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KAPITELWAHL

FROZEN - EISKALTER ABGRUND (USA 2010)

von Hasko Baumann

Original Titel. FROZEN
Laufzeit in Minuten. 94

Regie. ADAM GREEN
Drehbuch. ADAM GREEN
Musik. ANDY GARFIELD
Kamera. WILL BARRATT
Schnitt. ED MARK
Darsteller. EMMA BELL . KEVIN ZEGERS . SHAWN ASHMORE . KANE HODDER u.a.

Review Datum. 2010-12-23
Erscheinungsdatum. 2010-12-10
Vertrieb. UNIVERSUM FILM

Bildformat. 2.35:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 5.1) . ENGLISCH (DD 5.1)
Untertitel. DEUTSCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Spannung entsteht in Extremsituationen. Extreme Spannung entsteht in Extremsituationen auf extrem begrenztem Raum. In FROZEN ist es ein Skilift, in dem drei Studenten zurückgelassen aufgrund einer unglücklichen Verkettung kleiner Zufälle zurückgelassen werden. Zwei Jungs und ein Mädchen finden sich allein, in der Dunkelheit, bei eisiger Kälte und in luftiger Höhe ohne Aussicht auf Rettung, weder von anderen noch durch sich selbst. Was Regisseur und Autor Adam Green ihnen in einem angemessen ruhigen Prolog als Charakteristika zuordnet, entspricht typisch amerikanischen Konstellationen: Dan (Kevin Zegers) hat seine Freundin Parker (Emma Bell) mit auf den Pistenausflug genommen, obwohl diese Trips für seinen besten Kumpel Joe (Shawn Ashmore) doch zu den immer selteneren Gelegenheiten gehörten, in denen er Dan mal für sich hat. Und natürlich kann Parker auch weder Snowboarden noch Skifahren. Dan wiederum tut sich schwer damit, Parker die von ihr ersehnte Zärtlichkeit zu zeigen und spüren zu lassen. Kurz vor der fatalen Fahrt mit dem letzten Skilift hat man sich doch einigermaßen arrangiert, und Joe hat sogar Aussicht auf ein Date mit einer neuen Bekanntschaft. Doch als das Trio, nachdem die Finsternis und Stille der Berge eingekehrt ist, feststellen muß, daß sie sich in Lebensgefahr befinden, verändern sich die Prioritäten - und die Kräfteverhältnisse. Was danach geschieht, geht über schlichten Überlebensthrill hinaus; FROZEN will dem Zuschauer an die Nieren, und da langt er auch in regelmäßigen Abständen heftigst hin.

Vom jungen Filmemacher Adam Green, mit mehr oder minder vielversprechenden Horrorfilmen bisher eher im wenig erwähnenswerten Pool der nerdigen neuen Horror-Generation Amerikas unterwegs, war ein solch dichtes, rundum ernsthaftes Drama nicht zu erwarten. Und natürlich, Green macht auch tatsächlich die befürchteten Fehler, wenn er die Protagonisten mit den Namen seiner Kollegen (etwa des weit weniger talentierten Regisseurs Joe Lynch) versieht, wenn er Kane "Jason" Hodder in einer Schlüsselrolle besetzt, und insbesondere, wenn er eben doch wieder zu lang auf blutige Details draufhält. Damit verbannt er FROZEN unfreiwillig wieder in die Splatterkiste, aus der er sich mit diesem Film hätte befreien können; doch wird das Publikum, das dieser Film absolut verdient hat, sich FROZEN nicht einmal mit spitzen Fingern nähern. Immerhin hat Green bei der potenziell blutigsten Szene des Films - der Angriff durch die ausgehungerten Wölfe - auf das viel wirkungsvollere Prinzip des "Nicht zeigen, nur hören" zurückgegriffen. Was für ihn spricht. Denn gedreht hat er das Ganze schon. Und zwar mit fast schon fulciesker Blutrunst.

Erschreckender als solcherlei Geschmadder sind die Reaktionen auf FROZEN, die man im Internet von satten Bloggern und Forenhooligans zu hören bekommt. Gut, Green hat tatsächlich allzu banale Dialoge geschrieben, wenn es um seine Figuren geht; Parkers verheulter Monolog über ihren nun wohl einsam verhungernden Hund versenkt beinahe den Film. Und Green hätte sie auch nicht zweimal als schlechte Werferin zeigen müssen. Aber daß hier tatsächlich mal wieder mit "Logikfehlern" (Unwort des Jahrtausends) und "Plausibilitätslöchern" auf die Nörgelbarrikaden gegangen wird, treibt einem die grüne Galle ins Gesicht. Hier befinden sich drei ganz normale Menschen in einer lebensgefährlichen Situation, und daß sie vielleicht nicht immer oder nicht sofort den besten Weg aus ihrer Misere wählen, ist menschlich. Es scheint, als wären die Kinos oder vielmehr die Fernsehsessel da draußen nur noch von postmodernen Klugscheißern bevölkert, deren Freude an Filmen ausschließlich darin besteht, sich über sie zu beschweren. Der vollgefressene, herablassende Tonfall von quasiintellektuellen Filmbloggern steht in seiner vermeintlichen Abgeklärtheit auf demselben Widerling-Level wie das Rumgeprolle der Cut/Uncut-Bande.

FROZEN ist, mit all seinen Fehlern, sogar mit seiner seltsamen Kadrierung (es sieht manchmal so aus, als sei das Scope-Format nachträglich abgecachet worden) und seinen zwei Dialogabstürzen ein durch und durch packender, aufs Nötigste und Wichtigste reduzierter Überlebensthriller. Es gibt Szenen, die richtig weh tun, es gibt solche, die einen den Atem anhalten lassen, man möchte diese Menschen nicht sterben sehen (es sei denn, man regt sich allen Ernstes darüber auf, daß sie pinkeln müssen) und man spürt den Schmerz und die Kälte. Der Film beginnt mit einem klaren Schriftzug auf schwarz, und genauso hört er auf. Man kann ihn beinahe als streng bezeichnen, selbst die sehr entrückte, nur in den Dialogszenen zu düdelige Musik setzt auf distanzierte Tragik. Wo immer Adam Green diesen Film hergeholt hat, es ist ein Anlaß zu hoffen, daß er noch mehr davon hat, irgendwo. FROZEN ist kein großer Film, aber er ist ein großer kleiner Film, und außerdem ist er einer der stärksten Filme dieses Jahres.

DVD.
Bild und Ton sind gut; die deutsche Synchro sollte allerdings tunlichst gemieden werden. Kevin Zegers klingt wie ein 45jähriger, und im Allgemeinen kommt alles mal wieder total konservig rüber. Die Extras können sich sehen lassen: Die einstündige Dokumentation "Beating the Mountain" schildert sehr anschaulich die Dreharbeiten, für die Adam Green nicht in ein Studio gegangen ist. Bei den "Deleted Scenes" findet sich Verzichtbares und eben jene splattrige Wolfsattacke, die auch die Gorebauern glücklich machen sollte.








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