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KAPITELWAHL

HIGANJIMA - INSEL DER VAMPIRE (Japan/Korea 2009)

von Andreas Neuenkirchen

Original Titel. HIGANJIMA
Laufzeit in Minuten. 117

Regie. TAE-GYUN KIM
Drehbuch. TETSUYA OISHI
Musik. HIROYIKO SAWANO
Kamera. SHINJI KUGIMIYA
Schnitt. HIROAKI MORISHITA
Darsteller. HIDEO ISHIGURO . KOJI YAMAMOTE . ASAMI MIZUKAWA . DAI WATANABE u.a.

Review Datum. 2011-04-14
Erscheinungsdatum. 2010-12-02
Vertrieb. ASCOT ELITE

Bildformat. 2.35:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DTS/DD 5.1) . JAPANISCH (DD 5.1)
Untertitel. DEUTSCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
HIGANJIMA - INSEL DER VAMPIRE kann ich nur mit hemmungsloser Subjektivität beikommen: Seit ich die DVD im Dezember 2010 erhalten habe, habe ich keinen Film häufiger gesehen. Nicht weil, wir beide so verliebt wären, sondern weil ich ihn mir einfach nicht merken kann. Die Erinnerung verblasst bereits, während der Abspann läuft, und die Aufmerksamkeit ist schon vorher vor schwere Prüfungen gestellt. Jedes Mal versuche ich etwas zu identifizieren, was an diesem Film erwähnenswert, herausragend, im Guten oder Bösen besonders wäre, aber jedes Mal vergesse ich meinen Auftrag nach ungefähr einem Drittel und lass das Geschehen einfach geschehen, ohne groß daran teilzuhaben. HIGANJIMA ist eine große, herzliche Einladung zum journalistischen Scheitern. Dass die Charaktere keine Charaktereigenschaften jenseits von "dick", "Lederjacke" oder "Mädchen" haben, ist bei dieser Art von Popcornsause ebenso zu erwarten wie eine Handlung, die mit dem Umreißen der Ausgangssituation hinlänglich beschrieben ist: Akira und seine Schulfreunde machen sich auf zu einer Vampir-Insel, um Akiras vermissten Bruder zu suchen.

Da auf der Insel neben den Blutsaugern auch noch einige Freiheitskämpfer hausen, kommt es mehr oder minder häufig zu gewaltsamen Konflikten, was die völlig übertriebenen rund zwei Stunden Laufzeit über die Runden bringt, wenn auch nur mit Ach und Krach. Regisseur Tae-gyun Kim scheint mehr am Look des Films als an der Dramaturgie interessiert. Optisch ist sein Ansatz durchaus interessant, wenn man richtig gucken kann. Über weite Strecken ist das Bild in Grüntönen gehalten mit gelegentlichen roten Hervorhebungen (Blumen und Blut). Menschen mit Rot-Grün-Schwäche werden sich freilich bedanken, allerdings auf so eine moderne, sarkastische Art und Weise. Was fürs Auge sind auch die Schurken, die wirken, als wären sie der Figurenauswahlgalerie eines neuen, coolen Prügelvideospiels entnommen; da ist vom Sado-Maso-Lederzombie bis zum androgynen Visual-Kei-Vampir für jeden Geschmack etwas dabei. Wer sich in solchen Bilderwelten wohlfühlt, und wer täte das nicht, wird sich auf Higanjima nicht unwohl fühlen.
Wenn die Spieler ausgewählt sind und die Prügelei beginnen kann, ist der Spielspaß leider viel zu oft von kurzer Dauer. Kim täuscht immer wieder den Aufbau großer Action-Szenen vor, liefert dann aber nur mittelgroße Ergebnisse. Etwa wenn die Helden-Clique auf einer Straße beidseitig von bewaffneten Untoten in großer Zahl bedrängt wird, und die Situation schließlich nach allerlei Diskussionen mit zwei (optisch immerhin befriedigenden) Granatenwürfen recht lieblos gelöst wird.

Wie die Figuren fechten auch die Spezialeffekte den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse aus. Einige Splattereffekte und Masken sind sehr gelungen. Wenn es aber um die Realisierung größerer Monstren geht, läuft das oft so schief, dass man dahinter gewollten Trash-Charme vermuten könnte.

Wenn man unbedingt wollte, könnte man HIGANJIMA auch noch vorwerfen, dass er es mit der Plausibilität nicht so genau nimmt, selbst bei erweiterten Genre-Toleranzgrenzen. So braucht ein durchreisender Teenager nur ein paar Handgriffe, um das Schloss des magischen Hochsicherheitsgefängnisses zu öffnen, in das der gefährliche Ober-Vampir vom Inselvolk einst weggesperrt wurde. Ganz zu schweigen davon, dass dieses offenbar nur manchmal streng bewacht wird.

Aber es ist vergebliche Liebesmüh. HIGANJIMA ist kein Film für Menschen, die Kritiken lesen, oder für Menschen, die ausdrückliches Interesse an den bedienten Genres haben, sei es Horror, Action oder Fantasy. Für entsprechende Enthusiasten ist hier alles zu oberflächlich und flüchtig. HIGANJIMA ist ein Film für Menschen, die einen der Hauptdarsteller süß finden, oder die ihre Filme spontan nach Plakatmotiv auswählen. Die werden sich nicht großartig über das Gebotene ärgern, zumal sie es hinterher bei McDonald's bereits wieder vergessen haben werden. Wie auch meine Erinnerung schon wieder schwindet, während ich dies schreibe. So ist HIGANJIMA ein Film, den man sich immer wieder ansehen kann, quasi ein Film für die Ewigkeit. Nur leider aus fragwürdigen Gründen.

DVD.
Technisch ist an der DVD nichts auszusetzen. Die deutsche Synchro klingt ein wenig nach besserem Laientheater, aber immerhin eben nach "besserem". Das Making-of, eigentlich ein Schauspieler-Videotagebuch, ist überraschend kurzweilig.








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