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KAPITELWAHL

DER TEUFEL MIT DER WEISSEN WESTE (Frankreich/Italien 1962)

von Jenny Jecke

Original Titel. LE DOULOS
Laufzeit in Minuten. 104

Regie. JEAN-PIERRE MELVILLE
Drehbuch. JEAN-PIERRE MELVILLE
Musik. PAUL MISRAKI
Kamera. NICOLAS HAYER
Schnitt. MONIQUE BONNOT
Darsteller. JEAN-PAUL BELMONDO . SERGE REGGIANI . JEAN DESAILLY . MICHEL PICCOLI u.a.

Review Datum. 2010-08-15
Erscheinungsdatum. 2010-06-03
Vertrieb. ARTHAUS/KINOWELT HOME ENTERTAINMENT

Bildformat. 1.66:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 2.0) . FRANZÖSISCH (DTS/DD 5.1/DD 2.0)
Untertitel. DEUTSCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
Ein schwarzer Schatten im Türrahmen - das ist das erste Bild, welches wir von Silien (Jean-Pierre Belmondo) zu sehen bekommen. Silien ist ein doulos, ein Polizeispitzel im Pariser Gangstermilieu, wie man es nur in einem Film von Melville zu sehen bekommt. Im Paralleluniversum des Stetson-Liebhabers laufen die eiskalten Engel in Trenchcoats durch die verregneten Straßen, planen Raubüberfälle in futuristischen Bars, wenn sie nicht gerade mit ebenso coolen Polizisten plaudern. Melvilles Gangsterfilme konkurrieren, was den Realismus angeht, mit jenen Tarantinos, deren Ironie ihnen jedoch weitgehend abgeht. So sah filmische Selbstreflexivität vor dem Einbruch der Postmoderne aus.

DER TEUFEL MIT DER WEISSEN WESTE ist nun ein französischer Film Noir mit einer entsprechend großartigen Lichtsetzung, die man in dieser Form weder in VIER IM ROTEN KREIS noch in DER EISKALTE ENGEL zu sehen bekommt. Zu den kalten, entleerten Bildern gesellen sich auf dem Spielplatz des Formalisten bedrohliche Silhouetten noch bedrohlicher Verbrecher; gut gekleideter Geschöpfe der Dunkelheit. Belmondos erster Auftritt ist Beweis eines zur Abwechslung mal sinnvollen deutschen Titels. Selten bleibt eine Hauptfigur auch für den Zuschauer dermaßen im Zwielicht, entzieht sie sich eines endgültigen Urteils. Der Manipulator par excellence, von Belmondo charismatisch gespielt, wechselt behände die Fronten, führt Polizei und Gangster an der Nase herum, wie es ihm beliebt. Kollege Faugel (Serge Regiani) ist nicht viel besser, nur weniger schlau. Gerade aus dem Knast entlassen bringt er einen alten Bekannten um. Nachdem der Schuss gefallen, der Mann zu Boden gesunken ist, bleibt die Kamera an einer Schreibtischlampe hängen, die einem Pendel gleich das wenige Licht hin und her schwingend in die Nacht trägt. Von Anfang an ist klar: Das Licht, das Gesetz hat hier nicht viel Strahlkraft. Natürlich will Faugel ein Ding drehen, gerät an Silien und etwas läuft schief.

Wer einem Melville gesehen hat, kennt sie alle, zumindest wenn Trenchcoats darin auftauchen. Doch während andere seiner Filme durchaus auch von ihren Figuren leben - der einsame Samurai-Killer, der alternde Polizist mit seinen vielen Katzen - scheint DER TEUFEL im Autopilot abzulaufen und findet seinen Höhepunkt ausgerechnet in einem gelangweilt vorgetragenen, nicht sonderlich glaubwürdigen Twist. Kann man die Melville vielfach vorgeworfene Misogynie in besseren Werken noch schönreden, kommt sie hier auf abstoßende Weise zum Vorschein. Da hilft auch der nette Gastauftritt von Michel Piccoli als Gangsterboss nicht, den negativen Beigeschmack zu mindern. DER TEUFEL MIT DER WEISSEN WESTE mag mit seiner expressiven Lichtgestaltung und einer beeindruckenden Plansequenz im Polizeirevier einer der am besten inszenierten Filme von Jean-Pierre Melville sein. Zahlreiche Einstellungen zeugen von den Stärken des heute zu selten beachteten Regisseurs. Doch die glänzende Oberfläche genügt hier nicht, um den ideologischen Morast darunter zu verbergen. Der deutsche Titel sagt eigentlich schon alles.

DVD.
Wer bereits die Fassung des Melville-Klassikers aus der Série Noir der SZ-Cinemathek sein eigen nennt, muss hier nicht zuschlagen. Zwar bietet die neue Veröffentlichung ein paar Extras in Form von Trailern und einer Fotogalerie. Hinsichtlich der ordentlichen Bildqualität sind jedoch keine wesentlichen Unterschiede auszumachen. Wie schon in der Fassung der Süddeutschen bekommt man ein paar neue Szenen im Original mit Untertiteln zu sehen. Dass man die Untertitel nun auch ausblenden kann, wird frankophile Zuschauer freuen. Melville-Komplettisten und -Fans können hier freilich bedenkenlos zugreifen.








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