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KAPITELWAHL

THE JONESES - VERRATEN UND VERKAUFT (USA 2009)

von Florian Lieb

Original Titel. 2009
Laufzeit in Minuten. 96

Regie. DERRICK BORTE
Drehbuch. DERRECK BORTE . RANDY T. DINZLER
Musik. NICK URATA
Kamera. YARON ORBACH
Schnitt. JANICE HAMPTON
Darsteller. DAVID DUCHOVNY . DEMI MOORE . AMBER HEARD . GARY COLE u.a.

Review Datum. 2011-04-25
Erscheinungsdatum. 2011-02-25
Vertrieb. UNIVERSUM FILM

Bildformat. 2.35:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 5.1) . ENGLISCH (DD 5.1)
Untertitel. DEUTSCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Kennen Sie das nicht auch? Sie sehen jemanden mit fantastischen Schuhen oder einer eleganten Handtasche, die an Ihnen ebenfalls exquisit aussehen würde? Oder eben die Frau, die diese Artikel trägt und die Sie gerne an Ihrer Seite wüssten? Es sind derartige Statussymbole, die wir als Zeichen unseres Erfolges anstreben. Schicke, teure Autos, die größten Flachbildschirme und anderer Schnickschnack. Unsere kapitalistische Konsumgesellschaft macht uns hörig und Werbeflächen sind umkämpft wie nie. "Wenn Menschen dich wollen, wollen sie auch das, was du hast", heißt es an einer Stelle in Derrick Bortes THE JONESES, einem - nach eigener Charakterisierung - "Sozialkommentar auf die Konsumgesellschaft".

Der Film bedient sich einer simplen und doch grundsätzlich genialen Prämisse. Um Artikelverkäufe anzuheizen, werden perfekte Familien ausgesetzt, die dafür sorgen, dass alle das kaufen, was jene Familie zur Schau stellt. Und je besser die Familie verkauft, desto mehr Kruscht bekommt sie zur Verfügung gestellt. Ein Neuling ist hierbei Steve (David Duchovny), der zwar erfolgreich Autos in Arizona verscherbelte, mit einem Verkaufsanstieg von nur 3,5 Prozent jedoch die kleinsten Brötchen in seiner "Familie" backt. Dessen Vorsitz hat Kate (Demi Moore) übernommen, die das Einmaleins der urbanen Marketingstrategien im Schlaf beherrscht. Und selbst die bildhübschen "Kinder" Jenn (Amber Heard) und Mick (Ben Hollingsworth) hängen Steve noch ab.

Dieser ist ein Gutmensch, der zu Beginn in der neuen Umgebung - wo es allein 5.000 Teenager zwischen 15 und 18 und somit eine riesige Zielgruppe für die beiden Jüngsten gibt - allerdings noch großspurig meint, dass "wir hier viel Schaden anrichten werden". Damit, andere Leute über den Tisch und in die roten Zahlen zu ziehen, tut sich Steve jedoch anfangs etwas schwer, ehe Kate und deren Vorgesetzte KC (Lauren Hutton) seine eigene Jobgarantie in Frage stellen. "Du bist hier, um einen Lebensstil zu verkaufen. Eine Geisteshaltung", treibt ihn seine falsche Frau an, in die sich Steve mehr und mehr verguckt. Es wird also fortan sublim auf unterbewusster Ebene Psycho- und Ego-Marketing betrieben, was Steve alsbald an die Spitze seiner Firma katapultiert.

Besonderen Charme entwickelt THE JONESES zum Ende des zweiten Aktes, wenn sich herausstellt, dass selbst die perfekte Familie (oder vielleicht gerade diese) nicht vor Dysfunktionalität gefeit ist. Wenn Steve dann halb im Spaß und halb Ernst seine Ehefrau in spe fragt, "was haben wir falsch gemacht?", ist Bortes kleine Sozialkomödie auf ihrem Höhepunkt angelangt. Deren Prämisse allein ist so cool, dass sich der Film zum einen nicht mal die Mühe macht, ihr Schema vollends aufzudecken, und zum andern zugleich die eigentliche Handlung weitestgehend vernachlässigen kann. Selbst das rasch abgespulte Ende, das so wirkt, als wusste man nicht, wie man mit Anstand aus der Geschichte herauskommen soll, stößt da nur leicht säuerlich auf.

Sicherlich wäre hier noch mehr möglich gewesen. Beispielsweise etwas mehr Tiefe für die Darsteller neben Duchovny oder mehr Zeit mit der zentralsten Nebenfigur von Gary Cole, die zwar bestrebt ist, gerade Steve Jones zu übertrumpfen, zu welchem Zweck (seine Frau scheint es nur bedingt zu merken, also wohl eher für sich selbst) bleibt jedoch unklar. Auch die später eintretenden Probleme des verschlossenen Mick und der promiskuitiven Jenn wirken etwas gezwungen in die Handlung gepresst, wohingegen die sich entwickelnde Liebesgeschichte zwischen Moore und Duchovny weitaus stimmiger erscheint. Was umso löblicher ist, da zwischen den Darstellern nur bedingt die Funken fliegen wollen, beide jedoch so erfahren sind, das zu kaschieren.

Dass Duchovny den Charmeur raushängen lassen kann, beweist er seit vier Jahren in der TV-Serie CALIFORNICATION. Zwar können sich die übrigen Schauspieler nicht ganz so profilieren, dies liegt jedoch weniger an ihren Leistungen als an den zu geringfügig ausgearbeiteten Figuren. Dasselbe trifft im Grunde auch für die Geschichte als solche zu, die sich gekonnt an der Oberfläche des Problems bewegt und damit einem Wasserläufer gleich zwar nicht untergeht, allerdings auch nicht sonderlich im Gedächtnis bleiben kann (im Gegensatz zu Amber Heards kurzem Nacktauftritt). Aber das muss THE JONESES ja auch nicht, soll sich der Film ganz seinem Thema gerecht nur gut vermarkten lassen. Und das tut er, auch wenn es letztlich eine leichte Mogelpackung ist.

DVD.
Bild und Ton sind zufriedenstellend, bei den Extras sieht das schon anders aus. Neben einem Trailer finden sich lediglich rund fünf Minuten geschnittener Szenen, die jedoch weder erklären, warum der dritte Akt des Filmes derart überstürzt zu Ende gebracht wurde, noch für sich gesehen sonderlichen Mehrwert besitzen und eher wie Blooper-Reel-Material wirken.








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