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KAPITELWAHL

ALICE IM WUNDERLAND (USA 2010)

von Martin Eberle

Original Titel. ALICE IN WONDERLAND
Laufzeit in Minuten. 108

Regie. TIM BURTON
Drehbuch. LINDA WOOLVERTON
Musik. DANNY ELFMAN
Kamera. DARIUSZ WOLSKI
Schnitt. CHRIS LEBENZON
Darsteller. JOHNNY DEPP . MIA WASIKOWSKA . HELENA BONHAM CARTER . ANNE HATHAWAY u.a.

Review Datum. 2010-08-17
Erscheinungsdatum. 2010-07-22
Vertrieb. WALT DISNEY

Bildformat. 1.77:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 5.1) . ENGLISCH (DD 5.1) . FRANZÖSISCH (DD 5.1) . TÜRKISCH (DD 5.1)
Untertitel. DEUTSCH . ENGLISCH . ARABISCH . FRANZÖSISCH . TÜRKISCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Alice (Mia Wasikowska) ist älter geworden. Zehn Jahre nach ihrem Sturz in das Kaninchenloch - sie hat mittlerweile ihre Erlebnisse im Wunderland vergessen - soll sie nun verheiratet werden. Ein Trottel aus gutem Hause überrumpelt sie mit seinem Antrag, Alice entzieht sich der heiklen Situation und stürzt zum zweiten Mal durch das legendäre Loch.

Tim Burton hat nun also Lewis Carroll verfilmt. Eine vielversprechende Paarung: der große düstere Kinofantast nimmt sich des absoluten Klassikers unter den surrealen Traumbüchern an. Und in der Tat kommt Burtons Wunderland - er nennt es: "Unterland" - düster daher. Der Himmel drückt mit schweren Wolken aufs Gemüt, Wald und Steppe sind in dunklen und tristen Farben gehalten, auch die einst so bunte Teegesellschaft verbreitet trostlose Endzeitstimmung. Grund für die Tristesse ist das Terrorregime der Roten Königin (großartig: Helena Bonham Carter), die - ganz getreu der Vorlage - gerne Köpfe ihrer Untertanen rollen lässt. Die Hoffnungen der Bewohner aus Unterland ruhen nun auf der als Retterin prophezeiten Alice.

Ein zartes Mädchen, von einer kuriosen Begegnung in die nächste stolpernd, ein paar Figuren - damit lässt es Burton mit seiner Hommage an Lewis Carrolls Großroman schon gut sein. Die Charaktere interessieren ihn, die Story weniger. Um seine Figuren per motion capture ins virtuelle Set zu bringen, betreibt er immensen Aufwand. Der lohnt sich. Die digitalen Überzeichnungen geraten alles andere als seelenlos. Burtons Liebe zu seinen Protagonisten, eine seiner ganz großen Stärken, lässt ihn differenziert ausgestalten, wo andere auf das simple Gut-Böse-Schema setzen. Selbst die garstige Rote Königin, im stets dualistischen Disney-Universum nur die keifende Ur-Hexe, erhält hier als Körperfreak mit grotesk großem Wasserkopf Verletzlichkeit und Würde. Ihr Widersacher, der verrückte Hutmacher - genial gespielt von Johnny Depp - gerät Burton zur Meisterleistung; das digitale Make Up unterstreicht nur den vielschichtigen Charakter, das enorme Gefühlsspektrum eines letzten Widerständlers, seine Frustration, seinen Zorn, seine Hoffnungen, die Depp furios ausspielt.

So detailliert und ambivalent der Blick auf die Figuren, so visionär und gekonnt die Bildgestaltung - bei look und story lässt Tim Burton die Meisterschaft vermissen, so altbacken, konventionell und vor allem spannungsarm kommt die Geschichte des Weges. Der Widerstand im Unterland gerät ihm zum allzu schematischen Kampf gegen die Armeen der bösen Roten Königin. Selbst die drohende Enthauptung des Hutmachers lässt den Zuschauer durch Burtons allzu distanzierten Blick überraschend kalt. Die Auflösung des Films, Alice' triumphale Entscheidung für Karriere statt Ehe - fürwahr ungeheuerlich im viktorianischen England, hier verpufft sie. Der technische Aufwand, mit dem auf dieses Finale hin gearbeitet wird, wirkt fast wie ein satirischer Kommentar auf den dummen Disney'schen Minimalkonesenskosmoas. So freundlich Burton mit seinen Figuren umgeht - bei der Drehbucharbeit fehlt ihm eine kongeniale Ergänzung, die sich mit ähnlichem Respekt und ähnlicher Liebe der Story annimmt. Linda Woolverton, für Filmkitsch wie DER KÖNIG DER LÖWEN verantwortlich, ist für anspruchsvollere, düstere Geschichten wie die aus dem Unterland die falsche Autorin. Der angenehme, fast weichgespülte Wohlfühlfilm, der ALICE nun geworden ist, mag für Disney-Ansprüche genug sein. Für den meisterhaften Tim Burton bleibt das eine zwiespältige Arbeit, die Wünsche offen lässt. Da konnte Carroll besser zaubern.

DVD.
Die Bild- und Tonqualität ist, wie kaum anders zu erwarten, sehr gut. Als Extras gibt es drei freundliche Filmchen um die sechs Minuten, die ganz hübsch Details aus der Filmentstehung behandeln. Besonders interessant sind natürlich die Einblicke in das aufwändige, schwierige motion capture-Verfahren.








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