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KAPITELWAHL

BEGEGNUNGEN AM ENDE DER WELT (USA 2007)

von Stefan Rybkowski

Original Titel. ENCOUNTERS AT THE END OF THE WORLD
Laufzeit in Minuten. 99

Regie. WERNER HERZOG
Drehbuch. WERNER HERZOG
Musik. HENRY KAISER . DAVID LINDLEY
Kamera. PETER ZEITLINGER
Schnitt. JOE BINI
Darsteller. DAVID AINLEY . SAMUEL S. BOWSER . REGINA EISERT . KEVIN EMERY u.a.

Review Datum. 2011-03-09
Erscheinungsdatum. 2010-11-26
Vertrieb. POLYBAND/WVG MEDIEN

Bildformat. 1.77:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 5.1) . ENGLISCH (DD 5.1)
Untertitel. DEUTSCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Wer denkt, dass Werner Herzog in BEGEGNUNGEN AM ENDE DER WELT nur der Tierwelt und Natur buchstäblich auf den Grund geht, der wird schon in den ersten Minuten der Dokumentation eines Besseren belehrt. Herzogs Film trifft am anderen Ende der Welt nicht nur auf allerlei faszinierende Geschöpfe und Naturschauspiele, sondern vor allem auch auf Persönlichkeiten, die eine ganz eigene Geschichte zu erzählen haben. Egal ob der Busfahrer, der die Expeditionsgesellschaft von A nach B bringt, der Physiker, der eine Sonde in die Stratosphäre bringen möchte oder der osteuropäische Klempner, der nicht gern über seine Vergangenheit spricht: Herzog ist auch an all diesen bisweilen schrägen Figuren interessiert, die eher selten den Eindruck des seriösen Forschers vermitteln. Vielleicht ist es aber auch genau das, was man mitbringen muss, um in der Antarktis, am anderen Ende der Welt, seinen Job zu machen. Sie alle sind nämlich immer auch einsam, egal ob sie eine Bowlingbahn, ein Fitnesscenter oder eine Bar in der Kleinstadt mitten im Eis haben. Herzog, der seinen Film selbst erzählt und die Fragen höchstpersönlich stellt, entgegnet ihnen aber stets mit dem nötigen Respekt für ihren Job und ihre Wahl des Ortes, an dem sie diesem nachkommen. Wie in den frühen Filmen des einstigen Herzog-Schülers Errol Morris, beweist Herzog ein glückliches Händchen für Menschen und ihre Geschichte. Er befragt sie nicht nur, sondern filmt sie auch ganz simpel bei dem, was sie den ganzen lieben langen Tag eben so tun.

BEGEGNUNGEN AM ENDE DER WELT ist deshalb auch nicht etwa eine durchstilisierte Doku, wie man sie heute immer häufiger findet, sondern kümmert sich um die formalen Aspekte so gut wie gar nicht. Man hört Herzog, wie er die Fragen stellt, man sieht den Aufnahmen an, dass sie mit unterschiedlichen Kameras gedreht wurden (was zu einem Großteil wohl auch an den klimatischen Bedingungen liegen mag) und man hört, dass der Ton nicht immer auf hohem Niveau aufgenommen wurde. Doch das alles spielt auch gar keine große Rolle, denn wenn Herzog jemanden vor der Kamera hat - sei es nun ein Mensch, ein Tier oder eine Naturgewalt -, dann ist das alles nicht von Belang, denn man fokussiert sich auf die konkrete Gestalt, die niemals langweilig oder gleichgültig ist. Im Gegenteil. Einmal gelingt es Herzog einen Pinguin zu filmen, der in seinen sicheren Tod rennt. Er wird nicht aufgehalten, denn er würde sowieso wieder umdrehen und seinem Ziel entgegen laufen. Warum dieser eine Pinguin aus der Kommune ausbricht und Tausende von Meilen läuft, um damit Suizid zu begehen, wissen auch die Wissenschaftler nicht. Es ist nur ein faszinierender Moment von vielen.

Am stärksten ist BEGEGNUNGEN AM ENDE DER WELT natürlich aber, wenn er wortwörtlich ans Ende der Welt geht, unter Wasser, und dortige Bewohner filmt, die einem bisweilen den Atem stocken lassen. Es zeigt all die Schönheit, die in den einfachen Dingen liegt, in Menschen, die sich jeglicher Konvention entbinden und ihr ganz eigenes Ding durchziehen. Auch sie sind nicht frei von Klischees und Normen, aber sie streben ebenso nach Freiheit wie die leuchtende Qualle unter Zentimeter dickem Eis oder der Pinguin, der einfach nur dem Ruf des Eises folgt und läuft, so weit ihn seine Füße tragen. Herzogs BEGEGNUNGEN AM ENDE DER WELT ist eine Reise dorthin, wo der Mensch noch eins mit sich selbst und er Natur ist, trotz aller technischen Hilfsmittel, die ja letztlich nur Mittel zum Zweck sind. Herzog ist ein Dokumentarfilm gelungen, der eindringlicher ist als die meisten Spielfilme, die eine ähnliche Thematik behandeln und dennoch auch etwas Surreales hat. Die besten und schönsten Geschichten schreibt eben immer noch das Leben selbst, das beweist Herzog mit seinen Begegnungen am Ende der Welt einmal mehr.

DVD.
Die DVD besticht durch ein absolut klares und sauberes Bild, das die Momentaufnahmen aus der Antarktis adäquat wiedergibt. Der Ton ist zwar produktionsbedingt nicht allzu gut geraten - in den Interviewpassagen wird der Center immer wieder auf die beiden Fronts gesplittet -, tut dem Ganzen aber keinen Abbruch, denn dafür sind auch die zahlreichen Extras viel zu gut geraten, die dem 2-Disc-Set innewohnen. Es ist zwar sehr schade, dass es drei Jahre gedauert hat, bis der Film auch hierzulande zu sehen ist, aber dafür ist das Set rundum gelungen und präsentiert die Doku in der Qualität, die sie verdient.








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