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KAPITELWAHL

ZEIT DER TRAUER (USA 2009)

von Lutz Granert

Original Titel. THE GREATEST
Laufzeit in Minuten. 96

Regie. SHANA FEST
Drehbuch. SHANA FEST
Musik. CHRISTOPHE BECK
Kamera. JOHN BAILEY
Schnitt. CARA SILVERMAN
Darsteller. SUSAN SARANDON . PIERCE BROSNAN . CAREY MULLIGAN . AARON JOHNSON u.a.

Review Datum. 2010-12-30
Erscheinungsdatum. 2010-11-19
Vertrieb. UNIVERSUM FILM

Bildformat. 2.35:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 5.1) . ENGLISCH (DD 5.1)
Untertitel. DEUTSCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Das Sundance Film Festival gilt schon seit Jahrzehnten als eine der wichtigsten Schaubühnen für Independent-Filme. Hier ist Platz für "kleine Filme" und Themen, die in den Mainstream-Produktionen Hollywoods ausgespart werden. Familiendramen um Kriminalität, Drogen, Armut oder Schuldzuweisungen gewannen dieses Jahr die Spezialpreise der Jury in den Hauptkategorien Drama: ANIMAL KINGDOM und WINTER'S BONE. Und so verwundert es auch nicht, dass ZEIT DER TRAUER, der diesem Themenspektrum noch Trauer und den Umgang mit ihr hinzufügt, im Jahre 2009 auf der Nominiertenliste gelandet ist.

Das bedrückende Familiendrama beginnt mit einem Paukenschlag: Nachdem Sohn Bennett (Aaron Johnson) mit Freundin Rose geschlafen hat, will er ihr im Auto auf einer verlassenen Straße seine Liebe offenbaren. Doch noch bevor er sein Geständnis zu Ende bringen kann, wird der Wagen von einem Pick Up in voller Fahrt gerammt. Bennett - so erfahren wir dann - stirbt nur wenige Minuten später, Rose überlebt wie durch ein Wunder beinahe unverletzt.
Schock! Schwarzblende.
Bennetts Eltern, Allen (Pierce Brosnan) und Grace (Susan Sarandon) erwachen im Bett. Sie weint, beide fahren zur Beerdigung, zu der auch Rose anwesend ist.
Es folgt die Rückfahrt.
Der nachdenkliche Allen sitzt in einer zweiminütigen Einstellung auf dem Rücksitz eines Wagens zwischen der sichtlich mitgenommenen Grace und seinem gedankenabwesend blickenden Sohn Ryan (Johnny Simmons). Alle drei Familienmitglieder gehen unterschiedlich mit ihrer Trauer um. Das Glänzen jener farbenfrohen Bilder der Teenager-Leidenschaft ist der fahlen Gräue und dem bedrückenden Schwarz der Trauer gewichen, nur um dann die Alltäglichkeit ohne Bildsprache wieder einkehren zu lassen.

Wir sprechen von den ersten sechs Minuten von ZEIT DER TRAUER, die großartig sind. Leider schließen sich 85 weitere und auch optisch nichtssagende, dafür umso dialoglastigere an, die in Sachen Sentimentalität (neben Trauer gesellt sich auch noch die große Liebe dazu) mal zu dick, in Originalität und Empathie mal zu dünn auftragen. Während Grace sich Vorwürfe macht, nicht mit Bennetts Tod klarkommt, emotional zusammenbricht und Rose - die schwanger von Bennett bei der Familie eingezogen ist - dafür verantwortlich macht, bleibt Allen in sich gekehrt. Ryan versucht, sich in Drogen vor der bedrückenden Situation im Elternhaus und den Verlust seines Bruders zu flüchten. Wie das alles ausgeht, welche Konflikte auftreten werden und wie Bennetts Verlust und Erbe letztlich doch akzeptiert wird, ist schon nach der Hälfte des trotz allem gehaltvollen und ebenso traurigen wie hoffnungsvollen Films absehbar.

Trotz der wie immer äußerst engagierten Leistung Sarandons und der soliden Performance Brosnans wird - und das ist leider auch dem etwas uninspirierten Skript der Regiedebütantin Shana Feste zu verdanken - auch schauspielerisch nie ganz die Intensität und Tiefe von dem vergleichbaren Familiendrama IN THE BEDROOM erreicht, den Sissy Spacek in der vermutlich besten Performance ihrer Karriere beinahe zum Meisterwerk machte. Die süße Carey Mulligan ist dabei die positive Überraschung, darf aber auch in ihrer dankbaren Rolle als nach wie vor verliebte Schwangere die Sympathieträgerin schlechthin verkörpern. ZEIT DER TRAUER hat dabei ein ums andere Mal Angst vor der eigenen Courage, verlässt nur selten die altgedienten Trauerbewältigungspfade und lässt seinem Ensemble nur selten die Zeit, um wirklich kontemplatives, aber dem Zuschauer nahe gehendes wie herausforderndes Schauspielern zuzulassen. Das macht aus einem potenziell großartigen Drama um Trauer und deren Verarbeitung leider nur einen soliden Genrebeitrag.

DVD.
Bei Bild und Ton gibt es nichts zu meckern. Als Bonusmaterial gibt es längere Interviews mit Drehbuchautorin und Regisseurin Shana Feste und den Hauptdarstellern, die aber allesamt nicht wirklich informativ sind. Dazu sind noch entfernte Szenen und ein Trailer zu finden. Alles in allem aber ziemlich entbehrlich.








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