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KAPITELWAHL

SOLITARY MAN (USA 2009)

von Hasko Baumann

Original Titel. SOLITARY MAN
Laufzeit in Minuten. 87

Regie. BRIAN KOPPELMAN . DAVID LEVIEN
Drehbuch. BRIAN KOPPELMAN
Musik. MICHAEL PENN
Kamera. ALWIN H. KUCHLER
Schnitt. TRICIA COOK
Darsteller. MICHAEL DOUGLAS . MARY-LOUISE PARKER . JENNA FISCHER . JESSE EISENBERG u.a.

Review Datum. 2010-12-23
Erscheinungsdatum. 2010-09-24
Vertrieb. SPLENDID

Bildformat. 2.35:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 5.1) . ENGLISCH (DD 5.1)
Untertitel. DEUTSCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Es gibt ja dieses wunderbare Gleichnis vom Skorpion und dem Frosch, das im Kino schon in Blake Edwards' Komödie SKIN DEEP zum effektiven Einsatz kam. Der Skorpion bietet dem Frosch an, ihn auf seinem Rücken über den Teich zu tragen. Der Frosch will zunächst ablehnen, weil er fürchtet, der Skorpion könne ihn auf dem Weg zum anderen Ufer stechen und damit töten. Der Skorpion erwidert, das wäre doch sinnlos, denn dann würde er ja selbst untergehen Das überzeugt den Frosch. Auf halbem Weg sticht der Skorpion zu. Im Todeskampf fragt der Frosch den Skorpion, warum er das getan habe, er würde doch jetzt mit ihm sterben. Der Skorpion erwidert: "Ich kann nicht anders. Es ist gegen meine Natur.

Ben Kalmen (Michael Douglas) ist ein Skorpion. Er war einmal der "ehrlichste Autoverkäufer Amerikas", reich, beliebt, erfolgreich. Aber das ist vorbei. Nach der Diagnose eines möglichen Herzfehlers hat Kalmen mittels betrügerischer Machenschaften seine Firma vor die Wand gefahren, seine Ehe mit seiner Frau (Susan Sarandon) ist wegen seiner zwanghaften Untreue kaputt gegangen, und die Beziehung zu seiner Tochter (Jenna Fischer) steht aufgrund seiner Unzuverlässigkeit - insbesondere, was seinen Enkel angeht - auch ständig auf der Kippe. Aber Ben kann nun einmal nicht anders: Er vögelt alles, was ihm vor die Flinte gerät, auch wenn seine Beziehung zu einer reichen New Yorkerin mit besten Beziehungen (Mary-Louise Parker) seine einzige Chance auf eine Rückkehr ins Business sein könnte. Wenn er seine Tochter mit ihrem Enkel in der Öffentlichkeit trifft und bereits sein Auge auf ein junges Mädchen wirft, bittet er sie, ihn nicht "Dad" zu nennen, und umarmt sie mit den Worten "Vielleicht sieht es dann so aus, als wären wir verheiratet." Als er die Tochter (Imogen Poots) seiner Freundin zum Bewerbungsgespräch an seiner edlen alten Universität begleitet, dient er sich sofort einem jungen Studenten (Jesse Eisenberg) als Mentor in Sachen Frauen an. Jeder Schritt, den er macht, reitet ihn tiefer in die Scheiße, denn Ben hat längst das Gefühl dafür verloren, was geht und was nicht; er hat keinen Sinn mehr für die verletzten Gefühle anderer und schon gar nicht für die Unausweichlichkeit, mit der er ins Verderben steuert.

