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KAPITELWAHL

KILL POINT (USA 2007)

von Robert Zetzsche

Original Titel. THE KILL POINT
Laufzeit in Minuten. 320

Regie. STEVE SHILL
Drehbuch. JAMES DEMONACO
Musik. JUSTIN BURNETT
Kamera. diverse
Schnitt. MICHELL DANTON
Darsteller. JOHN LEGUIZAMO . DONNIE WAHLBERG . WAYNE KASSERMAN . TOBIN BELL u.a.

Review Datum. 2010-08-08
Erscheinungsdatum. 2010-04-10
Vertrieb. FILMCONFECT

Bildformat. 1.78:1 (anamorph)
Tonformat. DEUTSCH (DD 5.1) . ENGLISCH (DD 5.1)
Untertitel. DEUTSCH
Norm. PAL
Regional Code. 2

FILM.
In der achtteiligen Serie KILL POINT geht es ohne Umschweife zur Sache: Fünf schwer bewaffnete Männer unter der Leitung von Jake Mendez (großartig gespielt von John Leguizamo) laufen gut vorbereitet in eine Bank in Pittsburgh und kommen mit viel Geld unter den Armen wieder heraus. Durch einen dummen Zufall geht der Fluchtplan schief, unter schwerem Polizeibeschuss zieht man sich flugs in die Bank zurück und setzt somit den Ausgangspunkt für eine mehrere Tage andauernde Geisel-Belagerungssituation. Strukturell gibt sich die 2007 fürs US-Fernsehen produzierte Serie recht klassisch und erzählt das Geschehen vor allem aus der Perspektive des sympathischen Mendez und des engagierten Verhandlungsführers Horst Cali (ebenfalls überzeugend: Donnie Wahlberg). Der Rest der Rollen gibt sich mit einem schmierig wirkenden Polizeichefs, übereifrigen FBI-Bigshots, einen Jim-Jarmuschigen philosophierenden Sniper und psychisch eher fragwürdigen Bankräubern ebenfalls eher konservativ und macht auch aus den offensichtlichen Inspirationen - HEAT, VERHANDLUNGSSACHE, RESERVOIR DOGS, KILLING ZOE und mehr - keinen Hehl (Mendez' Deckname für den Überfall ist Mr. Wolf).

Das ist aber absolut kein Messwert für die Fähigkeiten der zuständigen Autoren. Statt sich rein auf die Zugkraft dieser psychologisch spannenden Situation zu beschränken, schrieb man die Tochter des einflussreichen Baulöwen Alan Beck (ein routinierter Tobin Bell), der sich bei der Befreiung seines Kinds nicht auf die Polizei verlassen will, unter die Geiseln. Eine vierte Partei, die an der Lösung der Geiselnahme interessiert ist, kommt mit einem Trupp alter Freunde der Gangster ins Spiel. Einen aktuellen kulturellen Bezug erhält die Serie, wenn Mr. Wolf sich (HUNDSTAGE lässt grüßen) am Ende der ersten Episode vor der Bank in einer an Pathos schwer zu überbietenden Rede als Irakveteran gegenüber der Öffentlichkeit zu erkennen gibt. Sie seien für das Land durch die Hölle gegangen und in ein apathisches Amerika zurückgekehrt, sie nehmen mit dem Überfall lediglich, was ihnen zusteh und ähnliches Blabla. Dieses Element spielt die Serie im Verlauf der acht Folgen noch einige Male aus und nie reicht es dazu, über einen Alibi-Versuch, auf Zwang etwas gesellschaftlich Relevantes in eine Popcornserie zu bringen, hinwegzutäuschen. Allerdings ist KILL POINT in jeder der acht mal vierzig Minuten so fesselnd, dass man das - guter Wille und Cringe-Resistenz vorausgesetzt -verzeihen kann.

Mit jeder Storyline, die nach und nach kollidiert und wegbricht, sterben die Aussichten auf eine friedliche Lösung des Konflikts. Die Ausbildung der Ex-Marines gepaart mit ihrem Schwur, entweder frei die Bank zu verlassen oder tot, machen einen SWAT-Eingriff unmöglich und deswegen die Gespräche und Abmachungen zwischen Mr. Wolf, seinen Marine-Kollegen, Horst Cali und Alan Beck so spannend. Inszenatorisch wird als Kontrast zum starken Storyverlauf leider nur Mittelmaß geboten. Am stärksten fällt das in den uninspirierten und elanfreien Schießereien auf, in denen sich Gangster und Polizei minutenlang steif gegenüberstehen und in Frontalaufnahmen abwechselnd aufeinander feuern.

Der Rang einer Referenz im Bankraub- und Geiselnahme-Genre bleibt KILL POINT somit verwehrt, dafür steht es als erkennbarer Inspirations-Cocktail zu sehr im Schatten seiner Vorbilder. Es wäre zudem durchaus ratsam gewesen, auf einen der Handlungsbögen zu verzichten, um auch die Nebencharaktere mehr als nur holzschnittartig zu skizzieren. Doch auch der fehlenden Detailliebe zum Trotz ist KILL POINT durchaus sehenswert - eine Vorliebe für psychologische Thriller vorausgesetzt.

DVD.
Die drei DVDs, die im ansehnlichen Pappschuber von KILL POINT stecken, sind ähnlich wie die Serie eher schnörkellos. DVD Eins und Zwei bieten außer je drei Folgen in deutscher und englischer Sprache - beide in 5.1 Dolby Digital - lediglich optionale deutsche Untertitel. Das einzige Extra stellen zahlreiche, durchaus interessante Interviews mit den Schauspielern dar, die mit den zwei Final-Folgen auf die dritte DVD gepresst wurden. Die Bild- und Tonqualität ist gut, was man bei dem digital geschossenem Ausgangsmaterial aber auch erwarten darf.








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