um aus dem Ganzen eine ordentliche Satire zu machen. Dank der Themenschwerpunkte unbehaglicher zwischenmenschlicher Beziehungen und Wirrungen des Erwachsenwerdens kann man ins Grübeln kommen, was wohl Regisseure wie Todd Solondz oder Larry Clark daraus gemacht hätten. Bestimmt etwas, was der Vorlage besser gestanden hätte. In der Isaak-Episode blitzt es kurz auf, aber dann ist es wieder weg.

Als Romancier hatte Bret Easton Ellis zuletzt eine Fortsetzung seines Debütromans UNTER NULL vorgelegt. Beide Bücher sind gut gelungen. Der Film THE INFORMERS ist wie die Kehrseite dieser Medaille: Er könnte die Fortsetzung der misslungenen Verfilmung von UNTER NULL aus dem Jahre 1987 sein. Darauf hatte aber niemand mit angehaltenem Atem gewartet.

DVD.
An der Technik gibt es nichts zu meckern. An den Extras auch nicht, es gibt nämlich keine.








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