SOLITARY MAN ist einer dieser allzu raren Filme, die sich als konsequente Charakterstudie verstehen und ihre Inszenierung dieser Maxime unterordnen. Vor einigen Jahren war das ROGER DODGER mit einem ähnlich konsequent empathielosen Campell Scott in der Hauptrolle, nun ist es der sogar noch stärkere SOLITARY MAN. Der Film bietet einem unvergleichlichen Michael Douglas eine der besten Rollen seines Lebens; eine Rolle, in der man sich praktisch keine idealere Besetzung vorstellen kann. Douglas glänzte als Schauspieler immer besonders in Filmen, die das breite Publikum seiner so erfolgreichen Thriller nicht erreichte; von seinem oscargekrönten Auftritt in WALL STREET einmal abgesehen finden sich viele seiner stärksten Leistungen in Flops wie THE WONDER BOYS. Douglas ist immer gut, er ist sogar gut in den schrecklichen Komödien, denen er in den vergangenen Jahren als völlig überqualifizierter Nebendarsteller sein Können schenkte, aber es braucht einen Film wie SOLITARY MAN, um ihm die Gelegenheit zu geben, eine derart brillante Leistung abzuliefern. In dieser Rolle zeigt sich sein Können, sein Timing, er lebt diesen Part durch und durch, vielleicht auch, weil er in weiten Teilen dem privaten Michael Douglas entspricht, wie es ihn vor seiner Begegnung mit Catherine Zeta-Jones gab. Daß er wahrscheinlich dennoch bei den diesjährigen Oscar-Nominierungen übergangen werden wird, ist vor allem der Tatsache geschuldet, daß SOLITARY MAN in amerikanischen Arthouse-Kinos versteckt unter Ausschluß der Öffentlichkeit lief und außerhalb der USA teilweise nur auf DVD erscheint.

Unterstützt wird Douglas dabei von einem exzellenten Ensemble, in dem nur Danny DeVito als alter Studienkumpel ein wenig wie ein Fremdkörper wirkt, wohl auch, weil DeVito auch im realen Leben ein alter Kumpel des Stars ist. Die neben Douglas bemerkenswerteste Performance des Films bietet Imogen Poots als scharfsinnige und berechnende Tochter Mary-Louise Parkers; dank ihrer ebenso verführerischen wie selbstsicheren Darstellung ist es zu jeder Zeit glaubwürdig, daß sie zu Bens Nemesis werden könnte. Überhaupt: SOLITARY MAN trifft zu keiner Sekunde den falschen Ton, von Johnny Cashs titelgebenden Song im Vorspann bis zu einer wunderbar unverstellten Schlußszene stimmt hier alles, die stilsichere Regie wie die paßgenauen Dialoge und die Konsequenz, mit der sich die Hauptfigur einer Chance auf eine Veränderung entzieht. In der bittersten Szene des Films wendet Ben seine erprobten Verführertaktiken bei der falschen jungen Frau an, die ihn nicht nur fragt, ob er dafür nicht zu alt sei, sondern ihn auch wütend auf die Qualitäten ihres Freundes hinweist: "Er ist liebevoll, sensibel, er kümmert sich um mich und er gibt mir, was ich brauche. Er ist all das, was Sie nicht sind." Selbst dieser bitteren Niederlage, diesem Aufzeigen seiner emotionalen Defizite und seines Alters, muß Ben noch mit einer zynischen Replik begegnen, und nicht nur das, er macht sogar noch einen Sieg daraus: "Das alles war ich auch mal, Schätzchen. Das geht vorbei."

Er kann nicht anders. Es ist seine Natur.

DVD.
Bild und Ton sind hervorragend. Die deutsche Synchronfassung erfreut mit sämtlichen Stammsprechern und einer sehr ordentlichen Übersetzung. Ausgerechnet Volker Brandt, seit je her brillant als deutsche Stimme von Michael Douglas, geht mitunter etwas zu gut gelaunt an den trockenen Witz der Dialoge heran. Die Hintergrundgeräusche sind leider wieder etwas zu weit nach unten gemischt worden. Dennoch: Keine echten Klagen. Das Making Of ist okay, nur frage ich mich, warum man sich den Film nach dessen Ansicht noch anschauen sollte, hier werden - wie auch in den Trailern - praktisch sämtliche Plot Points erzählt. Immerhin ist es schön zu sehen, wie sich die jungen Schauspieler auf und über Michael Douglas freuen, der sich wiederum völlig zu Recht über seinen Part gefreut hat. Über das Regisseursduo (ungewöhnlich genug) erfährt man leider nichts. Außer, daß sie nett sind.








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