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KAPITELWAHL

MADE IN USA (Frankreich 1966)

von Björn Lahrmann

Original Titel. MADE IN U.S.A.
Laufzeit in Minuten. 82

Regie. JEAN-LUC GODARD
Drehbuch. JEAN-LUC GODARD
Musik. nicht bekannt
Kamera. RAOUL COUTARD
Schnitt. FRANÇOISE COLLIN . AGNÈS GUILLEMOT
Darsteller. ANNA KARINA . LÁSZLÓ SZABÓ . JEAN-PIERRE LÉAUD . MARIANNE FAITHFULL u.a.

Review Datum. 2010-08-19
Erscheinungsdatum. 2010-08-05
Vertrieb. ARTHAUS/KINOWELT HOME ENTERTAINMENT

Bildformat. 2.35:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 2.0) . FRANZÖSISCH (DD 2.0)
Untertitel. DEUTSCH . ENGLISCH . NIEDERLÄNDISCH . SPANISCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Verschwörungskrimi im Schlafrock: Paula Nelson (Anna Karina) sucht den Mörder ihres Verlobten, der als kommunistischer Journalist einem politischen Attentat auf die Schliche gekommen war. Oder so ähnlich. Es treten auf: Flics, Agenten und Marianne Faithfull (As Tears Go By a capella, mmmh!). Es türmen sich: Knarren, Tonbänder und jede Menge Leichen. Ort des Geschehens: Atlantic Cité. Die Zeit: 1968, zwei Jahre zu früh. Prophetie und Alltag: "Das Wetter war ideal, um einen Farbfilm zu drehen."

Wer schon immer mal der Methode Godard beim Badengehen zusehen wollte, liegt mit MADE IN USA goldrichtig. Zunächst, weil hier wirklich alles Methode ist: 80 Minuten anarchische Sprachspiele und modische Ringelpullover, das kann mit der Zeit schon mal anstrengend werden. Im Hintergrund die immergleichen Pop-Art-Panels in BlauRotGelb, Comicseiten, Neonreklamen. Der Lack allerdings blättert merklich ab von Mauern und Zäunen, die beinahe jede Einstellung versperren: Ein enger, klaustrophobischer Film. Erst ganz am Ende geht der Blick ins Freie, vorher sprießen Blumen allein in grauen Innenhöfen. Auch die Karina ist blass ums Näschen; die Scheidung von ihrem Regisseur und Ehemann stand unmittelbar bevor. Sinnlose Orakelei, freilich: Godard wird in MADE IN USA vielmehr Opfer seiner eigenen Tricks, gefangen in der Sackgasse der Selbstreferenzialität.

Besonders auffällig die stumpfe Willkür seiner sonst so spitzen politischen Polemik: Wo ein Killerduo namens Richard Nixon und Robert MacNamara auftritt, wird zeitgeschichtliche Relevanz zum Spezialeffekt. Auch die stolz wiederholte Formel, ein Politthriller sei "Walt Disney + Blut", hat was unangenehm Erstsemestriges an sich. Tatsächlich sollte MADE IN USA, dem doppelzüngigen Titel zum Trotz, ein waschechter 'amerikanischer Film' werden. Liebevoll gewidmet ist er Nick [Ray] und Sam [Fuller], das Skript basiert auf einem Roman von Donald E. Westlake, der später Vorlagen für so grandiose Kracher wie POINT BLANK und THE OUTFIT liefern sollte.

Godard aber kommt aus seiner Haut nicht raus, vom Trenchcoat bis zum Revolver ist hier alles Gimmick oder Statement. Am Plot nicht im mindesten interessiert, um Kohärenz dennoch sichtlich bemüht, wird ihm das Vorhaben letztlich zum Hemmschuh: MADE IN USA gerät zum krampfigen Plagiat seiner selbst. Dass Westlake nie Tantiemen gesehen hat und den Film infolgedessen über Jahrzehnte aus dem Land fernhielt, dem er eigentlich galt, erscheint da beinahe als poetische Gerechtigkeit.

DVD.
Bild und Ton sind hervorragend. Als Bonusmaterial gibt's ein knappes Interview mit der wahrlich herb gealterten Anna Karina, in dem sie sich freundlich und mäßig interessant zu ihrer (professionellen) Partnerschaft mit Godard äußert.








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